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sondern jener herrliche reine Jüngling, dem das himmlische Geheimniß offenbart war, dem Christus am Kreuze seine Mutter empfahl; er aber sagt: „Wer seinen Bruder hasset, der ist ein Todtschläger, und ihr wisset, daß ein Todtschläger nicht hat das ewige Leben bei ihm bleibend[1].“ Doch jetzt wollen wir zu unserer Erzählung zurückkehren. Nach Besiegung des Centebald also, des Herzogs der Mährer, beherrschte Arnulf sein Reich in Frieden. Inzwischen merkten sich die Ungern den Weg, nahmen die Gegend in Augenschein, und entwarfen in ihrem Herzen die bösen Anschläge, welche nachher ans Licht kamen.

14. Mittlerweile war der König von Gallien, Karl mit dem Beinamen der Kahle[2], aus diesem zeitlichen Leben geschieden. Bei seinen Lebzeiten hatten zwei edle Herren aus Italien, gar mächtige Fürsten, von denen der eine Wido, der andere Berengar hieß[3], in seinem Dienst gestanden. Diese waren unter einander durch so enge Freundschaft verbunden, daß sie sich gegenseitig eidlich versprachen, falls sie den König Karl überleben würden, einander bei der Gewinnung der Königskrone nicht hinderlich zu sein, nämlich so, daß Wido das sogenannte romanische Franken[4] und Berengar Italien erhielte. Es giebt[5] aber mancherlei unzuverlässige und unbeständige Freundschaften; denn auf verschiedene Weise werden die Menschen zu gegenseitigem Wohlwollen vereint, indem einige auf vorhergegangene Empfehlung, andere wegen Gleichheit des Berufs zu Handelsgeschäften, zum Kriegsdienst, zu Künsten oder zu wissenschaftlicher Beschäftigung in freundschaftliche Verhältnisse treten:

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Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig ohne Jahr, Seite 10. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/30&oldid=- (Version vom 8.9.2017)
  1. Joh. 3, 15.
  2. Der Verf. meint den Kaiser Karl den Dritten, dem Arnulf die deutsche Krone entriß und der bald darauf im Jahre 888 starb.
  3. Wido war Herzog und Markgraf von Spoleto, Berengar Markgraf von Friaul, Sohn Eberhards von Gisla, der Tochter Ludwigs des Frommen. Beide aber waren, wie fast alle Machthaber Italiens, fränkischer Abkunft, und dadurch erklärt sich Wido’s Auftreten in Frankreich, wo er seine Verwandtschaft und Freundschaft hatte.
  4. Das heutige Frankreich.
  5. In diesen Betrachtungen erinnert vieles an Cicero's Lälius.