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Auf der Ausstellung zu München – der einzigen bis jetzt von hier aus beschickten – wurde die Vorzüglichkeit der Fabrikate dieses Etablissements durch eine auf sämmtliche seiner ausgestellten Zündrequisiten ertheilte Belobung anerkannt.

Das Etablissement besitzt vier Einlegemaschinen neuester Construction, durch welche es möglich wird, bei verhältnißmäßig geringen Arbeitskräften täglich vier Millionen Hölzer zu liefern.

Das Arbeitspersonal dieser Fabrik besteht aus circa 260 Erwachsenen und Kindern, von welchen 80 fortwährend, 180 aber zeitweise beschäftigt sind.

Inhaber und auch Gründer dieses Etablissements sind die Herren Gustav Kummer und Theodor Günther; dieselben besitzen noch eine Commandite in London, 1 Love Larre, Eastchiep E. C.

Die Fabrik fertigt theilweise auch Zündhölzer ohne Phosphor, welche sich auf jeder beliebigen rauhen oder glatten Reibfläche durch Streichen entzünden, frei von jeder der Gesundheit schädlichen Substanz sind, und dadurch Phosphorvergiftungen unter den in Zündholzfabriken beschäftigten Arbeitern, wie auch im Publikum nicht mehr vorkommen können. Die Erfindung ist den Herren Kummer und Günther für das Königreich Sachsen patentirt und es liefern dieselben diese Hölzer unter dem Namen „phosphorfreie Patent-Zündhölzer.“




Die Baumwollengarnspinnerei, Appretur und Bleiche von Lohse & Naumann in Schlettau.


In einer angenehmen Gegend des oberen Erzgebirges, theils in dem schönen Zschopauthale, theils an dem sanften Abhange eines gegen Süden aufsteigenden Berges, eines Vorläufers des mächtigen Scheibenberges, liegt über dem linken Zschopauufer und an dem Rothenbach, an der von Annaberg nach Schwarzenberg führenden Chaussee, das alte Bergstädtchen Schlettau, 1952 Fuß über der Meeresfläche. Ehemals bis zu dem dreißigjährigen Kriege herab sehr bedeutend, zählt es jetzt in 197 bewohnten Gebäuden nur noch 1944 Einwohner, allerdings wieder eine bedeutende Vermehrung gegen 1834, wo es in 151 Häusern 1528 Einwohner hatte und gegen 1779, wo in 98 Gebäuden 492 Menschen lebten. Schlettau liegt in der Nähe vieler Städte; seine Entfernung von Annaberg beträgt eine Stunde und von Buchholz ¾ Stunden und eben so viel von Scheibenberg, in dessen Gerichtsbezirk es gehört; von Elterlein und Geier ist es 1¾, von Grünhain 2½, von Jöhstadt 3 und von Zwickau 10 Stunden entfernt.

Die Hauptbeschäftigung der Einwohner Schlettaus besteht in Posamentirarbeit und 1854 gab es hier 109 Posamentirmeister (1820 nur 30) mit 48 Gesellen und 90 Lehrlingen, welche inclusive der Frauen auf 350 Stühlen arbeiteten, und diese Zahl ist sich bis jetzt ziemlich gleich geblieben. Die meisten Posamentirer sind aber Lohnarbeiter, theils für hiesige, theils für auswärtige Kaufleute und ihr Loos ist im Allgemeinen nicht sehr glänzend zu nennen, denn nur wenn die Geschäfte besonders gut gehen, kann der Posamentirer hoffen, es die Woche bis auf drei Thaler Verdienst zu bringen, während gewöhnlich


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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 343. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/351&oldid=3497305 (Version vom 9.3.2019)