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939 Emmaus wandelnden Jüngern nicht glaubest, denen er nicht bloß erschienen war, sondern ihnen auch die Schriften auslegete, die von ihm gesaget waren, ja sogar nach seiner gewohnten Weise das Brod segnete, brach, und es ihnen gab: wenn du auch denen nicht glaubst, was weigerst du dich doch, allen deinen Mitjüngern zu glauben, denen er bei verschlossenen Thüren erschienen war? Erinnerst du dich nicht, daß dieser, dein Herr und Lehrer, mit dem du in den Tod zu gehen versprochen, vor seinem Leiden alles dieses vorausgesagt hatte? Er sprach ja: „Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem und es wird allen vollendet, das geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn. Denn er wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und gegeißelt und verspeiet werden. Und nachdem sie ihn gegeißelt, werden sie ihn tödten, und am dritten Tage wird er wieder auferstehen[1].“ Warum zweifelst du also an seiner Auferstehung, da du siehst, daß er den Heiden überantwortet, gegeißelt, verspeiet und gekreuziget ist, so wie er vorhergesagt hatte? Nicht ohne Ursache ist es, daß du mit eigenen Händen deinen Gott zu berühren verlangst. Denn er selbst, unser König, der von Alters her alle Hülfe thut, so auf Erden geschieht[2], der alles vorher weiß ehe es geschieht, er sah auch voraus, daß viele durch solchen Unglauben ins Verderben gerathen würden, und sprach daher nach seiner Barmherzigkeit und Güte: „Reich deinen Finger her, und lege deine Hand in meine Seite, udn sei nicht ungläubig, sondern gläubig.[3].“ Έξαὐδα δε θομἀ ἀγιε, exauda de Thoma agie d. h. Bekenne aber, heiliger Thomas, und verscheuche durch deinen Zweifel all unser Mißtrauen. Er sprach: „Mein Herr und mein Gott!“ — O Zweifel, der über alles Lob erhaben ist! O Mißtrauen, das alle Jahrhunderte preisen müssen! Hättest du nicht gezweifelt, so stünde mein Glaube nicht so fest.

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Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig 1890, Seite 67. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/87&oldid=- (Version vom 8.4.2018)
  1. Luc. 18, 31–33.
  2. Psalm 73 (74), 12.
  3. Evang. Joh. 20, 27.