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Antwort: „Wer bezweifelt wohl die Worte jenes Weisen, ja der wahren Weisheit selber, die da spricht: Durch mich regieren die Könige, durch mich herrschen die Fürsten und setzen die Verständigen das Recht[1]; oder den Aussspruch des Apostels, daß alle Obrigkeit von Gott verordnet ist, und wer sich wider die Obrigkeit setzet, Gottes Ordnung widerstrebet[2]? Nimmermehr hätte bei der Wahl dieses Königs der Wille des ganzen Volkes sich so einhellig aussprechen können, wenn Heinrich nicht schon vor Erschaffung der Welt von der höchsten Dreieinigkeit, welche ein einiger Gott ist, dazu erkoren wäre. Ist er ein guter Herrscher, so muß man ihn lieben und seinetwegen Gott preisen; ist aber ein böser Fürst, so muß man ihn mit Geduld ertragen, denn daß die Unterthanen zu Zeiten von ihren Obrigkeiten nicht regiert, sondern gedrückt werden, geschieht meistens um ihrer Sünden willen. Uns aber erscheint es als billig und recht, daß du dich nicht von den Uebrigen scheidest, sondern diesen dir zu Könige wählest; daß aber er dagegen dich, als einen so vom Glück begünstigten udn vielvermögenden Mann, in solcher Weise auszeichne und dadurch deiner Seele Grimm beschwichtige, daß er dir zugestehe, was deine Vorgänger nicht gehabt haben, nämlich die Herrschaft über die Bischöfe in ganz Baiern und das Recht, wenn einer von ihnen stirbt, den Nachfolger einzusetzen.“ Diesem trefflichen und weisen Rathe der Seinen pflichtete Arnold bei und wurde König Heinrichs Dienstmann, wofür ihm denn aber dieser, wie gesagt, die Bischöfe von ganz Baiern überließ, und ihm auf solche Weise hohe Ehre erwies.

24. Um diese Zeit führten die Ungern, als sie den Tod des Königs Konrad und die Thronbesteigung Heinrichs erfuhren, unter einander solche Reden: „Vielleicht wünscht der neue König auch neue Verträge zu errichten. Lasset uns also ein großes

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Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig ohne Jahr, Seite 38. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/58&oldid=- (Version vom 24.9.2017)
  1. Sprüche Salom. 8, 15. 16.
  2. Römer 18, 1. 2.