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7. Als dieses in solcher Weise ausgeführt war, ließ mich der Kaiser nach Verlauf von dreien Tagen in den Palast rufen, redete zu mir mit eigenem Munde, lud mich zur Tafel, und beehrte mich und mein Gefolge nach der Mahlzeit mit ansehnlichen Geschenken. Das sich aber jetzt eine Gelegenheit darbietet, zu erzählen, wie es bei seiner Tafel, besonders an festlichen Tagen hergeht, und was für Schauspiele während der Mahlzeit vorgestellt werden, so achte ich es für passend, solches nicht zu verschweigen, sondern es hier zu verzeichnen.

8. An der nördlichen Seite der Rennbahn liegt eine Halle von außerordentlicher Höhe und Schönheit, die Decanneacubita genannt wird; den Namen aber hat sie nicht ohne Grund, sondern um einer augenfälligen Ursache willen erhalten. Deca nämlich heißt auf Griechisch zehn, ennea neun, cubita aber, von cubare, können wir als geneigt oder gekrümmt übersetzen. Diese Benennung rührt daher, weil am Jahrestage der Menschwerdung unsers Herrn Jesu Christi in jener Halle neunzehn Tafeln gedeckt werden, an welchen der Kaiser und seine Gäste nicht wie gewöhnlich sitzend, sondern liegend speisen. An diesem Tage kommen auch nicht, wie sonst, silberne, sondern nur goldene Schüsseln auf die Tafel. Nach der Mahlzeit erscheinen Früchte in drei goldenen Schaalen; diese aber werden wegen ihrer ungeheuern Schwere nicht von Menschen getragen, sondern auf Wagen, die mit Purpurdecken behangen sind, hineingefahren. Auf die Tafel aber werden sie in folgender Weise gebracht. Durch die Oeffnungen der Decke werden drei mit vergoldetem Leder überzogene Seile herabgelassen, an denen goldene Ringe befestigt sind; diese werden an Haken gelegt, welche aus den Schüsseln hervorragen, und dann werden sie vermittelst einer über der Decke angebrachten Winde auf den Tisch gehoben, während von unten noch vier oder mehr Menschen nachhelfen. Auf dieselbe Weise werden sie hernach auch wieder abgehoben.

Empfohlene Zitierweise:
Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig 1890, Seite 98. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/118&oldid=- (Version vom 25.4.2019)