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dieser Kirche bestimmte, um sie wiederherzustellen[1]. Doch um die Thaten dieser Fürsten am gehörigen Ort ausführlich darzustellen, wollen wir jetzt zu unserm Gegenstande zurückkehren.

16. Wie groß die Klugheit und Weisheit des Königs Heinrich gewesen sei, erhellt daraus, daß er den trefflichsten und gottesfürchtigsten seiner Söhne zum Thronfolger erkor. Denn durch deinen Tod, o weiser König, drohte dem ganzen Volke Verderben, wenn die königliche Würde nicht auf einen so herrlichen Nachfolger überging. Daher will ich zu beider Lob folgende Verse hersetzen:

Der du sonst im blutigen Kampf bezwungen
Gottvergeßner Heiden gewalt'gen Ansturm,
König, wie schwer lastet auf deinem eignen
Volke jetzt dein Tod: es beklagt mit Leid ihn.
Aber still nun! um den geliebten König
Weinet nicht mehr, hemmet der Thräne Lauf, denn
Schon ersteht uns, den der gesammte Erdkreis
Feiert, sein Sohn, sein, des erhabnen, Abbild,
König Otto, heidnischer Wuth Bezwinger,
Dessen Kraft auch bringt den ersehnten Frieden,
Was mit Heinrichs Hoheit der Tod uns raubte,
Beut uns seines herrlichen Sternes Ausgang,
Gütig, mild, voll sanfter Geduld der Guten,
Schonungslos den Bösen Verderben bringend.
Manchen Feind wirst du zu bekriegen haben:
Draus erhebt ruhmvoll zu den Sternen sich dein
Name; dir dann sinket zu Füßen alles,
Fern im Nord wo träge Bootes herrschet,
Und das Volk, das Hesperus Namen zieret:
Hesper, der auch Lucifer ist und heißet,
Wenn Aurorens Glanz er die Fackel vorträgt.

Empfohlene Zitierweise:
Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig 1890, Seite 58. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/78&oldid=- (Version vom 24.12.2017)
  1. Aus dem Leben Brunos von Ruotger, Kap. 4, sieht man, daß König Heinrich seinen jüngsten Sohn, als dieser vier Jahre zählte, also etwa im Jahre 929, nach Utrecht zu dem Bischof Balderich sandte, der ihn erziehen und unterrichten sollte; während daß der Prinz sich dort aufhielt, die Nordmannen von ihren Raubzügen nachließen, wodurch es möglich war, die früher von ihnen zerstörten Kirchen und Gebäude in Utrecht wieder herzustellen; und daß dieses als eine Wohlthat wurde, welche man der Gegenwart der Knaben zu danken habe. Im Jahre 953 wurde er Erzbischof von Köln.