Seite:Aus Liudprands Werken.pdf/52

Diese Seite wurde noch nicht korrekturgelesen. Allgemeine Hinweise dazu findest du auf dieser Seite.

zu ihrem frühern Entschluß, und versuchten sich durch fortgesetzte Flucht zu retten. So entwichen sie also von neuem, und gelangten in die weiten Gefilde um Verona.

12. Schon hat die Vorhut der Christen den Nachtrab der Feinde erreicht, und es kommt daselbst zu einem Gefecht, in welchem die Heiden siegen. Sobald aber das zahlreichere Heer der Christen nahet, weichen die Ungern und setzen ihren Rückzug fort.

13. So langte das Christenheer mit den Heiden zu gleicher Zeit am Flusse Brenta an; denn die Ermattung ihrer Pferde hinderte die Ungern an weiterer Flucht. Hier also kamen beide Heere an einander, und nur das Bette des erwähnten Stromes trennte sie. Von großer Angst getrieben erbieten sich nun die Ungern, ihre sämmtlichen Habseligkeiten, ihre Gefangenen, alle Waffen, auch ihre Pferde auszuliefern, nur daß jeder eines zur Heimkehr behalte; um aber ihrer Bitte mehr Gewicht zu geben, erklären sie sich bereit, wenn man sie nur mit dem nackten Leben entkommen lassen wolle, zu geloben, daß sie in Zukunft nie wieder nach Italien kommen wollten, und als Bürgen dafür ihre Söhne als Geisel zurück zu lassen. Aber ach! durch Uebermuth irre geleitet, halten die Christen ihre Feinde schon für völlig besiegt und setzen ihnen noch mit Drohnungen zu, indem sie auf der Stelle folgende apologiam απολογειαυ d. h. Antwort ihnen zurück schicken: „Wenn wir von Leuten, die in unserer Gewalt und nicht besser als todte Hunde sind, das was schon unser ist, als ein Geschenk annehmen, und mit ihnen dafür einen Vertrag eingehen wollten, so würde wohl selbst der wahnsinnige Orestes schwören, daß wir den Verstand verloren hätten[1]?“

14. Durch diese Antwort aufs Aeußerste gebracht, traten die Tapfersten der Ungern zusammen und ermuthigten sich

Empfohlene Zitierweise:
Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig ohne Jahr, Seite 32. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/52&oldid=- (Version vom 17.9.2017)
  1. Mit Beziehung auf Persius, Satiren III, 118.