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Schon hatte Phöbus niedersteigend die siebente Stunde erreicht[1], und noch war Mars mit heiterm Blick dem Heere Ludwigs günstig: als die Türken, wie sie sich denn auf Kriegslisten wohl verstehen, scheinbar die Flucht ergreifen, nachdem sie vorher einen Hinterhalt gestellt haben. Während ihnen nun das Volk des Königs, die List nicht ahnend, in eifrigster Verfolgung nachsetzt, brechen die versteckten Feinde von allen Seiten hervor, und nun fallen die scheinbar besiegten selber über die Sieger her und machen sie nieder. Der König selbst sieht mit Schrecken seinen Sieg in eine Niederlage verwandelt, und der Unfall trifft ihn um so härter, je weniger er sich dessen versehen hatte. Weit und breit sind die Triften und die Felder mit Leichen bedeckt, die Bäche und Ströme von Blut geröthet; das Wiehern der Rosse und der Schall der Trompeten vermehrt die Angst der Fliehenden, und spornt mehr und mehr den Eifer der Nachsetzenden an.

5. So erreichten die Ungern ihre Absicht, doch war ihre Bosheit durch diese ungeheure Niederlage der Christen keineswegs befriedigt; sondern um ihrer ruchlosen Wuth zu fröhnen, durchzogen sie sengend und brennend die Länder der Baiern, Schwaben, Franken und Sachsen. Niemand wagte ihre Ankunft zu erwarten, ausgenommen an falschen Orten, welche mit großer Anstrengung oder durch ihre günstige Lage stark befestigt waren. Und das Volk wurde auf einige Jahre den Ungern zinsbar[2].

6. Zur Zeit dieses Königs lebte Einer Namens Adelbert, nicht irgend ein unbedeutender Mann, sondern jener allbekannte gewaltige Held, auf seinem Schloß zu Babenberg, in großer Feindschaft mit dem Reiche. Denn schon oftmals war der König Ludwig mit allen seinen Streitkräften gegen ihn ausgezogen;

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Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig ohne Jahr, Seite 26. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/46&oldid=- (Version vom 13.9.2017)
  1. D. h. es war 1 Uhr nach Mittag.
  2. Das kann nur eine Verwechslung mit dem von Heinrich 924 gelobten Tribute sein.