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ohne Widerstand bis nach Ticinum gelangten, welches jetzt den schöneren Namen Pavia führt. König Berengar konnte sich nicht genug über eine so kühne und außerordentliche That verwundern, denn bis dahin hatte er nicht einmal den Namen dieses Volkes gehört. Er entbot also theils durch Ausschreiben, theils durch besondere Boten die Italiener[1], Tusker, Volsker, Cameriner, Spoletaner zu sich, und befahl allen ohne Ausnahme sich an einem Orte zu versammeln; und es kam ein Heer zusammen, welches um das dreifache stärker war, als das ung[a]rische.

10. Sobald sich der König Berengar an der Spitze so großer Streitkräfte sah, war er von Hochmuth aufgeblasen, erwartete den Sieg über den Feind nicht sowohl von Gott, als von seinem großen Heere, und überließ sich mit wenigen Begleitern in einem Städtchen dem Wohlleben. Was geschah nun? Als die Ungern eine so große Schaar von Feinden sahen, konnten sie vor Bestürzung zu keinem Beschluß kommen, was zu thun sei. Den Kampf fürchteten sie durchaus, zu entkommen aber schien ganz unmöglich. Doch hielten sie es in dieser bedrängten Lage zuletzt noch für besser, zu entfliehen als zu kämpfen, und von den Christen verfolgt, schwimmen sie über die Adda, in so großer Eile, daß eine große Zahl im Flusse den Tod fand.

11. Hierauf nun wurden die Ungern über einen guten Rath einig, und baten die Christen durch Unterhändler, die ganze Beute nebst einer Entschädigung von ihnen anzunehmen, und ihnen dafür freien Abzug zu gestatten. Dieses Gesuch verwarfen die Christen leider gänzlich, und übermüthig den Feind geringschätzend, sahen sie sich mehr nach Ketten um, mit denen sie die Ungern fesseln wollten, als nach Waffen, um sie zu erschlagen. Da aber die Heiden durch diesen Vorschlag die Christen nicht besänftigen konnten, so wandten sie sich wieder

  1. Unter Italien verstand man damals in der Regel nur das Flußgebiet des Po.