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sonst der Armenkasse zuzuwenden pflegen, in kleinen Gaben den Gassenbettlern selbst auszutheilen, – diese sind würdig, daß man sie von der Zweckwidrigkeit einer solchen Allmosenpflege zu überzeugen trachte. Männer von Erfahrung wissen, wie sehr das sogenannte Pfenningalmosen die Armen in Bettler verwandelt und ihre Anzahl vermehrt. Der fremde Bettler wird durch den Ruf, daß man hier überall etwas erhalte und am Ende doch etwas Ansehnliches zusammenbringe, herbeygezogen. Der wandernde Handwerker, dem gerade ein solcher Zehrpfenning gebührt, der ihn nöthigt zur nächsten Werkstätte zu eilen, verläßt diese ganz, und fängt wieder zu terminiren an, so bald der erfochtene Vorrath verzehrt ist. Andere klopfen an allen Thüren an, und nehmen alles mit, was ihnen abgereicht, und nicht abgereicht wird. – Der Schaden trifft zunächst den Hausarmen, den ein Überrest von Ehrgefühl vom Gassenbetteln abhält, der nun nicht mehr hinlänglich unterstützt werden kann, und der dennoch auf unsere milden Gaben den nächsten Anspruch hat. Alles stürmt am Ende auf den gutmüthigen Bürger ein, der von einheimischen und fremden Bettlern belagert, geplündert, verfolgt und an seiner Handtierung, am Erwerben gehindert wird. Das Pfenningalmosen ist die Ursach dieses Übels. Dieser schädlichen Mildthätigkeit, dieser Schwachheit müßen wir nothwendig entsagen, wenn die

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Anonym: Armen-Versorgungs-Anstalt zu Fürth in: Journal von und für Franken, Band 5. Raw, Nürnberg 1792, Seite 584. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Armen-Versorgungs-Anstalt_zu_F%C3%BCrth.pdf/6&oldid=- (Version vom 2.10.2016)