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innere Gesundheit unserer künstlerischen Tätigkeit. Wenn die bildenden Künstler nicht aus dem Herzen unseres Volkes schaffen würden, so wäre ein derartig stattlicher, materieller Erfolg nicht möglich. Deutschland ist zwar im Schutz des „goldenen Friedens“, der in Wahrheit ein friedlicher, aber energischer Kampf Aller gegen Alle ist, zu nie geahntem Reichtum gelangt, jedoch der durchaus überwiegende Teil unserer Volksgenossen gehört nicht zu den Reichen, sondern zu den Wohlhabenden, die sich keine „Galerie“ gründen wollen, sondern nach ihrem Wohlgefallen bestellen und kaufen. Die Triebfeder liegt dann natürlich einzig in der Freude am Kunstwerk. Und woran erkennt der rückschauende Historiker eine Blüte der Künste, wenn nicht an der inneren Anteilnahme der Gesamtheit an der Kunst und an der materiellen Förderung der Gaben der Künstler, welche dadurch für den jeweiligen Zeitabschnitt qualifiziert werden. Über unser persönliches Geschmacksurteil müssen wir die Betrachtung der allgemeinen und besonderen künstlerischen Zustände vornehmlich dann stellen, wenn wir uns fragen: sind die Künste heutigentags in guter Entwicklung begriffen? Von jenen rein sachlichen Gesichtspunkten aus dürfen und müssen wir meiner Ansicht nach diese Frage mit „ja“ beantworten. –

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Diverse: Deutschland unter Kaiser Wilhelm II. – Band 3. Verlag von Reimar Hobbing, Berlin 1914, Seite 1595. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Deutschland_unter_Kaiser_Wilhelm_II_Band_3.pdf/466&oldid=- (Version vom 16.1.2022)