Ortsgeschichtliche Mitteilungen aus der Umgebung von Karlsruhe aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts

Textdaten
Autor: Benedikt Schwarz
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Titel: Ortsgeschichtliche Mitteilungen aus der Umgebung von Karlsruhe aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts
Untertitel:
aus: Alemannia, Band XXXIV, S. 172–191
Herausgeber: Fridrich Pfaff
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Erscheinungsdatum: 1908
Verlag: Friedrich Ernst Fehsenfeld
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Erscheinungsort: Freiburg
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Quelle: Google-USA*, Commons
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Ortsgeschichtliche Mitteilungen aus der Umgebung von Karlsruhe aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Von Benedikt Schwarz.

Vor uns liegen die Kirchen- und Schulvisitationsprotokolle und Berichte für die „Diözese“ Karlsruhe aus der Zeit von 1736 an (Großh. General-Landesarchiv. Amt Karlsruhe. Kirchen- und Schulsache). Dieselben enthalten neben anderm reichen Inhalt eine Fülle ortsgeschichtlicher Stoffe von solcher Wichtigkeit, dass wir deren Mitteilung auch an dieser Stelle für wol angebracht erachten.

Die Diözese Karlsruhe umfasste in jener Zeit die Ämter Mühlburg, Graben, teilweise das Oberamt Durlach und die neugegründete badische Residenz, welche zeitweise für sich als Amt galt. Zum Amt Mühlburg gehörten die Orte Mühlburg, Knielingen, Welsch- und Teutschneureut, Eggenstein, Schröck (seit 1833 Leopoldshafen), Linkenheim, Hochstetten. Das Amt Graben bestand aus den Orten Graben, Liedolsheim, Rußheim, Spöck, Staffort und Friedrichstal. In das Oberamt Durlach zählten die Orte Durlach, Aue, Wolfartsweier, Rüppurr, Grötzingen, Berghausen, Söllingen, Rintheim, Hagsfeld, Blankenloch, Büchig, Hohenwettersbach (zur Hälfte, die andere Hälfte gehörte der Familie Schilling von Canstatt), Gottesau.

Über die meisten der genannten Orte erstrecken sich die Visitationsprotokolle; die katholischen Orte des jetzigen Amts Karlsruhe (Beiertheim, Bulach, Grünwinkel und Daxlanden) zählten damals in das Amt Ettlingen, wohin sie heute noch teilweise in kirchlicher Beziehung gehören[1].

Wir werden die Mitteilungen lose ohne innern Zusammenhang, so wie wir sie den Protokollen entnehmen, hier veröffentlichen. [173] Sie sollen Anregung zum Studium der Ortsgeschichte geben, und es wird daher jeder Leser das, was ihn interessiert, zwischen den Zeilen lesen.

Einen großen Teil der Protokolle füllen die Klagen und Beschwerden der bei der Visitation vernommenen Personen, des Pfarrers, des Lehrers, des Schultheißen, des Ortsvorgesetzten, der Hebamme u. a. aus. In Rüppurr beschwert sich 1737 Pfarrer Huber darüber, dass der Gottesacker nicht eingezäunt sei, weshalb das Vieh, besonders die Schweine, die Gräber umwühlten; die von Graben und Rußheim, Weber und Hoyer klagen, dass an den Feiertagen zu viel Tanzerlaubnis gegeben würde, „wobei oft große nächtliche Üppigkeiten vorgingen, und die ganze Nacht geschwärmt würde“. In Liedolsheim wünscht Pfarrer Fugger, dass einmal die abgebrannte Kirche auferbaut würde, und der von Spöck, Roller, bringt die alte Klage vor, dass die Gemeinde dem Lehrer das neuerbaute Schulhaus nicht einräumen wolle. Der Pfarrer von Eggenstein ist mit seinem Lehrer nicht zufrieden; „er verwalte sein Amt nicht, wie es sich gebührte, komme nicht zur rechten Zeit zur Schule und müsse fast alle Morgen aus dem Schlafe geweckt werden“. Sonst sind die Pfarrer alle mit dem Lebenswandel der Lehrer und ihrer Schularbeit sehr zufrieden, wie auch die Schultheißen im allgemeinen nicht über die Pfarrer zu klagen haben. Eine Hebamme, die Eggensteiner, beschwert sich, dass ihr die ordentliche Gebühr für ihre Arbeit nicht gereicht werde.

Den 1738er Protokollen ist folgendes zu entnehmen: Sämtliche Pfarrer und Lehrer beschweren sich über den schlechten Schulbesuch, eine Klage, die in allen Protokollen wiederkehrt. In Knielingen beschwert sich Pfarrer Deubler, dass ein dortiger Bürger, namens Abraham Stuber, seinen Sohn nach Welschneureut schicke, die französische Sprache zu erlernen, wobei derselbe die Knielinger Schule versäume. Der Lehrer klagt, dass der Gottesacker, welcher von den Franzosen ruiniert wurde, noch nicht eingezäunt sei, die Gräber würden von dem Vieh übel zugerichtet. Der Schultheiß verspricht, eine Mauer aufführen zu lassen. In wirtschaftlicher Beziehung musste es mit dieser Gemeinde um diese Zeit schlecht stehen; es wird berichtet, dass die ausstehenden Kapitalien nicht nur nicht abbezahlt, sondern die Zinsen sich so angehäuft hätten, dass sie die Kapitalien überstiegen.

