Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band V,2 (1905), Sp. 17101712
Drobeta Turnu Severin in der Wikipedia
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Drobeta (so in offiziellen Urkunden, CIL III 1581, vgl. p. 1018 = 8017. 8019; vgl. 1209. 1579, vgl. p. 1017. 2679. Not. dign. or. XLII 6 = 16. 24. 35; volkstümlicher war Drubeta, Arch.-epigr. Mitt. XIX 220, 84, 5. CIL III 1570. 6309 = 8129. Ephem. epigr. IV 893, 32. 895, 4. Tab. Peut. Drubetis; Ptolem. III 8, 10 Δρουφηγίς), jetzt Turn-Severin (rum. Turnǔ-Severinuluǐ) am linken Donauufer östlich vom Eisernen Thor in Dacien, wo von den obigen Inschriften CIL III 1581 = 8017. 8019 und ausserdem Arch.-epigr. Mitt. XIX 216, 76 gefunden und ausgedehnte römische Ruinen, darunter ein Lager, durch Ausgrabungen des Bukarester Museums constatiert worden sind (G. Tocilescu Arch.-epigr. Mitt. iXIX 79.213). Der Ort, schon eine vorrömische Niederlassung (W. Tomaschek Die alten Thraker II 2, 73f.), wurde bereits vor der Occupation Daciens ausserhalb der Reichsgrenzen, aber unter dem Schutze der Donaufestungen von römischen Ansiedlern besetzt und wurde von einem der flavischen Kaiser zum Municipium erhoben, CIL III 1581, vgl. p. 1018 = 8017 res publica mun(icipii) Fl(avii) Hadriani Drobet(ensium) (A. v. Domaszewski Rh. Mus. 1893. 240f. St. Gsell Essai sur le règne de l’empereur Domitien 370f.). Dass D. schon eine ältere römische Ansiedlung ist, beweist auch seine Darstellung auf der Traianssäule mit Theater und einem grösseren Säulenbau (O. Benndorf Arch.-epigr. Mitt. XIX 201. E. Petersen hält Röm. Mitt. XI 108 dieses Bild irrtümlich für das am rechten Donauufer gelegene Pontes, vgl. C. Cichorius Die Reliefs der Traianssäule III 142ff.). Eine Neuconstituierung fand hier ebenso wie in Napoca, wie die Cognomina Hadrianum in der eben angeführten Inschrift und in Arch.-epigr. Mitt. XIX 216, 76 a splendid(issimo) ordin(e) m(unicipii) H(adriani) D(robetensium) und Aelium in CIL III 6309 = 8129 q(uin)q(uennali) primo mun(icipii) P AEL DRV, und Ephem. epigr. IV 893, 32 (895, 4 wohl irrtümlich CL) sowie die Tribus Sergia (I. W. Kubitschek Imperium Rom. tributim discriptum 230) erweisen, durch Hadrian statt. Municipium war es unter Pius im J. 145 )(CIL III 1581 = 8017), unter Marcus (CIL III 1559 = 8009. 1579, vgl. u.) und noch unter Septimius Severus, da es als Heimat eines in dieser Zeit verabschiedeten Praetorianers Aelianus genannt wird (Ephem. epigr. IV 893, 32). Erst im 3. Jhdt. ist es Colonie geworden (CIL III 1209. 1570. 1580. 2679. 8019). Zum Territorium von D. gehörte nach Mommsen CIL III p. 248 auch das Bad ad Mediam (Mehadia) und Slatina (Gaganae?), [1711] weil hier zahlreiche Inschriften von Honoratioren von D. gefunden worden sind (CIL III 1559 = 8009. 1570. 1579, vgl. p. 1017. 1580); der Schluss erscheint mir unsicher, da wir dann mit demselben Recht auf Grund von CIL III 8011 das dicht bei Mehadia liegende Plugova zu Sarmizegetusa rechnen müssten. Bezeugt sind quinquennalis primus (CIL III 6309 = 8129), quattuorvir an(nualis?) (CIL III 1559 = 8009), quaestor (CIL III 1579, vgl. p. 1017), ordo (Arch.-epigr. Mitt, XIX 216, 76), Decurionen (CIL III 1209. 1570. 1579. 1581, vgl. p. 1018 = 8017. 2679. 6309 = 8129, vgl. ornamenta decurionalia Arch.-epigr. Mitt. XIX 216, 76). Die Stadt erlangte grössere Bedeutung seit den Dakerkriegen Traians, der in ihrer Nähe nach dem ersten Kriege gegen Decebalus die grosse steinerne Brücke erbauen liess (s. Pontes). Seitdem hatte sie auch eine Garnison. Gebaut hat hier in traianischer Zeit die cohors I civium Romanorum equitata (Arch.