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3. Nun geschah es durch den unerforschlichen und, weil es ja nicht anders sein kann, gerechten Rathschluß Gottes, daß nur zwanzig Sarazenen, die in einem kleinen Fahrzeuge von der hispanischen Küste abgesegelt waren, wider ihren Willen vom Winde dorthin verschlagen wurden. Diese landen dort, nach Seeräuberart, bei nächtlicher Weile, schleichen sich in den Flecken ein, ermorden, o Jammer! die christlichen Bewohner, bemeistern sich des Orts, und richten den daranstoßenden Berg Maurus zu einer Zufluchtstätte ein, um daselbst vor den benachbarten Völkern sicher zu sein. Damit aber das dornige Gebüsch zu ihrem Schutze noch höher und dichter werde, bedrohen sie einen jeden, der auch nur Einen Zweig davon abschneiden würde, mit dem Tode durch das Schwert. So verschwanden alle Zugänge bis auf einen einzigen sehr engen Pfad. Auf die Unzugänglichkeit des Orts vertrauend, durchstreifen sie nun heimlich die Gegend rings umher. Auch senden sie Boten nach Hispanien, um noch möglichst viele der Ihrigen herbeizurufen; sie rühmen ihnen den Ort, und verheißen ihnen, daß die benachbarten Völker für nichts zu achten seien. In kurzem kamen die Boten mit nur hundert andern Sarazenen zurück, die sich von der Wahrheit dieser Angaben überzeugen sollten.

4. Inzwischen entstanden Zwistigkeiten unter den Provenzalen, welches Volk ihnen zunächst wohnte. Aus gegenseitigem Neide fingen sie an, einander zu morden, zu berauben und auf alle erdenkliche Weise zu schaden. Da nun die eine Partei unter ihnen ihrem Hasse und ihrer Rachsucht nicht Genüge zu thun vermochte, so rief sie die eben erwähnten, nicht minder schlauen als treulosen Sarazenen zu hülfe, und schlug im Verein mit diesen die Gegner zu Boden. Und nicht zufrieden damit die eigenen Landsleute umzubringen, verwandelten sie auch deren fruchtbares Gebiet in eine Wüste. Doch wir wollen einmal sehen, welchen Nutzen der Neid ihnen gebracht habe, der gerechte,

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Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig ohne Jahr, Seite 6. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/26&oldid=- (Version vom 8.9.2017)