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denn die Franken hätten, weil sie des Wartens überdrüssig gewesen, und nicht lange ohne einen König sein könnten, auf allgemeines Verlangen den Odo gewählt. Man erzählt aber Folgendes als die Ursache, weswegen sie den Wido nicht zu ihrem König angenommen haben. Als er sich nämlich der Stadt Metz häherte, welche als die wichtigste im Reiche Lothars hoch berühmt ist, sandte er seinen Truchseß voraus, um Lebensmittel für ihn nach königlicher Weise zu besorgen[1]. Da nun der Bischof von Metz diesem nach der Gewohnheit der Franken eine große Fülle von Lebensmitteln verabfolgen ließ, sagte ihm der Truchseß: „Wenn du mir nur ein Pferd schenken möchtest, so will ich schon machen, daß sich König Wido mit dem dritten Theile dieser Speisen begnüge.“ Als das der Bischof hörte, erwiderte er: „Es ziemt sich nicht, daß über uns ein solcher König herrsche, der sich eine elende Mahlzeit für zehn Drachmen bereiten läßt.“ Und so geschah es daß sie den Wido verließen, den Odo aber zum Könige wählten.

17. Ueber die Botschaft der Franken also nicht wenig bestürzt, fing Wido an, von verschiedenen Gedanken heftig bewegt zu werden, einerseits wegen des italischen Reiches, welches er dem Berengar eidlich zugesichert hatte, besonders aber wegen des Frankenreiches, von dem er nun wohl einsah, daß er es nimmermehr erlangen könne. So schwankte er zwischen den beiden verschiedenen Richtungen, aber da er doch einmal nicht Frankenkönig werden konnte, entschloß er sich lieber den Eid zu brechen, welchen er dem Berengar geschworen hatte. Er sammelte also sein Heer, so gut es ging, denn er hatte allerdings auch von den Franken eine Partei seiner gesippten Freunde an sich gezogen – drang rasch nach Italien ein, und begab sich voll Zuversicht zu den Einwohnern von Camerino und Spoleto

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Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig ohne Jahr, Seite 12. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/32&oldid=- (Version vom 8.9.2017)
  1. D. h. die Lieferungen einzutreiben, welche dem Könige nach Herkommen zu leisten waren.