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945 die immer von neuem beginnende Fehde. Adelard aber wurde zum Bischof von Reggio ernannt.

30. Den Boso aber, einen Bankert des Königs Hugo, Bischof von Piacenza, und Liutfrid, Bischof von Pavia, gedachte Berengar zu vertreiben; weil ihm jedoch viel Geld gegeben wurde, stellte er sich als ob er sie aus christlicher Milde in Ruhe gelassen habe. Wie überschwänglich war damals die Freude der Italiener! Sie schrien, ein neuer David wäre gekommen. Ja, auch dem großen Karl zogen sie in ihrer Verblendung diesen Menschen vor. Denn wiewohl sie Hugo und Lothar abermals als Könige anerkannt hatten, so war doch Berengar nur dem Namen nach Markgraf, in Wahrheit aber König; jene dagegen hießen Könige, in der That aber galten sie nicht einmal soviel wie Grafen. Was soll ich mehr sagen? Durch solch hohen Ruhm des Berengar, durch seine Leutseligkeit und Milde, ließen sich meine Eltern verlocken, und gaben mich in seinen Dienst. Durch reiche Gaben, die sie ihm darbrachten, erwirkten sie, daß er mir sein Geheimniß avertrauten [sic!] und die Ausfertigung seiner Briefe übertrug. Lange Zeit habe ich ihm treulich gedient; dafür aber gab er mir, o Jammer! den Lohn, von welchem ich am gehörigen Orte erzählen werde. Eine solche Vergeltung würde mich fast zur Verzweiflung bringen, wenn er nicht so viele andere zu meinen Genossen in ähnlichem Geschicke machte. Denn er ist es, von dem so schön gesagt ist: „Des Straußen Federn sind ähnlich den Federn des Habichts und des Reihers. Ist's aber Zeit, so richtet er seine Fittiche empor und verlacht beide Roß und Mann[1].“ Denn so lange Hugo und Lothar lebten, erschien dieser große und gefräßige Strauß, wenn auch nicht gut, doch den Guten ähnlich. Als aber jene starben, und nun alle ihn auf den Thron der Herrschaft erhoben, wie er da seine Fittiche empor gerichtet, und

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Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig 1890, Seite 91. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/111&oldid=- (Version vom 10.4.2018)
  1. Hiob 39, 13. 18.