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939 Heinrich also, durch das obenerwähnte Versprechen verführt, sammelte sogleich seine eigenen Leute, und begann aus allen Kräften jenen Beistand zu leisten und den König zu bekämpfen. Aber weil geschrieben steht: „die Bosheit hat wider sich selbst gelogen:“[1] so lasset uns hier ein wenig verweilen und zeigen, wie die Bosheit damals wider sich selbst gelogen habe. Eberhard nämlich hatte den Giselbert nicht anders vom König abwendig zu machen vermocht, als durch das Versprechen ihn zum Könige zu erheben. Giselbert seinerseits gedachte den Heinrich in solcher Weise zu hintergehen, daß er erst mit seiner Hülfe den König besiegte, dann aber Heinrich ebenfalls absetzte und sich selbst des Thrones bemächtigte. Eberhard dagegen hatte einen ganz andern Plan. Er wollte, wenn es gelänge, den König zu besiegen, allen beiden die Herrschaft entreißen und selbst die Krone tragen, wie wir solches aus den Worten schließen können, welche er kurz vor seinem Tode zu seiner Gemahlin sprach. Denn einmal als er sie umfangen hielt, sprach er zu ihr: „Sei jetzt fröhlich an der Seite des Grafen; bald erwartet dich größere Freude in der Umarmung des Königs.“ Daß nun dieses sich nicht so begeben hat, sondern daß die Bosheit wider sich selbst gelogen habe, zeigt uns die Gegenwart.

24. Also, wie wir oben schon berichteten, durch solches Versprechen angelockt, oder vielmehr bethört, eilt Heinrich mit seinen Schaaren, vereint mit Giselbert und Eberhard, gegen den König ins Feld. Ihnen entgegen eilt freudig der König, nicht erschreckt durch ihre Menge, sondern auf Gottes Barmherzigkeit vertrauend. Damit du aber erkennest, wie leicht es Gott ist mit wenigen viele zu besiegen, und daß niemand durch seine große Stärke errettet wird[2]: so vernimm, wie hier der Herr ein Wunder der alten Zeit erneute.

Empfohlene Zitierweise:
Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig 1890, Seite 62. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/82&oldid=- (Version vom 8.4.2018)
  1. Psalm 26 (27), 12 nach der Vulgata, abweichend von Luthers Uebersetzung.
  2. Psalm 32 (33), 17.