-epigr. Mitt. XIX 219, 82, 3, dazu E. Bormann ebd.); stationiert war hier in der ersten Hälfte des 2. Jhdts. die coh. III campestris (Arch.-epigr. Mitt. XIX 215, 75. 217, 77, dazu Bormann und E. Ritterling ebd.) und unter Gordian (CIL III 6279), wahrscheinlich schon früher (Arch.-epigr. Mitt. XIX 219, 82, 4, wo der letzte Buchstabe wohl ein Kaisercognomen andeutet), die coh. I sagittariorum (CIL III 1583 = 8018). Ziegel haben für das Lager von D. die legio 1 Italica (CIL III 8072), die leg. V Macedonica (CIL III 8066 a. Arch.-epigr. Mitt. XIX 79, 3. 219, 82, 1) und die leg. VII Claudia pia fidelis (ebd.) geliefert; ob sie Detachements hier hatten, lässt sich vorderhand nicht feststellen, da von der ersteren sonst nichts, von der zweiten nur Veteranen (CIL III 1584, vgl. p. 1420. Arch.-epigr. Mitt. 214, 72. 73) und von der dritten blos ein med(icus) leg. VII Cl., ornat(us) orn[a]ment(is) decu[r(ionalibus)] a splendid(issimo) ordin(e) .....nachweisbar sind. Nach den Not. dign. or. XLII 6. 16. 24 war das castellum von D. besetzt von dem cuneus equitum Dalmatarum Divitensium und dem auxilium primorum Daciscorum. Trotzdem ist es der Stadt zur Zeit des germanisch-sarmatischen Krieges unter Kaiser Marcus schlecht ergangen; dieser Zeit werden die in den Inschriften CIL III 1559 = 8009. 1579, vgl. p. 1017. 1585 = 8021 genannten latrones angehören, die in der ganzen Umgebung von D. hausten und selbst Frauen nicht schonten. Die Bevölkerung hat sich (durch Aufbietung der Stadtmiliz?) zu helfen gesucht (CIL III 1579. 8021. Patsch Wissenschaftl. Mitt. aus Bosnien und der Hercegovina VIII 123f. A. Premerstein Jahreshefte des österr. archäol. Institutes III Beiblatt 144f.). D., auch Kopfstation der über Pelendava nach Romula (an der Alutastrasse) führenden Strasse (Tab. Peut. Kiepert Formae orbis antiqui XVII). war von einer betriebsamen (Arch.-epigr. Mitt. XIX 6 217, 78), auch aus dacischen (CIL III 1585 = 8021, vgl. J. Jung Römer und Romanen in den Donauländern² ll5f.) und griechischen (CIL III 1586 vgl. p. 1420. 6280 = 8020. Arch.-epigr. Mitt. XIX 218, 79) Elementen bestehenden Bevölkerung bewohnt, zu der auch die abendländischen Provinzen (CIL III 8014) und insbesondere Veteranen verschiedener Truppenkörper ein erhebliches [1712] Contingent stellten (ausser den oben angeführten Veteranen vgl. vet. ex dec(urione) al(ae) Cl(audiae) [Arch.-epigr. Mitt. XIX 215, 74, dazu Bormann Jahreshefte des oesterr. archaeol. Instituts 1898, 178 Anm.] und vet. coh. V Gal(lo-lorum) [ebd. 213, 71; dazu Bormann a. a. O. 179 Anm.]). Sie unterhielt Verbindungen mit Apulum, Sarmizegetusa (CIL III 1209), Viminacium (CIL III 6309 = 8129) und Tragurium (CIL 31112679. Patsch a. a. O. VI 263); ihre Leute kamen seit Septimius Severus als Praetorianer nach Rom (Ephem. epigr. IV 893, 32.895, 4, vgl. Mommsen Ephem. epigr. V p. 185). Von den in D. verehrten Gottheiten sind ausser Iuppiter, Iuno (CIL III 8015. Arch.-epigr. Mitt. XIX 79) und Diana (CIL III 8014) nachweisbar Mars Gradivus (CIL III 6279) und die Mater deum magna (CIL III 1582, vgl. p. 1420 porticum de suo fecit. 8016). D. war auch, wie die Nachbarorte Aquae, Diana = Zanes, Dierna und Viminacium Fabricationsort guter Ziegel (Arch.-epigr. Mitt. XIX 220, 84, 5 aus Praovo—Aquae). Über Funde von Lampen vgl. CIL III 8076, 2. 11. 16.