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heidnischen Litteratur. Bibelfest ist er freilich, und Stellen der Vulgata sind ihm stets zur Hand, auch ist er nicht ganz unbelesen in sonstiger kirchlicher Litteratur, und seine kirchliche Anschauung der Dinge macht sich häufig geltend. Bei jeder Gelenheit aber und mit großer Vorliebe zeigt er seine Kenntniß der Alten, des Cicero, Vegetius, des Virgil, Horaz, Ovid, Terenz, Plautus, Martial, Juvenal und Persius; ganze Stellen aus diesen Schriftstellern, so wie einzelne Anspielungen sind häufig in seinen Schriften, und zwar führt er sie aus dem Gedächtniß an, wie schon die gewöhnlich ungenaue Form der Citate beweist. Den Boethius hat er nicht nur fleißig gelesen, sondern er ahmt auch die vielfältigen Metra desselben in seinen Schriften nach, nicht gerade zum Vortheil der Darstellung, aber mit nicht geringer Geschicklichkeit, so daß sich nur selten ein Verstoß gegen die Regeln der Metrik findet. So konnte er wohl mit Grund König Berengar die Wort in den Mund legen (S. 95.), daß er schon als Knabe den Becher des Lateinischen bis auf den Grund geleert habe.

Zugleich aber blieb Liudprand auch nicht unberührt von dem sittlichen Einfluß seiner Umgebung; man erkennt in seinen Schriften überall den Mann, der unter den boshaften Klatschereien eines zuchtlosen Hofes groß geworden ist; nichts erzählt er lieber als anstößige Geschichtchen, wie er sie gewiß von klein auf in Pavia gehört hatte. Aber auch von Meineid und Treulosigkeit, von Mord und Hinterlist spricht er in derselben ruhigen und gleichgültigen Weise, welche uns bei späteren italienischen Schriftstellern oft unheimlich berührt, wie vom ganz gewöhnlichen und erlaubten Mitteln der Staatskunst (S. 79, und öfter in den nicht übersetzten Stücken).

Auch Liudprands Stiefvater ging (941. S. 82) als Gesandter des Königs Hugo nach Konstantinopel; der Kaiser Romanos suchte des Königs Freundschaft, und die Macht desselben

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Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig ohne Jahr, Seite VIII. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/8&oldid=- (Version vom 7.9.2017)