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Jahre als Gäste den Vereinssitzungen beiwohnen können, läßt sich schwer erklären. Man wollte wohl die Zusammenkünfte mehr als geschlossene Besprechungen abhalten, sie wurden als „Sitzungen“ bezeichnet; aller 14 Tage sollte eine ordentliche stattfinden und der Vorsitzende für Vorträge und Stoff zu Besprechungen sorgen. Zugleich wurde beabsichtigt, nach Bedarf verschiedene, den Hauptrichtungen der Vereinstätigkeit entsprechende Abteilungen als Sonderausschüsse zu bilden.

Der Zweck des Vereins wurde so festgelegt: „alles auf die Geschichte und Topographie der Stadt (dies die zwei Abteilungen) und ihrer nächsten Umgebung, etwa des Bereiches des Gerichtsamtes Dresden, Bezügliche zu erforschen, aufzuzeichnen und durch Sammeln, bildliche oder schriftliche Darstellung vor dem Untergang oder der Vergessenheit zu bewahren, durch Besprechungen und Vorträge zu erläutern und davon nach Befinden das dazu geeignete zu veröffentlichen“. Gautsch sagte in seinem Einleitungsvortrage am 23. Juni 1869: Der oberste Grundsatz des Vereins sei „Tatsachen zu sammeln und aus ihnen ein wohlgeordnetes Ganzes zu bilden“ (erlangen – ordnen – verarbeiten). Aber nur „den nötigen Vorrat und Bedarf an Material zu liefern“, nicht selbst eine Geschichte Dresdens zu schreiben. Dazu mochte sich keiner der Gründer für fähig halten, aber Vorarbeit wollte man liefern.

Es galt wahrlich viel zu tun, und man muß sagen: mit größtem Eifer ging man an die Sache heran. So vielgestaltig dieser Kreis war, – er war bei der Statutenunterschrift am 10. Juni schon auf 50 Mitglieder gestiegen, doch blieben im ersten Vereinsjahre nur 42, und zwar außer höheren und mittleren Beamten, Geistlichen, viel Lehrern auch einige Offiziere, eine Anzahl Buchhändler, einige Handwerksmeister, der Restaurateur vom Schlesischen Bahnhof, ein Hoftheaterinspizient und Privatgelehrte –, so hat er doch damit sofort den Grundzug in die spätere große Ausgestaltung gebracht. Man muß sagen: die rein wissenschaftlich gelehrte Führung überwog zunächst nicht. Auffallend zurückhaltend waren die staatlichen Bibliothekare und Archivare und die wissenschaftlich gebildeten Lehrer der Geschichte an höheren Schulen, ebenso die Beamten des Rates, höhere und niedere, – außer Neubert. (Erst später kamen Teucher und Flath hinzu.) Sogar der Ratsarchivar Dr. Heinze trat nicht sofort bei. Zu vermerken ist nur noch Hofrat Dr. Gräße, der berühmte Dresdner Literar- und Kulturhistoriker, Bibliograph und Kunstkenner, damals Bibliothekar des Königs und Inspektor des Grünen Gewölbes, und Pfarrer Tutzschmann, durch historisch-geographische und andere Arbeiten zur sächsischen Geschichte bekannt.

Man wird aber auch nicht sagen können, daß der Zeitpunkt sehr günstig gewesen sei, um ein rasches Aufblühen des Vereins zu fördern. Das Dresdner Vereinsleben war schon zum größten Teil in anderen Richtungen festgelegt. Ganz abgesehen von 28 besseren „geselligen“ Vereinen, 27 Gesangvereinen, 7 Gesellschaftstheatern, dem

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Georg Hermann Müller: Fünfzig Jahre Verein für Geschichte Dresdens 1869–1919. Druck von Wagner und Humann, Dresden-N., Dresden 1919, Seite 3. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:50JVereinGeschichteDresden1919.djvu/11&oldid=- (Version vom 14.9.2022)