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der Vorbereitungen, denen das Volk zuschaute, ein Hase, durch das viele Geschrei aufgescheucht, gerade auf die Stadt zulief. Als nun diesem die Menge, wie das zu geschehen pflegt, raschen Laufs nachsetzt, glauben die Römer, das Heer stürme gegen sie an, und stürzen sich von der Mauer herab. Sobald das Kriegsvolk dieses gewahr wird, werfen sie ihre Mantelsäcke und Sättel, so wie sie darauf zu Pferde saßen, am Fuß der Mauer zusammen, und ersteigen über diesen Haufen die Zinnen. Eine andere Abtheilung des Heeres bemächtigt sich eines fünfzig Fuß langen Balkens, zertrümmert damit eines der Thore, und so nehmen sie mit Gewalt Besitz von der sogenannten Leoninischen Stadt[1], wo der kostbare Leichnam des Apostelfürsten Petrus ruht. Hierdurch in Furcht gesetzt, unterwerfen sich auch die auf dem andern Ufer des Tiber wohnenden Römer der Herrschaft Arnulfs.

28. Zu dieser Zeit waren dem gottesfürchtigen Papst Formosus von Seiten der Römer viele Kränkungen widerfahren. Auf seinen Ruf war auch König Arnulf nach Rom gekommen. Dieser ließ nun bei seinem Einzuge in die Stadt, um die dem Papste geschehene Unbill zu rächen, eine Menge vornehmer Römer, die ihm entgegen eilten, enthaupten.

29. Folgendes aber war die Ursache der Feindschaft zwischen dem Papst Formosus und den Römern. Als der Vorgänger des Formosus[2] starb, war ein gewisser Sergius Diakon der römischen Kirche, und diesen wählte ein Theil der Römer zum Papst. Aber eine andere nicht unbedeutende Partei strebte voll Eifer danach, daß der gedachte Formosus, Bischof von Porto, wegen seiner echten Frömmigkeit und seiner tiefen Erkenntniß der göttlichen Lehre, Papst werden möchte. Als es nun dazu

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Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig ohne Jahr, Seite 17. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/37&oldid=- (Version vom 9.9.2017)
  1. So hieß der befestigte Stadttheil, welchen Papst Leo IV nach der Plünderung der Peterskirche durch die Sarrazenen 846 zum Schutze derselben errichtet hatte.
  2. Stephan V im September 891.