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„Dem Meister, der als Knabe
Gespielt in Steinbachs Schooß,[1]

35
Und dann am Wanderstabe

Gedanken hegte groß!“ –

Auch unserm Friedrich[2] hohen
Und lauten Jubelruf,
Der aus dem Block, dem rohen,

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Dies Meisterwerk erschuf!


Geformt aus selbem Steine
Aus dem das Münster ward,
In lieblichem Vereine
Sich Ernst mit Anmuth paart.

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Er weiht’s zum Friedenszeichen

Dem heimathlichen Thal,
Daß wir die Hände reichen
Uns liebend allzumal.

Auf, Brüder! laßt ertönen

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Ein donnernd Lebehoch

Des Rheinthals edlen Söhnen:
Erwin und Friedrich hoch!

Und hoch der Fürst der Gauen,
Drin Erwin’s Denkmal thront,

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Dem Liebe, Volksvertrauen,

Sein mildes Herrschen lohnt!

Daniel Hirtz.
(Drechslermeister in Straßburg.)

  1. Das Städtchen Steinbach, am Eingange des Neuweierer Thales gelegen, ist offenbar uralt. Es bildete früher ein weit bedeutenderes Gemeindewesen, als gegenwärtig. Weit umher bekannt waren seine Steinbrüche, und ein ziemlicher Theil seiner Bewohner mag von der Steinhauerei gelebt haben. Es konnte nicht fehlen, daß bei dem allgemeinen Aufblühen der teutschen Baukunst unter den Hohenstaufenschen Kaisern, dieser Ort in Beziehung mit einer jener Hütten kam, woraus die Meister [170] und Gesellen hervorgingen, denen wir so manche herrliche Bauten unserer Städte verdanken. Und was ist wahrscheinlicher, als daß der Sohn eines der Steinbachischen Steinmetzen unser Erwin sey? Noch vor Kurzem kannte man nichts als dessen Namen, aber weder die Geburts- und Grabesstätte, noch auch den geringsten Lebensumstand Meister Erwin’s. Dank sey also den edlen Bemühungen, die uns über den Helden der teutschen Baukunst das erste Licht gegeben. Besonders ist hier zu nennen Dr. Heinr. Schreiber, durch seine Abhandlung über den Straßburger Münster und Meister Erwin.
    Vergleiche auch Göthe’s Jugendaufsatz über diesen Gegenstand.

    Im sogenannten Frauenhaus zu Straßburg liegen noch die Plane des Münsterthurmbaues auf Pergament, wovon einer als das Original von Erwin’s eigener Hand bezeichnet wird.

    Man kann annehmen, daß der junge Erwin von seinem Vaterorte nach Freiburg gezogen, wo sich damals eine der bedeutendsten Bauhütten des Landes befand. Die Herzoge von Zähringen hatten den dortigen Münsterbau begonnen; die Grafen von Urach, ihre Erben, vereint mit dem Adel, mit der Geistlichkeit und Bürgerschaft der freudig aufblühenden Stadt, vollendeten ihn. Als Erwin erschien, mochte der Thurm schon begonnen seyn, und somit half er ein Werk ausführen, welches von allen Thurmbauten des teutschen Mittelalters anerkannt das gelungenste ist. Den Meister desselben kennt man leider nicht mehr; wir wollen ihn aber in seinem Schüler verehren, denn gewiß war Erwin sein Liebling und sein Stolz.

    Als Meister Erwin nach Straßburg kam, wurde der Bau des Münsters bald wieder lebhaft betrieben. Alles trug zu dessen einstiger Vollendung bei, und Bauherr und Baumeister entwickelten die erfreulichste Thätigkeit.

    Nachdem der alte Querbau ergänzt und das Langhaus aufgeführt war, ward endlich am St. Urbanstage des Jahres 1277 der Grundstein zum Thurmbau gelegt. (Wie folgende alte Inschrift bezeugt: „Anno Domini MCCLXXVII in die beati Urbani hoc gloriosum opus inchoavit Magister Erwinus de Steinbach.“) – Und nun arbeitete Erwin mit seinen Gesellen und Lehrlingen, mit seinem fleißigen Sohne Johannes und seiner kunstsinnigen Tochter Sabina, in unermüdlichem Eifer an dem heiligen Bau, welcher seinen Namen auf die fernste Nachwelt bringen sollte. Man hatte ihm auch das Amt des Hüttenherrn übertragen und somit stand er, neben dem Bischof, an der Spitze des ganzen dortigen Bauwesens.

    Leider ward es aber dem ehrwürdigen Meister nicht vergönnt, sein Werk zur Vollendung zu bringen. Erwin starb 1308 als hochbetagter Greis, vierzig Jahre nach jener Grundsteinlegung. (Wie die Inschrift seines Grabsteines meldet, den man bei der St. Johanniskapelle im Münster entdeckt hat. Sie lautet ganz einfach: „Anno Domini MCCCVIII. [171] XVI. Kal. Februarii obiit Magister Erwinus, Gubernator Fabricae Ecclesiae Argentinensis.“) Er hinterließ die weitere Ausführung seinen Kindern. Allein auch diese erlebten die Vollendung des zweiten Thurmes nicht; er blieb für immer unausgeführt. Und so denn raget der Straßburgische Münster als großartiges Bruchstück einer großen Vorzeit in die Gegenwart herein und ruft uns zu, daß uns Teutschen, die wir in aller nationalen Entwicklung lange her unterbrochen worden, deren heiligen Bau nun zu vollenden, endlich die Zeit gekommen!“

    (Aus dem Aufsatz „Erwin von Steinbach“ in Dr. Joseph Bader’s „Herda.“ Neue Folge erster Band. Freiburg, 1841. S. 241. u. ff.)
  2. [171] Der Straßburger Bildhauer Friederich fertigte das schöne Standbild Erwin’s, es mit edler Uneigennützigkeit als Denkmal für Steinbach stiftend, wo es im Jahr 1844 auf einem nahen Hügel aufgestellt und unter volksfestlicher Feier enthüllt wurde.
Empfohlene Zitierweise:
August Schnezler (Hrsg.): Badisches Sagen-Buch 2. Band. Kreuzbauer und Kasper, Karlsruhe 1846, Seite 169. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Badisches_Sagenbuch_II_169.jpg&oldid=- (Version vom 31.7.2018)