[174] Dem Pfarrer Vetterlin in Eggenstein will es nicht gefallen, dass die Gemeinde nach gehaltenem Gottesdienst, wenn was auszumachen sei, ins Wirtshaus laufe; auch will er dem Lehrer nicht erlauben, die Leichenpredigt zu halten, weil er meinte, derselbe trüge in derselben absurde Dinge vor. Die jüngere der beiden Hebammen wurde garrula et in vestitu sordida (geschwätzig und in den Kleidern unreinlich) befunden und deshalb bestraft.

Die weltlichen Ortsvorgesetzten von Graben sind mit ihrem Pfarrer nicht zufrieden, er sei ihnen zu „schläfrig und halte mit dem Lehrer gute Freundschaft, die nächtliche Frequentierung des Schulhauses komme der Gemeinde sehr verdächtig vor“.

In Söllingen klagt Pfarrer Waag wegen des nächtlichen Spielens in den Wirtshäusern.

Die 1739er Visitation bietet nichts Bemerkenswertes.

Bei der 1740er Visitation hat man in Knielingen darüber Beschwerde zu führen, dass der Pfarrer „oft in die Städte und anderswo reisete“ und dass die Schule sehr schlecht besucht werde.

In Linkenheim wünscht man, dass die Vesper zeitlicher anginge wegen des zu großen Mangels an Licht in der Kirche.

Die Gemeinde Graben „wünscht sich keinen bessern Pfarrer, weil er sich in allen Stücken so geändert, dass keine Klage mehr über ihn zu führen sei“.

In Berghausen wird besonders getadelt, dass die Jugend während des Gottesdienstes die Ochsen auf die Weide treibe.

Das Protokoll der 1742er Visitation enthält einige geschichtliche Aufzeichnungen, weshalb wir näher auf dieselbe eingehen werden.

In Mühlburg finden wir den soeben ernannten Pfarrer Johann Daniel Schlotterbeck, geb. 1721 in Karlsruhe, wo sein Vater fürstlicher Hofrat war; er studierte zuerst daselbst auf dem Gymnasium (Durlach!), bezog 1736 die Universität Tübingen und machte 1740 sein Examen. Seine Hauptarbeit ist, „wegen denen Papisten und Calvinisten zu vigilieren“. Das Pfarrhaus wurde um das Jahr 1720 erbaut aus Kollektengeldern; vorher hatte Mühlburg keinen eigenen Pfarrer, sondern wurde von Knielingen aus mitversehen. Der Gottesdienst wurde vorher meistenteils in einem Wirtshause abgehalten. Von 1720 an [175] hatte der Ort dann eigene Pfarrer, nämlich 1720–1721 Israel Ludwig Gebhardt, der jetzt in Blansingen amtiert, 1721 bis 1732 Christian Hallbusch, welcher seines Dienstes entlassen wurde und nun in Durlach als Privatmann lebt. 1732–1735 Andreas Laurenz Mayer, so jetzt zu Eggenstein ist. 1735 bis 1740 Friedr. Joachim Kieffer, der nun Diakonus in Emmendingen ist. 1740–1742 Paulus Amberger, nunmehr zu Langensteinbach.

Als Lehrer finden wir den Schulmeister Pauli, der wegen seines hohen Alters die neuangeschaffte Orgel nicht schlagen und auch sonst der Jugend nicht mehr recht vorstehen kann. Es wird deshalb von den Ortsvorgesetzten gebeten, ihm als Adjunkt den Schulkandidaten Georg Keller von Staffort beizugeben. Außer einer neuen Orgel (vielmehr nur ein Positiv) für 76 Gulden sind 1742 auch zwei „mittelmäßige“ Glocken von der Gemeinde angeschafft worden.

Ein Schulhaus existiert um diese Zeit (auch das ganze 18. Jahrhundert hindurch) in Mühlburg nicht; der Lehrer hält in seinem eigenen Hause Schule und erhält dafür von der Gemeinde einen Mietzins.

Die Gemeinde besteht aus 51 evangelisch-lutherischen Haushaltungen, 9 römisch-katholischen und 4 reformierten (Calvinisten). Juden sind keine da.

In Graben wird Beschwerde darüber geführt, dass Kaspar Dieffenbacher sich immer noch in einem alten Keller des abgebrannten Schlosses nebst einem seiner Kinder aufhalte, seine Frau und die übrigen Kinder aber bei seinem Schwiegervater seien. Auch lebe gedachter Dieffenbacher wie ein Heide, indem er seiner Frau mit Ermorden, dem Schultheiß aber mit Brand gedroht habe, so dass niemand mehr sich getraue, ihm etwas zu sagen.

