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Seite:Der Held von Berlin.pdf/164

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liebe, tötlich beleidigt hat. Schluss. Aus. Freispruch. Was sollte dieses irre Gewäsch, das alles nur verderben konnte?

Er drehte sich zur Anklagebank um, aus der Heise, weit zum Publikum vorgebeugt, herausragte und zupfte ihn am Rock. Dabei flüsterte er ihm zu:

„Wohin verlieren Sie sich? Sprechen Sie von der Dame – der Da – me!“

Das Wort spiesste er wie eine Delikatesse auf die Zungenspitze.

Ärgerlich riss Heise seinen Rock aus den Händen des Anwalts.

„Stören Sie mich nicht,“ knurrte er nervös und zornig den Menschen an, der ihm gegen seinen Willen aufgezwungen worden war, der ihn jetzt mitten aus seinem Gedankenschwung herausgeriss.

„Was zerren Sie da an mir herum?“ Er fasste sich an die Stirn. Suchte den verlorenen Faden.

„Meine Damen und Herren, glauben Sie mir, ich habe Stimme. Ich kann singen, nicht so gut wie Bara aber doch wie viele andere, die auf deutschen Opernbühnen Abend für Abend Lorbeern ernten. Ich kann die Rolle des Columbus von Anfang bis zu Ende. Auf Ehrenwort. Hören Sie mich an. Und dann – ich flehe Sie an, dann zwingen Sie durch Ihren Machtspruch – das Publikum hält die Entscheidung über uns in der Hand. Alles kann es durchsetzen, wenn es nur will. – Und Sie, meine Herren von der Presse, fordern Sie mich, fordern Sie mich so stürmisch, so diktatorisch als Columbus, dass Buchner mich nehmen muss.“

Empfohlene Zitierweise:
Alfred Schirokauer: Der Held von Berlin. Typoskript, Berlin o. J., Seite 163. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Der_Held_von_Berlin.pdf/164&oldid=3263596 (Version vom 31.7.2018)