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Textdaten
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Autor: Ernst Reiter
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Titel: Panoramakarten der Zukunft
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aus: Die Gartenlaube, Heft 27, S. 467–468
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
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[467] Panoramenkarten der Zukunft. Die Rundschau, welche ein Aussichts- oder Höhenpunkt bietet, wurde bisher, soviel mir bekannt ist, stets nur in Längenflächen, aus bandartigen Blättern, gezeichnet. Diese Darstellungsart entspricht aber durchaus nicht der natürlichen Anlage dieser Ansichten, welche doch in einem Kreise rings um uns liegen. Unser Auge, unser Blick braucht sich gewissermaßen nur um seine eigene Axe zu drehen, so schauen ihm ja all die berückenden Bilder, welche in kreisförmiger Fläche uns umgeben, entgegen. eine Panoramenkarte, welche uns diese im Kreise liegenden Ansichten, diese Rundschaubilder, auf bandartigen Blättern zeigt, kann, selbst wenn sie auf das Gewissenhafteste ausgeführt ist, doch nur in geringerem Maße nützlich werden und wird namentlich dem ungeübten Kartenleser oder demjenigen, der zum ersten Male die Aussicht von einem bestimmten Höhenpunkte betrachtet, kaum große Aufklärung über die einzelnen sich ihm zeigenden Bergspitzen, [468] Ortschaften etc. bringen. Nur schwer wird er sich zu orientiren vermögen; denn es wird ihm ganz besonders an Anhaltspunkten für diese Orientirung fehlen. Schon vor mehr als zwanzig Jahren hat aber der damalige Kurarzt in dem steierischen Badeorte Rohitsch-Sauerbrunn, Dr. Joseph Burghardt, ein Panorama vom Donatiberg, (884 Meter) in Kreisform gezeichnet, dessen Centrum der Standpunkt des Betrachters auf dem Berggipfel selbst war. es waren in demselben nicht nur die einzelnen sichtbaren Hohen, Berge und Kogel in getreuen Kontouren fixirt, sondern auch en miniature im Aufriß Kirchen und Schlosser Sowie sonstige Orientirungspunkte: Alleestraßen, Bahnen, Brücken etc. angegeben und deutlich beschrieben. Doch die damalige Zeit war dem Touristenwesen nicht so gewogen wie die heutige und die ungemein praktische Neuerung blieb in weiteren Kreisen unbekannt. Nun ist von dem touristischen Zeichner Johann Pabst in Wien – ohne daß derselbe Kenntniß hatte von jener Karte – eine ähnliche Panoramenkarte in Kreisform, gewissenhaft und profilgetreu, fast reliefartig gezeichnet, erschienen, welche die Rundschau von der Stephaniewarte auf dem Kahlenberge bei der Donaumetropole in ungemein klarer, leicht orientirender Art wiedergiebt. Selbstverständlich fehlen bei den Kontouren der Bergzüge und der einzelnen Berge, welche das Rundbild abschließen, auch die genauesten Höhenangaben nicht, So daß die Karte in dieser neuen Gestalt nicht etwa nur eine Tändelei, sondern auch für ernstere Bestrebungen vollkommen brauchbar ist. Jedenfalls ist diese Neuerung der Beachtung der Panoramenzeichner zu empfehlen. Das touristische Publikum wird denselben dann sicherlich für die Einführung dieser „Rundpanoramen" Dank wissen.

Ernst Keiter.