Die Kirche zu Graben wurde 1706 neu aufgebaut, nachdem sie (1689) von den Franzosen eingeäschert worden war; es befinden sich darin im Jahre 1742 manche Grabsteine, welche den im benachbarten Philippsburg verstorbenen evangelisch-lutherischen Offizieren gesetzt worden waren. Glocken sind es drei, eine von 11 Zentner, eine von 5 Zentner und eine von 80 Pfund. Auf der mittleren stehen die Namen des Amtmanns Kemling und des Pfarrers Obermüller und anderer Personen. Die kleinste wird nur in Kriegszeiten, wenn die andern geflüchtet sind, geläutet.

[176] Unter den Vasa sacra (heilige Gefäße in der Kirche) werden genannt: eine silbern vergoldete Patene mit der Jahreszahl 1710 und den Namen des Pfarrers, des Schultheißen und der Almosenpfleger. Eine zinnerne Kante von 1 Maß mit der Zahl 1712 und dem Namen Georg Michel Raichert.

Das Pfarrhaus ist 1719 von der Herrschaft erbaut worden; es steht neben der Kirche und hat unten zwei Stuben mit Kammern.

Als Pfarrer werden unter der Rubrik Series Pastorum genannt:

1645 Jo. Jac. Zughius Würtenb.
1650 M. Jonas Anwander
1652 M. Augustinus Langner. Bamberg
1654 Ernst Lud. Bach. Durl.
1656 Martin Luzius. Augusta Vindel.
1663 Sebast. Aepinus
1671 M. So. Ge. Parzhof von Aurach Württ.
1674 Jo. Oswald Crusius Ravensburg.
1682 Jo. Conrad Stadmann Durl.

Nach diesem ist die Pfarrei wegen trübseligen Zeiten von den Pfarrern zu Spöck vicariando versehen worden, Namens Zand und Lindemann, auf welche wieder eigene Pfarrer gesetzt worden, als

M. Jo. Phil. Bander
Christoph Blum.
Jo. Albrecht Obermüller.
1706 Ernst. Frid. Wider. franc. (ein Franke)
1714 Daniel Niclas. Noerdl.
1719 M. Andreas Weber. Alsatus (ein Elsäßer)
1736 Franc. Christ. Henr. Beck,

der jetzige Pfarrer, 1712 in Durlach geboren, wo sein Vater Präzeptor am Gymnasium und Kantor war. „Seine Fundamente legte er in Karlsruhe, wo er auch lectiones publicas angehöret bis ad annum 1732, da er nacher Hall in Sachsen und weiter nach Jena gegangen, ward, als er wieder nach Hause gekommen, immediate zum Pfarrer nach Graben berufen.“

Graben zählte 1742 78 Haushaltungen, evangelisch, bis auf etwa 42 Seelen römisch-katholisch. Zahl der Schulkinder: 80.

Spöck und Staffort: „Das Pfarrhaus zu Spöck ist sonderbar wohl conditionirt und hat wol im ganzen Land wenig [177] seinesgleichen; doch sind die Öfen anno 1734 von den Franzosen sehr beschädigt worden und wären wol neue von nöten.“ Die Kirche ist eng und der Turm sieht schlecht und schadhaft aus; dagegen ist die Kirche in Staffort recht schön und nett erbaut; „der Turm sollte aber höher sein, weil die Glocken nicht überall im Flecken gehört werden“.

Der Pfarrer klagt darüber, dass viele in Spöck dem Spielen und Trinken nachhängen und sich und die ihrigen ruinieren; dem fürstlichen Oberamt sei dies nicht unbekannt, es scheine aber, man könne auch dorther nicht helfen. Der Spöcker Lehrer heißt Daniel Walther, von Berghausen gebürtig; „er ist ein noch junger, lediger und dabei recht artiger Mann, der die Jugend gar wohl unterrichtet und im Schreiben was besonderes prästiret, auch die Orgel wohl versteht. Der Stafforther, Joh. Mich. Stober, ist verheiratet, kommt zwar dem vorigen nicht in allem gleich, führt aber doch sein Amt und Leben, daß keine Klage zu hören“. Er führt Beschwerde darüber, dass ihm die Ortsvorgesetzten das eine und das andere entziehen, was seine Vorgänger genossen; er sei deshalb mit einer Supplik eingekommen, und es sei darauf ein fürstliches Dekret erlassen worden, wofür er habe 18 Kreuzer Taxe zahlen müssen; er wisse aber bis auf die Stunde nicht, was darin gestanden.

Der Pfarrer von Spöck und Staffort heißt Johann Friedrich Zoller; er ist 1694 in Durlach geboren, wo sein Vater Schuhmacher war. Er besuchte zuerst das Gymnasium in Durlach und studierte dann zu Jena. 1720 wurde er Vikar in Karlsruhe, 1721 Pfarrer in Rußheim, 1727 in Knielingen, 1736 in Spöck und Staffort. Er ist verheiratet mit der Tochter des verstorbenen Pfarrers Lindemann, hat neun Kinder, drei Söhne und sechs Töchter, die alle noch am Leben sind.

