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von Sophismen sehen müßen: aber jeder weiß denn doch, daß der Regent alle hört; daß ihm jeder frey seine Noth klagen darf; daß Niemand deswegen gestraft wird, weil er gegen einen Mächtigen klagte; und dieß verhindert mehr Ungerechtigkeit, als die genaueste Aufsicht nicht verhindern kann.“ Ganz in diesem Geist denk und handelt Hardenberg, der Weise, Gütige und Gerechte. Ganze Schaaren von Unterthanen drängen sich an den bestimmten Audienztagen herbey, ihre Klagen auszuschütten; mit einer unübertrefflichen Güte und Liebe hört sie der edle Minister an, und nimmt ihnen ihre Bittschriften ab, die großentheils von den Klagenden eigenhändig aufgesetzt sind. Man kann leicht denken, daß diesen Schriften alle sogenannte Förmlichkeiten fehlen, daß sie oft kaum leserlich geschrieben sind, und ein reines Factum ohnehin nicht enthalten. Dagegen sagt der Unterthan in seiner selbstverfertigten Schrift es meist sehr aufrichtig und naiv, wo ihn eigentlich der Schuh drückt, und erspart doch die Kosten für den Advocaten. Und das ist für Hardenberg genug! Denn nun werden diese Schriften den betreffenden Stellen zum Bericht größtentheils mit Abforderung der Acten mitgeteilt, oder letztere