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Seite:Der Held von Berlin.pdf/33

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3.

Fatma Nansen stand am Fenster ihres Hotelzimmers Unter den Linden und blickte auf das Getriebe der Linden hinab. Es war die Nachmittagsstunde, zu der sich im Februar die Nacht auf die Strasse senkt. Eine kalte Nacht war es. Über den Dächern unter der graubleichen Glocke des Himmels qualmte ein rosa Schimmer. Der Lichtschein, der über jeder Weltstadt glimmt. Unten, längs der Bürgersteige, sprühten die ersten Lichter auf und machten die Dunkelheit erst spürbar.

Von dem Fenster im zweiten Stock aus erschien alles dort unten seltsam verkürzt. Die Menschen. Die Wagen. Wie seltsam die Autos aussahen! Wie Tiere mit schwarzen und weissen Rücken, die dahinkriechen und stehen bleiben, wenn das rote Licht aufglutet, sann die Frau am Fenster auf Schwedisch, ihrer Muttersprache, in der sie dachte, wenn sie allein war.

Aber nur ihr Gehirn arbeitete. Ihre Sinne waren fern von dem abendlichen Bild der Berliner Strasse. Fern in ihrem Schmerz und ihrer Erniedrigung.

Sie wandte den Kopf in das Zimmer zurück, als suche sie etwas. Als suche sie den Mann, auf den sie wartete.

Der letzte Schimmer des Tages, der hier oben noch nicht zur Nacht geworden war, beleuchtete ihr schwarzes Haar. Die weisse Linie ihres Madonnenscheitels glänzte auf. Sie wandte den Kopf wieder dem Fenster zu. Das Gesicht war mild umflossen von diesem letzten Schein des

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Alfred Schirokauer: Der Held von Berlin. Typoskript, Berlin o. J., Seite 32. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Der_Held_von_Berlin.pdf/33&oldid=2690607 (Version vom 5.5.2016)