Das Schulhaus in Spöck steht halb auf dem Kirchhof, halb außer demselben auf der Straße. In Staffort ist kein Schulhaus; die Schule wird auf dem Rathaus gehalten.

Der Spöcker Gottesacker liegt außerhalb des Fleckens, ist einerseits mit einer Mauer, auf den andern Seiten mit Zaunstecken umgeben. Der Gottesacker in Staffort liegt Weingarten[2][178] zu und ist mit einer Mauer umgeben, „welche die Churpfalz erhalten muß“.

Linkenheim: Die Baupflicht für die Kirche liegt wie bei allen der Karlsruher Diözese der Herrschaft ob. Der soeben präsentierte Pfarrer Martin Friedrich Hoyer gibt folgende alte Missbräuche zu Protokoll:

1. An Lichtmess gingen die kleinen Knaben und Mägdlein partienweise in den Häusern herum und sammelten Eier und anderes zu einem Kerzenbraten, welchen sie darauf verzehrten.

2. Am Sommertag machten sie zwei Partien, deren eine sich den Sommer, die andere den Winter nannten und sich nur zum Betteln gewöhnten.

3. Ebenso hielten sie es auch am Invokavit, welchen sie den weißen Sonntag nannten und vor den Häusern sprechen: Gebt uns weiße Erbsen und schwarze Bohnen, Gott wirds lohnen.

In Linkenheim versieht das Schulamt Gg. Valentin Becker, in Hochstetten Jo. Mich. Mainzer. Beide haben Provisoren (Hilfslehrer), jener, weil er nicht die Orgel schlagen kann, dieser, weil er schwerhörig ist.

Die Kirche (St. Egidi genannt) hat am Turm die Jahreszahl 1520; doch sind darin Grabsteine mit älterem Datum. Im Turm hängen zwei Glocken, die größere bei vier Zentner schwer, 1719 von Heinrich Ludwig Koßmann in Landau gegossen (auf Kosten der Gemeinde); die kleinere ist die Ratsglocke. Die zehnregistrige Orgel wurde 1741 angeschafft. Das Taufbuch trägt auf Seite 1 die Jahreszahl 1653; doch sind darin auch schon Taufeinträge von 1592; es reicht bis 1700; ein neues fängt mit 1700 an und hört mit 1741 auf; ein drittes beginnt mit 1742.

Das Pfarrhaus ist folgendermaßen beschrieben: Es steht fast mitten im Flecken in der sogenannten Kirchgasse, nicht weit von der Kirche, hat zwar räumliche Stuben, eine oben und eine unten und bei jeder eine Schlafkammer, einen mittelmäßigen Keller, eine Küche und ein Speisekämmerlein, überdies unten noch eine und oben noch zwei Kammern, einen ziemlich großen Speicher und darüber noch eine kleine Bühne. Der ziemlich große Pfarrgarten ist eine halbe Viertelstunde vom Haus gelegen.

Die Reihe der Pfarrer vom Jahre 1591 an ist folgende: 1591 Reinhard Keyber, 1593 M. Ezechiel Frey, 1608 M. Joh. [179] Jak. Grann, 1610 M. Petrus Gädiccus, 1613 Caspar Widmann, 1616 Joh. Wilh. Exter, 1635 Georg Hälin, 1637 Andreas Thumius, 1638 Christoph Braun, 1644 Joh. Friedr. Buß, 1653 Joh. Wilh. Nothard, 1659 Zachar. Warthmann, 1675 Joh. Matth. Geilhofer, 1692 Mart. Mauritius, 1703 Zachar. Bölzner, 1707 M. Georg Balthas. Bausch, 1714 Joh. Jos. Zarndt, 1716 Joh. Ernst Kraft, 1741 Martin Friedr. Hoyer. Letzterer ist 1696 zu Altona („unweit Hamburg“) geboren, woselbst sein Vater Stadtpfarrer und Konsistorialrat war. Er besuchte bis 1716 das Gymnasium in Durlach, studierte dann in Jena und machte 1723 in Durlach sein Examen. Wurde 1724 Vikar in Gundelfingen, 1729 Diakon in Müllheim, 1733 Pfarrer in Rußheim und 1741 in Linkenheim.

Die Schule wird auf dem Rathaus gehalten.

Hochstetten, vor 1742 ein Filial von Linkenheim, bemüht sich, wieder einen eigenen Pfarrer zu erhalten.

Am Turm der Kirche ist die Jahreszahl 1479; die alte Kirche zu „St. Bartholomei“ ist 1742 abgebrochen und von der Herrschaft von Grund aus neu aufgebaut worden. Von den zwei Glocken ist die größere im Gewichte von 3½ Zentner 1742 zu Speyer gegossen worden. Keine Orgel. Das älteste Taufbuch beginnt mit 1644; das neue mit 1734. Kein Pfarrhaus.

Im Jahre 1644 hatte Hochstetten einen eigenen Pfarrer, Namens Joh. Friedr. Buß; 1656 war da Joh. Ehinger, 1661 Matth. Geilhofer, 1671 Matth. Sutorius und Joh. Georg Lindwurm. 1675 wurde es von Geilhofer in Linkenheim mitversehen. 1677 war daselbst Immanuel Rösch. Von da an war es Filial.

