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947 Wohl des Volkes am Herzen lag, sondern nur, um unter diesem Vorwande eine große Menge Geldes zusammenzubringen, was ihm auch gelang. Denn jeder einzelne Mensch, ohne Unterschied des Geschlechts noch des Alters, die Säuglinge nicht ausgenommen, mußte einen Groschen geben. Dann mischte er Erz darunter, und machte so aus wenigem zehn Scheffel; das übrige aber, und was er aus den Kirchen nahm, das behielt er für sich.

Ende des fünften Buches. Gott sei Dank!




Hier beginnt das sechste Buch.

1. Der Abschnitt, zu welchem wir jetzt kommen, ist von der Art, daß ich um ihn zu schildern, eher eine Tragödie als ein Geschichtschreiber sein müßte, wenn nicht der Herr mir einen Tisch gegen meine Feinde bereitet hätte[1]. Denn ich kann es gar nicht aussprechen, wie viel Ungemach über mich gekommen ist, seitdem ich die Heimath habe verlassen müssen. Der auswendige Mensch möchte darüber lieber weinen als schreiben; der inwendige aber, getröstet durch die Lehren der Apostel, rühmt sich dieser Trübsal, denn er weiß, daß Trübsal Geduld bringet; Geduld aber bringet Erfahrung, Erfahrung aber bringet Hoffnung; Hoffnung aber läßt nicht zu Schanden werden. Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den heiligen Geist, welcher uns gegeben ist.[2]. So gehorche denn der auswendige dem inwendigen, und beklage sich nicht über sein Mißgeschick, sondern ertrage es in Geduld. Und indem er schreibend berichtet, wie Fortunens Rad die

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Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig 1890, Seite 93. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/113&oldid=- (Version vom 10.4.2018)
  1. Psalm 22 (23), 5.
  2. Römer 5, 3–5.