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2. Gleich im ersten Jahre nach Arnulfs Tode und seines Sohnes Thronbesteigung, versammeln sie ein gewaltige Heer und unterwerfen sich das Volk der Mährer, welche König Arnulf mit ihrer Hülfe bezwungen hatte; sie überschreiten auch die Grenzen der Baiern, zerstören die Burgen, verbrennen die Kirchen und morden die Einwohner. Ja, um noch mehr Schrecken zu verbreiten, berauschen sie sich in dem Blute der Erschlagenen.

3. Als König Ludwig von der Verwüstung seines Landes und von der Grausamkeit dieses Volkes Kunde erzählt, beruft er alle die Seinen zur Heerfahrt; und um sie durch Schrecken zu größerem Eifer anzutreiben, bedroht er jeden, welcher ausbleiben werde, mit dem Tode durch den Strang[1]. Seinem großen Heere zieht die unzählbare Schaar jenes scheußlichen Volkes eiligst entgegen[2]. Keinen Durstigen sieht man so begierig nach einem kühlen Trunke lechzen, wie dieses grausame Volk sich nach der Stunde des Kampfes sehnet; auch hat es an nichts Freude, als am Schlachtgetümmel. Wie ich aber in dem Buche, das vom Ursprung dieses Volkes handelt[3], gelesen habe, zerschneiden bei ihnen die Mütter ihren Söhnen gleich nach der Geburt mit scharfen Messern das Gesicht, damit sie nämlich, noch ehe sie die Nahrung der ersten Milch empfangen, den Schmerz der Wunden zu erdulden lernen. Diese Behauptung gewinnt an Glaubhaftigkeit durch die Wunden, welche bei der Trauer um sterbende Verwandte die Ueberlebenden sich selber beibringen. Und als ἄθεοι καἰ ἀσεβοἶς αντι των δακρειων athei ke asevis anti ton dakrion, d. h. als Leute die keinen Gott und kein Gewissen haben, vergießen sie so anstatt

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Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig ohne Jahr, Seite 24. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/44&oldid=- (Version vom 11.9.2017)
  1. Das darf man schwerlich als Thatsache auffassen; so weit reichte die königliche Gewalt nicht.
  2. Dieser Feldzug, der nach Liudprands Darstellung in den Anfang von Ludwigs Regierung gehören müßte, hat damals sicherlich nicht stattgehabt. Am besten paßt die Schilderung zu den Ereignissen des Jahres 910, wo der König selbst eine große Schlacht gegen die Ungarn verlor.
  3. Es steht in Jordanis Geschichte der Gothen Kap. 24