Die Schule ist im Rathaus.

Liedolsheim ist „eines der besten Örter in diesem Revier“. Die Kirche ist schön gebaut, auch am Schulhaus nichts auszusetzen; dagegen ist das Pfarrhaus eines der allerschlechtesten. Der Pfarrer ist ein „alter, ehrlicher Mann“, der Herr (Philipp Becker) noch jung und ledig, führt sein Amt ohne Klagen; man wünscht, dass er sich bald verheiraten möchte, „welches zu tun er versprochen“.

Die Kirche wurde im Mai 1734 durch französische Marodöre in Brand und Asche gelegt, vom Markgrafen aber 1737 wieder neu und schöner aufgebaut. Von den zwei Glocken wiegt die eine 12, die andere 7 Zentner. Erstere ist 1734 [180] beim Brand „zerschmolzen“ und wurde in Speyer neu gegossen. Auf derselben stehen die Namen des Geh. Hofrats und Oberamtsverwesers Wieland und sämtlicher Ortsvorgesetzten. Die Orgel ist 1741 auf Kosten der Gemeinde vom Orgelmacher Schmahl in Heilbronn um 300 Gulden „erhandelt“ worden. Das alte Taufbuch ist 1734 verbrannt. Das neue geht also von diesem Jahre an. Das Pfarrhaus steht bei der Kirche. Die Reihe der Pfarrer kann nicht angegeben werden, weil die Kirchenbücher verbrannt sind. Doch weiß man, dass hier waren: Vögtlin 20, Kaißer 10, Figgen 10, Tillman ?? Jahre.

Der jetzige Pfarrer, Joh. Ernst Krafft, ist 1677 in Segringen, einem öttingischen Flecken, geboren, wo sein Vater Pfarrer war. Er studierte auf dem Gymnasium zu Heilbronn und Ulm, 1697 in Wittenberg, kehrte 1700 in sein „Patriam“ zurück und erhielt vom Grafen Albrecht Ernst von Öttingen ein „Expektanzdekret“, welches aber nicht „respektiert“ wurde, weshalb er sich ins Durlachische begab. Hier erhielt er 1705 die Pfarrei Ittersbach, 1716 Linkenheim und 1741 Liedolsheim.

Liedolsheim zählte 1742 140 Bürger; drei Judenhaushaltungen sind da.

Das Schulhaus steht in der Dettenheimer Straße.

In Eggenstein ist Kirche und Pfarrhaus in gutem Stand, das Schulhaus dagegen sehr schlecht, wie fast überall, „weilen die Gemeinen immer ihre Armut vorschützen und sonst auch nicht gern was zu dergleichen Gebäuden beitragen“. Die Schuljugend ist von dem Lehrer Christian Friedrich Daler wolunterrichtet, ausgenommen im Schreiben, woran es fast in der ganzen Diözese fehlt. Der Lehrer im Filial Schröck (später Leopoldshafen) ist ein gelernter Schneider.

Die Kirche, ehedem dem hl. Vitus geweiht, liegt mitten im Dorf. Sie wird im Bau von der Herrschaft unterhalten, während der massive alte Glockenturm mit Glocken und Uhren von der Gemeinde erhalten wird. Im Gang des Langhauses steht ein alter Grabstein mit den Worten: „Fr. Johannes Welther ex Gottsau, Plebanus hujus ecclesiae, cuius anima requiescat in pace amen. Ao Dni 1538.“ Unter den kostbaren Kirchenparamenten werden genannt:

Ein „Cofen-farbene damastene Kleydung auf Canzel, Altar und Taufstein mit Gold gesticktem Corporale ao 1710 von Sma (Serenissima) Aug. Mar. (Markgräfin Augusta Maria) gestiftet“. [181] Ein blaues Altartuch, von Zollschreiber Seiz 1709 gestiftet, ein „bleumourant-blau-tuchene“ Altarbekleidung von 1725.

Unter den Vasa sacra nennen wir die silberne, inwendig vergoldete Hostienkapsel, 1709 vom Oberbeckenmeister Funck gestiftet. Taufbuch seit 1702.

Die Reihe der Pfarrer ist folgende: Andreas Kastner ??, Johann Vicinus 1562, Andreas Haffner 1567, Jakob Streim 1576, Jos. Weiß 1579, Ambrosius Hezler 1590, Joh. Scherer (Tonsor) 1596, Barthol. Schmuck 1610, Wilhelm Allgeier 1613, Joh. Wilh. Wild 1632, Christoph Braun 1633, Joh. Wilh. Wild 1638, Joh. Gg. Frey 1649, Joh. Gg. Panzkoffer 1666, Jos. Ulrich Herrmann 1667, Valentin Klose 1669, Wendelin Schüz 1673, Joh. Bernhard Vetterlin 1721, Andr. Laurentius Majer 1742. Dieser ist der Sohn des Kaufmanns und Baumeisters Majer in Pforzheim. Geb. 1709, besuchte er die Gymnasien in Pforzheim und Karlsruhe, die Universität Jena, wurde 1733 Pfarrer in Mühlburg, 1734 in Langenalb, 1742 in Eggenstein.

