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unser Herrn und Erlösers Jesu Christi geschlagen sind. König Heinrich aber, wie er denn ein gottesfürchtiger Mann und jedes Heiligthums Liebhaber war, erfuhr nicht so bald, daß Rudolf ein so unschätzbares Geschenk des Himmels besitze, als er Boten an ihn absandte und versuchte, ob er um hohen Preis es erwerben, und sich so die unüberwindlichsten Waffen und beständigen Sieg über sichtbare und unsichtbare Feinde verschaffen könne. Da aber König Rudolf auf alle Weise erklärte, daß er solches niemals thun würde, so ließ König Heinrich es sich sehr angelegen sein, weil er ihn durch Geschenke nicht dazu bewegen konnte, ihn durch Drohungen zu schrecken. Denn er gelobte ihm, sein ganzes Königreich mit Feuer und Schwert verwüsten zu wollen. Weil aber die Sache, um die er bat, ein Kleinod war, durch welches Gott das Irdische mit dem Himmlischen verknüpft hat, nämlich der Eckstein[1], der aus beiden Eins macht[2]: so ward König Rudolfs Herz erweicht und er übergab es persönlich dem gerechten Könige, der in gerechter Weise Gerechtes begehrte. Denn wo der Frieden selber zugegen war, da hatte die Feindschaft keinen Raum. So wurden auch damals, als der, welcher mit diesen Nägeln gekreuzigt ist, von Pilatus zu Herodes geführt war, diese beiden an jenem Tage Freunde, da sie vorher einander feind gewesen waren. Mit welcher Freude aber König Heinrich jenes unschätzbare Kleinod empfing, das zeigte sich auf mancherlei Weise, insbesondere aber dadurch, daß er den Geber nicht nur mit Gold oder Silber, sondern auch mit einem ansehnlichen Theile des Schwabenlandes beschenkte. Gott aber, der die Gedanken der Menschen durchschaut, und nicht die Größe der Gabe, sondern den guten Willen ansieht und belohnt, wie hohen Lohn der dem frommen Könige um dieser Sache willen in der Ewigkeit beschieden habe, das hat er auc in dieser Zeitlichkeit bereits durch einige Anzeichen zu erkennen

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Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig 1890, Seite 65. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/85&oldid=- (Version vom 8.4.2018)
  1. Jes. 28, 16. Eph. 2, 20.
  2. Eph. 2, 14.