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943 unkenntlich gemacht, dorthin ginge, um die Wünsche der Leute auszuforschen, so würde er für uns gewiß guten Rath ausfindig machen.“ „Das, erwiederte Berengar, kann niemand geschickter und besser ausrichten als du selbst[1].“ So machte sich denn Amedeus verkleidet mit den armen Pilgern, die zum Gebet nach Rom wallfahrten, auf die Reise nach Italien, gleich als ob auch er nach Rom pilgern wollte; suchte die Fürsten auf, und forschte die Wünsche eines Jeden aus; auch zeigte er sich nicht allen in derselben Gestalt, sondern dieser sah ihn schwarz, jener roth, der dritte bunt. Doch verkündete Fama die nirgend an Schnell’ ein anderes Scheusal besieget noch im beweglichen Flug[2], den Ohren des Königs, daß er in Italien sei, und sogleich befahl derselbe, ihm mit aller Sorgfalt nachzuforschen. Amedeus aber entstellte seinen langen schönen Bart gänzlich mit Pech, schwärzte seine goldenen Locken, entstellte sein Gesicht und gab sich ein krüppelhaftes Ansehen, so daß er es wagte sich unter den Armen, welche der König zu seiner Gegenwart speisen ließ, demselben nackt und bloß zu zeigen, und von ihm nicht nur einen Rock erhielt sich zu kleiden, sondern auch alles hörte, was der König von Berengar und ihm selber redete. Nachdem er auf die Weise alles aufs genaueste ausgekundschaftet hatte, kehrte er nicht auf demselben wege, auf dem er gekommen war, mit den Wallfahrern zurück. Denn der König hatte den Wächtern der Klausen Befehl gegeben, niemanden durchzulassen, bevor sie durch sorgfältige Untersuchung genau erforscht hätten, wer er sei. Amedeus aber, der dieses erfuhr, nahm seinen Weg durch unwegsame, rauhe Gegenden, wo keine Wachtposten standen, und gelangte zu Berengar mit den Nachrichten, welche dieser gewünscht hatte.

19. Zu dieser selben Zeit schloß König Hugo Frieden mit

Empfohlene Zitierweise:
Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig 1890, Seite 86. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/106&oldid=- (Version vom 10.4.2018)
  1. Worte des Cicero ad fam. II, 12, 1, welche er auch schon im fünften Kapitel angebracht hat.
  2. Virgils Aeneide IV, 174, aber ungenau citirt.