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bewußt, wie vollendet seine Liebe sei, bis es durch die Opferung seines geliebten Sohne aufs deutlichste offenbar wurde. Wir können diese Behauptung auch aus den Worten heiligen Petrus beweisen: „Herr, sprach dieser, ich bin bereit mit dir ins Gefängniß und in den Tod zu gehen.“ Der Herr aber sprach: „Petrus, ich sage dir, der Hahn wird in dieser Nacht nicht krähen, ehe denn du dreimal verleugnet hast, daß du mich kennest[1]!“ O heiliger Petrus, besser als du dich selbst kanntest, kannte dich der, der dich geschaffen hat. Du meinst den wahren Glauben zu bekennen; der aber, welcher alle weiß ehe es geschieht, sagt dir im voraus, daß du ihn dreimal verleugnen würdest. Dieses Ausspruchs warst du eingedenk, als er dich hernach fragte, ob du ihn liebest, und du, ihm mehr als dir selber trauend, deine Liebe durch folgende bescheidene Antwort zu erkennen gabst: „Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, daß ich dich lieb habe[2].“ „Meines Wissens wenigstens liebe ich dich mehr als mich, es sei denn daß, indem ich dich liebe, ich mich selber liebe. Ob sich dieses aber in der Wahrheit so, wie ich meine, verhalte, das weißt du besser als ich, der du mich geschaffen und mich mit der gerechtesten Begier dich zu lieben beseelt hast.“ Deshalb, guter König, ist es nicht geschehen, damit du glaubest, sondern damit die Schwachen glauben, welche sich einbilden der Sieg liege nur in der Menge der Streiter und in den menschlichen Dingen entscheide bloß der Zufall. Denn wir wissen daß du, und du auch mit zwölftausend Legionen über den Fluß gegangen wärest und den Sieg erfochten hättest, doch denselben nicht dir, sondern dem Herrn zuschreiben würdest. Und das ist der Grund, weshalb er gewollt hat, daß du durch dein Gebet mit wenigen siegtest, und daß er die, welche ihre Hoffnung auf ihn stellen, noch mehr zu seiner Liebe entzündete, und denen, welche es nicht wissen, offenbar machte, wie sehr er

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Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig 1890, Seite 69. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/89&oldid=- (Version vom 8.4.2018)
  1. Luc. 22, 33. 34.
  2. Evang. Joh. 21, 17.