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in dem man nicht sowohl ein Abbild, als vielmehr die Begebenheit selbst in Wirklichkeit zu sehen glaubt[1]

42. Mittlerweile verbreitete sich die Wuth der Ungern, weil ihnen nunmehr Sachsen, Franken, Schwaben und Baiern verschlossen war, durch ganz Italien, wo ihnen niemand Widerstand leistete. Da aber Berengar auf die Treue seiner Vasallen nicht rechnen konnte, so hatte er sich mit den Ungern nicht wenig befreundet.

43. Aber auch die Sarazenen, die, wie ich oben (S. 5) erzählt habe, in Fraxinetum hauseten, verübten, nachdem die Kraft der Provenzalen gebrochen war, nicht geringe Verheerungen in den zunächst gelegenen Gegenden Ober-Italiens, so daß sie sogar nach Ausplünderung vieler Städte bis nach Acqui kamen, einer Stadt, die etwa vierzig Meilen von Pavia entfernt ist. Sie hat ihren Namen von den warmen Quellen erhalten, welche daselbst auf bewundernswerthe Art mit einem viereckigen Gebäude umgeben und zu Bädern eingerichtet sind. Es hatte sich aber sämmtlicher Bewohner des Landes ein so gewaltiger Schrecken bemächtigt, daß niemand die Ankunft der Freinde ander als etwa in den festesten Orten zu erwarten wagte.

44. Zu derselben Zeit waren Sarazenen zu Schiff aus Afrika ausgefahren, und hatten Kalabrien, Apulien, Benevent und beinahe alle Städte der Römer dergestalt besetzt, daß jede Stadt zur Hälfte den Römern und zur Hälfte den Afrikanern gehörte[2]. Auf dem Berge Garelianus hatten sie eine Festung erbaut, in der sie ihre Weiber, Kinder, Gefangenen und ihre

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Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig ohne Jahr, Seite 43. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/63&oldid=- (Version vom 20.12.2017)
  1. Die richtigere und mehr der Wahrheit gemäße Darstellung von Heinrichs Kämpfen mit den Ungern möge man bei Widukind nachlesen; daß Liudprand Merseburg als den Ort der Schlacht nennt, rührt wohl nur von dem Gemälde her, welches er dort gesehen hatte. Wir übergehen nun die in den folgenden Kapiteln erzählten Kämpfe zwischen Berengar und Ludwig von der Provence um die italienische Krone zu Berengars Sieg 907.
  2. Das ist sehr übertrieben.