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941 Romanós hieß und ein Sohn des Konstantinus war, zur Gemahlin geben wolle. Dieser Konstantinus aber ist der Sohn des Kaisers Leo, und nicht der Sohn des Romanós selbst. Es gab nämlich neben dem Romanós noch drei Mitkaiser; erstlich zwei Söhne Stephanus und Konstantinus, und dann noch den Konstantinus, von dem eben die Rede ist, den Sohn des Kaisers Leo. Auf diesen Antrag also schickte König Hugo nochmals Boten an den Romanós, und ließ ihm melden, daß er von seiner rechten Ehefrag keine Tochter habe, wenn er aber von den Töchtern seiner Kebsweiber haben wolle, so könne er ihm ein Mädchen von ausnehmender Schönheit senden. Da nun die Griechen bei dem Adel des Geschlechts nicht nach der Mutter, sondern nur nach dem Vater fragen, so ließ der Kaiser Romanós alsobald Schiffe mit griechischem Feuer in Bereitschaft setzen, sandte ansehnliche Geschenke, und ersuchte ihn jenes Mädchen seinem Enkel zur Gemahlin zu geben. Aber weil bei dieser Gelegenheit mein Stiefvater, ein sehr würdiger Mann und voll weisen Rathes, des Königs Hugo Gesandter gewesen war: so will ich ohne Säumen hier berichten, was ich ihn öfters von des Kaisers Weisheit und Leutseligkeit und von seinem Siege über die Russen erzählen gehört habe.

15. Gen Mitternacht wohnt ein Volk, welches die Griechen wegen seines Aussehens Poνσιoς, die Rusier oder Rothen, wir aber nach der Lage seiner Heimath die Nordmannen nennen; denn in der deutschen Sprache bedeutet Nord die mitternächtige Weltgegend, und Mann einen Menschen; daher wir die Nordmannen deuten können als das Volk der Mitternacht. Dieses Volk hatte einen König Namens Inger[1]; derselbe kam mit einer Flotte von tausend und mehr Schiffen vor Konstantinopel. Der Kaiser Romanós war nicht wenig bestürzt, als er dieses erfuhr; denn er hatte seine Seemacht gegen die Sarazenen

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Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig 1890, Seite 82. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/102&oldid=- (Version vom 10.4.2018)
  1. Ruriks Sohn, von den Russen Igor genannt.