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939 so wollen wir ritterlich sterben und unsere Ehre nicht lassen zu Schanden werden. Denn besser ist es für Wahrheit und Recht den Tod zu erdulden, als ihn meidend mit Schanden zu leben. Wenn jene, die der Ordnung Gottes widerstreben und nur auf ihre Menge, nicht auf Gottes Hülfe bauen, doch für eine ungerechte Sache mit Freudigkeit kämpfen, sterben und zur ewigen Höllenpein hinabfahren, so müssen wir doch mit nicht geringerer, ja mit weit gröerer Fröhlichkeit in den Kampf gehen, da wir für das Recht mit sicherer Zuversicht streiten, und falls uns das Loos alles Fleisches treffen sollte, mit noch größerer Zuversicht sterben können. Denn im Kampfe für das Recht um der geringen Anzahl wegen vor der Entscheidung der Schlacht entweichen, das heißt Gott mißtrauen[1].“ Durch diese Worte brachte er sie nicht nur von ihrem Vorhaben ab, sondern entflammte sie auf der Stelle zu brennendem Kampfesmuth.

28. Eines aber, eines, trefflicher Vater, bitte ich dich sorgfältig zu beachten; wenn du das gehört hast, so wirst du ihn noch mehr bewundern, weil er die Leidenschaften seines Herzens zu bezwingen wußte, als wegen des Sieges über die Feinde. Denn solche Widersacher zu überwinden, vermögen unter Gottes Zulassung manchmal auch sündige Menschen; aber die Kraft des Geistes unerschütterlich zu bewahren, ohne im Glücke stolz, noch im Unglück kleinmüthig zu werden, das ist nur dem Vollkommenen gegeben. Höre also mit welcher Inbrunst des Glaubens er in dieser so stürmischen Zeit an dem Felsen, welcher Christus ist, festhielt. Es war nämlich bei ihm damals ein gewisser sehr reicher Graf, dessen zahlreiches Kriegsgefolge im Heere des Königs glänzte. Dieser also, da er sah daß so viele von des Königs Heer theils entwicken, theils zum Feinde übergingen, begann in der Stille, indem er nur den äußerlichen,

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Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig 1890, Seite 71. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/91&oldid=- (Version vom 8.4.2018)
  1. Weil der Ausgang des Kampfes als Gottesurtheil betrachtet wurde.