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Seite:Der Held von Berlin.pdf/88

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Der Taifun des Beifalls hatte alle Wunden in Fatmas Gemüt wieder aufgerissen. Hatte die Erinnerung an ähnliche Tobsuchtsanfälle des Publikums in New York wachgerufen, hatte ihr die erste Zeit ihrer Liebe wieder vorgezaubert, der Zeit, als Bara nach Amerika gekommen war.

Sie war bis in die letzten Tiefen ihrer Leidenschaft aufgerüttelt und aufgewühlt. Sie wusste kaum noch, was sie tat. Sie wusste nur, dass sie ohne diesen Mann nicht leben konnte. Sie musste ihn zurückgewinnen oder zugrunde gehen. Jetzt in dieser Stunde seines ungeheuren Erfolges sollte er über ihr Leben entscheiden. Sie stand im Bühnengang, er musste an ihr vorüberkommen. Sie trat ihm in den Weg. Sie ächzte ihm zu:

„Henry, ich flehe dich an, komm mit in meine Garderobe. Ich muss mit dir sprechen.“

Bara sah Jo um die Ecke des Ganges biegen. Die Aufhaltung stört seine Pläne.

„Lass mich,“ flüsterte er barsch, „jetzt nicht,“ und wollte weitereilen. Doch Fatma ging es um Leben und Sterben. Sie liess sich nicht abschütteln, sie fasste seinen langen spanischen Mantel, krallte sich hinein.

„Henry, du weisst nicht, wie es um mich steht. Ich ertrag dein Schweigen nicht länger. Du musst –“

„Lass mich!“ drohte er und suchte sich von ihr zu lösen. Er sah, dass zum Glück der Bühnengang leer war, und keiner diese peinliche Szene beobachtete. Aber Fatma gab ihn nicht frei. Sie liess den Mantel

Empfohlene Zitierweise:
Alfred Schirokauer: Der Held von Berlin. Typoskript, Berlin o. J., Seite 87. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Der_Held_von_Berlin.pdf/88&oldid=3263726 (Version vom 31.7.2018)