Seite:Aus Liudprands Werken.pdf/95

Diese Seite wurde noch nicht korrekturgelesen. Allgemeine Hinweise dazu findest du auf dieser Seite.

939 nicht Einer; wer nicht durchs Schwert umkam, wurde gefangen genommen. Du siehst also, wie der Herr seine Hand gegen die Widersacher des Königs wandte, den er auf seinem Wege wandelnd erfunden hatte.

30. Unterdessen stand der König, der hiervon nichts wußte, im Elsaß, entschlossen eher zu sterben, als vor dem Feinde die Flucht zu ergreifen. Da geschah es, als er nach seiner Gewohnheit bei Tagesanbruch sein Roß bestiegen hatte, um sich zur Kirche zu begeben (denn sie war weit entfernt) und so dahin ritt um sich im Gebet zu stärken, daß er, in die Ferne blickend, einen Mann erspähte der mit großer Eile auf ihn zukam, und den er sogleich als einen Boten erkannte. Und daß er gute Botschaft brachte, zeigt er sogleich als den König sah, durch fröhliche Gebärden die kommende Freude andeutend. Daran erkannten alle, die zugegen waren, daß er Gutes zu melden habe, und liefen mit gespitzten Ohren herbei, um ihn zu hören. Ein Jahr schien es ihnen zu dauern, wie der Mann in gemessenem Schritt sich näherte, Haar und Kleidung in Ordnung brachte[1], und dann seine ehrfurchtsvolle Begrüßung begann. Der König aber sah wie das Volk ungeduldig war, und es kaum ertrug, daß der Bote in seinen Reden solche Umschweife machte. Darum sprach er zu ihm: „Frisch! sage warum du gesandt bist, melde zuerst die Hauptsache, wenn auch in verkehrter Ordnung, benimm den Leuten hier die Angst und erfülle ihre Herzen mit Freude; lange Einleitungen, kunstgemäße Vorreden und Glückwünsche magst du uns nachher zum Besten geben. Nicht wie, sondern was du sprichst, ist jetzt die Hauptsache. Denn wir wollen lieber mit bäuerischer Einfalt fröhlich sein, als mit tullianischer Beredsamkeit von drohender Gefahr vernehmen.“ Als das der Bote gehört hatte, meldete er gleich zuerst daß Eberhard und Giselbert gefallen seien;

Empfohlene Zitierweise:
Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig 1890, Seite 75. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/95&oldid=- (Version vom 8.4.2018)
  1. Nach Terenz, Heautontim. II, 2, 11.