Eggenstein zählt 81 Haushaltungen, das Filial Spröck 27 nebst einigen Zollbedienten.

Rußheim gilt wegen seiner sumpfigen Lage für sehr ungesund, weshalb kein Pfarrer lange daselbst bleibt.

Die Kirche liegt ein ziemlich Stück Wegs vom Dorf ab gegen den Rhein zu. Von den zwei Glocken hat die ältere, 24 Zentner schwere, die „ziemlich unleserliche“ Umschrift:

„Sant Michels Glock heiß ich
In unser Frauen Ehr luth ich
Hanß von Bruchsal zu Speyer goß mich 1521.“

Die andere 4 Zentner schwere Glocke hat die Umschrift:

„Aus dem Feuer floß ich
Lorenz Neubaur goß mich in Durlach 1664“;

darunter steht:

„Wendel Schüz, Schultheiß zu Rusa“ (Rußheim).

Das älteste Taufbuch fängt mit dem Jahre 1692 an, „und lieset man darin, daß ao 1707 ein Moscowitischer Capitain Joh. Jac. Bust von einem erstochen worden“.

Das frühere Pfarrhaus ist 1689 von den Franzosen aus Philippsburg verbrannt worden. Die Pfarrer sind: Paul Friedr. Vögtlin, welcher noch Rußheim als Filial von Liedolsheim versah, 1692, Ant. Gottl. Deselius 1696, Joh. Jos. Zandt 1697, [182] M. Joh. Negelin v. Stuttgart 1698, Paul Gruner Variscus 1700, G. Conrad Schreiner Suevus 1703, M. Joh. Negelin 1709, Joh. Caspar Dieffenbach Palat. 1711, Joh. Friedr. Kaufmann Durl. 1717, Joh. Mart. Nüßler Suevus 1718, Joh. Friedr. Roller Durl. 1722, Matth. Lembcke 1727, Martin Friedr. Hoyer von Altona 1733.

Der jetzige Pfarrer ist Jak. Gottlieb Eisenlohr, Sohn des Pfarrers Theophil Eisenlohr in Sexau, studierte bei seinem Vater und in Jena, wurde 1739 Vikar in Durlach, 1741 Pfarrer in Rußheim.

Rußheim zählte 1742 70 Haushaltungen.

Unter der Rubrik „Memorabilia“ lesen wir:

„Hieher mag der Grabstein gerechnet werden, welcher im Chor der Kirche gleich über dem Pfarrstuhl steht zum Gedächtnus des Herrn Hector Ferdinand à Confeil et Veinfelden ex Sempronio oder Oedenburg in Ungarn gebürtig, welcher, nachdem er fast ganz Europam durchreiset, endlich in militar-Diensten als Capitän unter dem Starenbergischen Regiment 1708 in Speyer gestorben und hierher begraben worden.“

In Neureut klagt der Pfarrer Johann Georg Ziegler, dass er und seine Frau, welche beide im Oberland nicht weit von der Schweiz gebürtig, von einer „Gattung des Heimweh’s geplagt“ seien. Auch beschwert er sich, dass solange Soldaten im Dorf gelegen wären, der Sonntag mit Tanzen und Spielen oft sehr entheiligt worden sei, es aber nun so ziemlich gehe; nur laufen so viele Einwohner an den Kirchtagen nach Karlsruhe und treiben dort mit den Juden Handel, oder sie gehen dem Fischen nach.

Mit den lutherisch-evangelischen Einwohnern in Welschneureut ist er auch nicht recht zufrieden. Er wohnt im Rathaus, wo auch in der untern Stube ein Bürger und Weber, namens Abraham Lay, die Jugend im Lesen und Schreiben unterrichtet.

Die Kirche wurde vor einigen Jahren (wahrscheinlich 1734) durch „feind- und freundliche“ Soldaten ruiniert, weshalb die Einwohner eine Zeitlang nach Eggenstein in die Kirche mussten; sie ist jetzt wieder hergestellt. Die Glocken stammen aus den Jahren 1714 und 1729. Zur Orgel, welche 1741 angeschafft wurde, hat die Markgräfin Witwe 10 Gulden geschenkt. Diese hat auch ein schönes Taufzeug gestiftet.

[183] Auf dem silbernen Speisekelch steht eine Inschrift, wonach derselbe von Agata Murtelstein von Langenargen am 1. Juni 1614 gestiftet wurde.

Vor 1721 war Neureut ein Filial von Eggenstein oder Mühlburg.

In Knielingen finden wir 1742 die Vorsteher der Gemeinde, Pfarrer und Lehrer in größter Harmonie. Alle sind miteinander zufrieden; nur der Lehrer Philipp Jakob Vögele klagt, „daß an keinem Ort die Eltern ihre Kinder unfleißiger in die Schule schicken“. Doch zeigte die Visitation, dass „nicht leicht an einem Orte die Jugend so gut wie in Knielingen unterrichtet sei“, weshalb dem Lehrer alles Lob gebühre und er würdig sei, „daß er einer großen Stadtschule vorgesetzt werde“.

