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von 1604 bis an seinen Tod das Amt eines Cantors und starb am 22. April 1610. Seit 20. Jänner 1605 war er auch Mitglied der theologischen Facultät der Wiener Universität, wo er häufig den Disputationen präsidierte und noch lange nach seinem Tode im Rufe eines hochgelehrten Mannes stand. Dabei führte er nach dem Zeugnisse des späteren Abtes Christoph ein heiligmäßiges Leben. Höffner erwähnt auch, er sei zur Übernahme der äbtlichen Würde im Cistercienserkloster Saar in Mähren aufgefordert worden, habe aber aus Demuth dieselbe abgelehnt. In Steinbachs diplomatischer Sammlung findet sich aber keine Andeutung davon, ist auch unwahrscheinlich, da nach dem Tode des Anton Wadinger, Abtes von Saar (1596–1601), die Abtei wegen der Verhandlungen betreffs Vereinigung der Klostergüter mit den Tafelgütern des Erzbischofes von Olmütz und Cardinals Franz von Dietrichstein erledigt blieb, bis 1606 die Vereinigung factisch erfolgte. (1638 wurde die Abtei dem Orden wieder restituiert.) Höffner scheint daher unsern Georg Myeliczky mit dem Georg Melezzy zu verwechseln (Nr. 314), der nach Steinbach bereits ein Jahrhundert früher (1520) als Abt nach Saar postuliert worden war.

410. Johann Damian Macrenzius

(al. Machrentinus), aus Grevenmachern im Großherzogthum Luxemburg gebürtig, war Priester und Stiftsherr zu Limburg. Als solcher vollendete er 1598 bis 1602 seine Studien am Collegium Germanicum in Rom, trat hierauf zu Clairvaux ins Noviziat und legte 1604 in Heiligenkreuz die Gelübde ab. Unter dem Vorsitze seines Connovizen P. Georg Myeliczky vertheidigte er am 19. März 1605 an der Universität zu Wien Thesen über die Menschwerdung Christi, die er dem Generalabte widmete, worauf er am 24. Mai 1605 Baccalaureus der Theologie wurde. Nach der Absetzung des Abtes Paulus (22. Febr. 1613) wurde er als Administrator des Stiftes eingesetzt, zeigte sich dieser Stellung vollkommen gewachsen, starb aber leider schon am 20. Sept. 1613 an der damals herrschenden Pest und wurde im Kreuzgang (an der Ecke des nördlichen und westlichen Flügels) begraben, wo sein Grabstein bis zur Renovierung im Jahre 1894 sichtbar war. „Magni ingenii et singularis spei vir“, sagt von ihm Höffner, und Seywitz nennt ihn „dexterrimus in agendo“.

Empfohlene Zitierweise:
Florian Watzl: Die Cistercienser von Heiligenkreuz. In Commission der Verlagsbuchhandlung ‚Styria‘, Graz 1898, Seite 59. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Cistercienser_von_Heiligenkreuz.pdf/76&oldid=- (Version vom 19.10.2020)