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939kommen konnte, eroberte Eberhard die Fest, und führte sowohl den Prinzen, als auch den erbeuteten nicht geringen Schatz, mit sich fort in seine Heimath[1]. Der König, der seines Bruders, ja vielmehr seine eigene Schmach zu rächen trachtete, begann nun mit aller Kraft den Eberhard und dessen Anhänger zu verfolgen.

21. Eberhard aber hatte auch Giselbert, den Herzog der Lotharinger, dem Könige abtrünnig gemacht, und mit seiner Hülfe leistete er dem Könige großen Widerstand. Denn wiewohl dieser Giselbert mit einer Schwester des Königs vermählt war, so zog er es doch, in der Hoffnung selbst zum Reiche zu gelangen, vor, wider den König zu kämpfen, statt ihm, wie es die Pflicht erforderte, gegen seine Feinde beizustehen. Da sie aber einsahen, daß sie auch so dem Könige nicht gewachsen wären, da faßten sie einen Rathschluß, der nach menschlicher Einsicht klug und listig, nach göttlichem Urtheil aber einfältig war, und sie wandten sich an Heinrich mit solchen Worten:

22. „Wenn du uns eidlich versprichst, unsern Rathschlägen zu folgen, so wollen wir dich nicht nur der Haft entlassen, sondern was noch weit mehr ist, sofern du anders geneigt bist König zu werden, so erheben wir dich zu unserm Herrn.“ Dieses sagten sie aber nicht in der Absicht, solches wirklich ins Werk zu richten, sondern nur um mit Heinrichs Hülfe den König leichter besiegen zu können.

23. Doch auch der König hatte unter seinen Anhängern sehr tapfere und mächtige Männer, nämlich Hermann den Herzog von Schwaben, und dessen Bruder Uto, und Konrad, den man den Weisen nannte. Diese, obwohl von Eberhards Sippe, wollten doch lieber, wenn ja die Noth sie zwingen sollte, mit der gerechten Sache und ihrem rechten Könige unterliegen, als wider das Recht mit ihrem Vetter siegen.

Empfohlene Zitierweise:
Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig 1890, Seite 61. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/81&oldid=- (Version vom 8.4.2018)
  1. Nicht Eberhard, sondern Thankmar nahm Heinrich in Belecke gefangen, und übergab ihn Eberhard.