In der Kirche steht gleich beim Eingang ein Grabstein, worauf zu lesen: „Ao Doi (anno domini) 1601 ist die Edle und tugendsame Frau Ursula Horneckin von Hornberg, geb. von Horneckhung (??) selig in Christo entschlafen, deren Seelen Gott Gnad.“ In der Mitte des Grabsteins steht folgender Spruch:

„Find’ ich о Herr dein Göttlich Gnad
Zu meinem Leben … rat,
Daß ich bey meinem Junkher bleib
Noch länger als ein ehlich Weib,
So dir’s Herr aber nicht gefelt,
Hab ich dir’s herzlich heimgestelt.
Nun lebt mein Seel ewig in Gott,
Der mich erlöst vom ewigen Tod.“

Zwischen dem Altar und der Sakristei ist ein Stein, worauf steht: „Hier liegt begraben M. Michael Dieterlin von Tübingen, 72 Jahr alt, 44 Jahr der Gemein Gottes zu Knielingen evangel. Prediger und Seelsorger, den 2. April 1625 selig im Herrn entschlafen.

Justitia praeco quia Dieterlina fuisti
Erudiens multos mores monstrando fidemque
Fulgebis stellae phoebeae lampadis instar
Justitia portans pulchram sine fino coronam.“

Im Umkreis steht:

„Ecce sub hoc tumulo pietas jacet ipsa probata
Haec est, qui Michael dicitur ille Dieterlin
Ergo sancte senex pastor dignissime coelo
Aeternum salve terque quaterque vale.“

[184] Im Turm hängen zwei Glocken, wovon die größte 11 Zentner, die kleinste 1 Zentner wiegt; letztere soll sehr silberreich sein, ist aber zersprungen.

Eine schöne Altarbekleidung ist von der Markgräfin Augusta Maria gestiftet.

Das älteste Taufbuch ist vor 1707 verbrannt, dagegen ein neues von 1655 an angelegt worden.

Von den Pfarrern sind genannt:

Joh. Michael Dieterlin von Tübingen 1581–1625, Michael Frey, der lange hier war und nach Eggenstein berufen wurde, „Speißius“, welcher zu K. starb, Christian Schaffer, ein Sachse, war 30 Jahre Pfarrer hier, Martin Halbusch von Durlach, etwa 16 Jahre hier, starb 1707 als Stadtprediger in Durlach, Samson Kercher von Stuttgart, starb 1695, Georg Christian Böltzner von Durlach, starb 1706 morbo hydropico. Er hatte als Vikar den Ernst Friedrich Wider von Weißenburg, welcher später Pfarrer in Graben wurde. Auch Pfarrer Joh. Jak. Wechseler (1706–1719) war von Weißenburg gebürtig. 1719–1722 amtierte Samuel Preu, ebenfalls von Weißenburg. 1722–1727 Joh. Christoph Crone, ein Sachse. 1727–1736 Joh. Frd. Roller von Durlach, später in Spöck. Der jetzige Pfarrer ist Johann Zacharias Deubler, in der freien Reichsstadt Weißenburg geboren, wo sein Vater Bürgermeister und seines Handwerks ein Tuchscherer war. Er war 1728 Präzeptor in Königsbach, 1730 als solcher in Pforzheim am Waisenhaus, 1731 Pfarrer in Neureuth, „wo er zugleich die Schuljugend informierte“. Verheiratet mit Dorothea Margareta, Tochter des Stadtschreibers zu Crailsheim.

Von Hagsfeld mit seinem Filial Rintheim, wo Pfarrer Johannes Ludin von Lörrach amtiert, ist nichts Bemerkenswertes in dem 1743er Protokolle enthalten. Der Lehrer daselbst, Andreas Österlin, ein Bauersmann, beschwort sich, dass der von alten Zeiten her eingeführte „Chor-Thaler“ ihm von der fürstlichen Rentkammer strittig gemacht werde.

In Liedolsheim beschwert sich der Pfarrer, dass auch an hohen Festtagen der Nachmittag mit Kegelspiel zugebracht werde.

Die Kirche zu Linkenheim hat eine Reparatur nötig, da die Latten oben im Chor faul seien und das Dach einzufallen drohe. Auch mangelt es den Filialisten (den Hochstettenern) an Platz auf der Emporbühne.

[185] In Berghausen finden wir als Pfarrer Joh. Wilh. Gnefelius von Zweibrücken, als Lehrer den Sohn des Schultheißen Lamprecht, in Söllingen als solche Chr. Friedr. Holzhauer und Joh. Wilh. Werner.

Pfarrer Andr. Schaber in Grötzingen beschwert sich darüber, dass in der Nähe des Pfarrhauses die Jugend beiderlei Geschlechts miteinander bade und deshalb Ärgernis gebe.

