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17. Dieser König Otto hatte sich vor seiner Thronbesteigung mit einer Frau aus dem edlen Volke der Angeln, mit der Brudertochter des Königs Adelstan[1], Namens Otgith, vermählt, und mit ihr einen Sohn Namens Liutolf gezeugt, dessen Tod (957 Sept. 6) uns noch mit frischer Wunde so bekümmert, daß unsere Augen von Thränen überströmen, so oft wir seiner gedenken. O daß er doch entweder nie geboren, oder nicht so früh verstorben wäre!

18. Zu jener Zeit trat Heinrich, der Bruder eben dieses Königs, auf Antrieb einiger böser Menschen als heftiger Widersacher des Königs auf. Denn der, welcher nicht zufrieden mit der hohen Würde, die bei der Schöpfung ihm zu Theil geworden war, sich seinem Schöpfer hatte gleichstellen wollen, der reizte durch seine Schüler auch den Heinrich zur Untreue gegen seinen Bruder, ja gegen seinen König und Herrn, durch Reden solcher Art: „Glaubst du, daß dein Vater recht gehandelt hat, indem er dir, dem in der königlichen Würde geborenen, einen Sohn vorzog, den er nicht als König erzeugt hat? Offenbar hat er dieses nicht in reiflicher Ueberlegung erwogen, sondern das Uebermaaß seiner blinden Vorliebe hat ihn verleitet. Wohlan also! an Anhang wird es dir nicht fehlen: so verjage denn deinen Bruder, nimm die Krone und dein sei die königliche Gewalt, dem durch Gottes Gnade auch die Geburt in der königlichen Würde zu Theil wurde.“

19.

Welche unselig Verlangen nach Herrschaft hat die ergriffen,[2]
Sächsischer Jünglinge bester? Es wehret Gott,
Nicht dein Vater es dir: Gott selbst, der gewaltige, milde,
Gab die Krone; er selber, er warnte dich,
Der allein es vermag Herrschaft und Beistand zu verleihen.

Empfohlene Zitierweise:
Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig 1890, Seite 59. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/79&oldid=- (Version vom 8.4.2018)
  1. Sie war vielmehr dessen Schwester.
  2. Worte Virgils, Georg. I, 37.