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963 nicht stille sein von der Muhme[1], die zugleich sein Weib ist, und die Schwester der Stephania, einer andern Beischläferin von ihm. Wir berufen uns ferner auf die Abwesenheit aller Frauen, außer den römischen; denn sie fürchten sich zum Gebet nach dem Grabe der heiligen Apostel zu kommen, da sie vernommen haben, daß er noch vor wenigen Tagen Jungfrauen, Witwen und Ehefrauen Gewalt angethan hat. Wir berufen uns auf die Kirchen der heiligen Apostel, welche nicht etwa tropfenweise den Regen, sondern das ganze Dach einlassen, und den Platzregen sogar auf die geheiligten Altäre. Wie ängstiget uns das Gebälk, wenn wir dort um Gottes Schutz flehen! Der Tod haust in den Dächern: er scheucht uns fort, die wir so viel zu bitten haben, und zwingt uns das Haus des Herrn so schnell wie möglich wieder zu verlassen[2]. Wir berufen uns endlich auf die Weiber, nicht nur die durch viele Sorgfalt den schlanken Wuchs der Binse nachahmen[3], sondern auch auf die von ganz alltäglicher Gestalt[4]. Denn ihm gilt es gleich, ob eine ihren Fuß auf den schwarzen Kiesel setzt, oder ob sie von stattlichen Rossen sich ziehen läßt[5]. Und daher kommt es, daß er so ganz dem heiligen Kaiser Feind ist, wie Wölf’ und Lämmer von Natur Zwiespalt getrennt[6]. Damit ihm jenes alles ungestraft erlaubt sei, hat er sich den Adalbert zum Vater, zum Vormund, zum Beschützer auserkoren.“

5. Als der Kaiser dieses von seinen heimkehrenden Boten vernahm, sprach er: „Es ist ein Knabe, er wird noch leicht durch das Beispiel guter Männer zu bessern sein. Ich hoffe noch daß er durch wohlmeinende Vorwürfe und freimüthige Ermahnung

Empfohlene Zitierweise:
Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig 1890, Seite 108. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/128&oldid=- (Version vom 25.4.2019)
  1. Liudprand bezeichnet offenbar mit diesem Ausdruck (amita die Geliebte des Vaters; denn sonst müßte auch deren Schwester seine Muhme sein; vgl. Kap. 10.
  2. Ein Hexameter, dem der Schluß eines andern vorhergeht.
  3. Mit Beziehung auf den Eunuchen des Terenz II, 3, 24.
  4. Ebenda II, 3, 6.
  5. Nach der sechsten Satire Juvenals, aber mit passender Veränderung der syrischen Sänftenträger in stattliche Rosse.
  6. Horaz Epoden IV, 1 (Boß).