In Graben hat es 1743 wieder Differenzen zwischen Schultheiß und Pfarrer gegeben; letzterer klagt, dass der Schultheiß gegen die fürstliche Verordnung eine katholische Wittfrau in die Gemeinde aufgenommen habe, dass er an einem monatlichen Buß- und Bettag durch seinen Sohn habe Heu lassen führen, und dass er am Dreifaltigkeitsfeste auf dem Rathause die Gemeindsrechnung verlesen habe, wobei Zank entstanden sei. Schultheiß Christoph Kemp gibt dagegen folgendes zu Protokoll: „Am letzten Ostertage sei des Pfarrers Bruder, der Kanzlist, bei dem Pfarrer gewesen, wie auch ein katholischer Soldat von Philippsburg. Da jedermann gemeint, es werde nachmittags von dem Pfarrer der Gottesdienst gehalten werden, so habe man aus dem Pfarrhaus nur allein den Schulmeister – er heißt Konr. Gottl. Keplinger – und zwar zu jedermanns Verwunderung mit starkgepudertem Haar zur Kirche gehen sehen, darinnen er dann ein Kapitel vor dem Altar, aber so verlesen, dass jedermann wohl merken konnte, wie ihm mit Wein allzuviel zugesprochen worden sei.“ Der Hirschwirt Jakob Holtz in Graben hat einen Weinkaufsprozess mit dem Kanzlisten, dem Bruder des Pfarrers.

Zu Rüppurr gehört 1743 als Filial Wolfartsweier; Pfarrer ist der 60jährige Joh. Jak. Huber von Zürich.

In Eggenstein wurden der Fleiß und die Leistungen des Lehrers Chr. Frd. Daler gerühmt; „doch sei das Schulhaus sehr elend, als welches ehedem ein herrschaftlicher Hundestall gewesen“.

Dagegen sind die Vorgesetzten von Schröck (Leopoldshafen) mit ihrem Lehrer Conrad Bermindinger gar nicht zufrieden; er überlasse die Schule ganz seiner ältesten Tochter. Zu entschuldigen sei das, weil er „gar keine Besoldung habe“.

In Blankenloch wird zu Protokoll gegeben: „Etliche unter der Gemeine hängen noch dem alten Aberglauben nach, indem sie am Charfreitag in ihrem Stalle grünes Gesträuch, [186] Laub und dergleichen aufmachen und in der Meinung stünden, als ob das Vieh dadurch von Hexerei frei bleiben werde. Christoph Milich lege sich auf das Segen sprechen beim kranken Vieh, vorgebend, es sei ja Gottes Wort, das er dabei brauche und also nichts böses tue.“

Das Pfarrhaus ist ein altes, elendes Gebäu, welches von Grund aus sollte neu aufgerichtet werden.

Gegen den Lehrer Mart. Lorenz Feidler, einen „verständigen, fleißigen und geschickten Mann“, hat niemand zu klagen außer Joachim Nagel, „welcher sagt, er richte die Uhr allzuschlecht“.

In Spöck und Staffort werden einige Klagen „in puncto puncti“ und anderm erhoben.

Aus den Jahren 1744–1746 fehlen die Protokolle. Ein sehr ausführliches über die 1744er Visitation in Rhodt, welches damals zu Baden gehörte, enthält sehr bemerkenswerte lokal- und kulturgeschichtliche Aufzeichnungen, kann aber hier, als außerhalb dem Rahmen unserer Arbeit liegend, nicht angezogen werden.

Wir schließen unsere Mitteilungen mit einigen Aufzeichnungen aus den Protokollen der Jahre 1747–1751.

Unter den Kirchengeräten zu Berghausen sind besonders zwei zinnerne Kannen erwähnt, welche der Hauptmann Haes gestiftet habe. In der Kirche befindet sich ein Kruzifix, mit dem Postament eine Elle hoch, aus einem nicht bekannten Metall verfertigt und mit vielen Kristallsteinen geziert; es habe solches der vor 40 Jahren von Bibrach gekommene Herr … in die Kirche gestiftet. Von den vier Glocken könne die kleinste, vom Schultheiß Becker gestiftete nicht mit den andern geläutet werden, weil sie mit ihnen nicht harmoniere.

Auf die Frage, ob die Sonn- und Feiertage in befohlener Stille gefeiert werden, und an denselben alles Spielen und Tanzen unterbleibe, sagt das Protokoll: „In dem Stück sei es hier sehr ordentlich. Es verlange an solchen Tagen niemand einen Tanz zu tun. So aber etwa in einem verschlossenen Hof ein Kegelspiel nach geendigtem Gottesdienst getan werde, so möge er (der Pfarrer) nicht darwider eifern.“

Die Schulvisitation fiel recht gut aus, trotzdem der Lehrer ein großes Bauerngut habe, „welches ihn öfters hindere, der Schule abzuwarten“. Derselbe weigert sich, den Klingelbeutel unter der Predigt herumzutragen, da dieses Sache des Almosenpflegers sei.

[187] In Blankenloch finden wir 1751 endlich ein schönes, neues Pfarrhaus auf der Stelle des alten erbaut. Wegen des hier herrschenden Aberglaubens bz. der Heilung des Viehes wird immer noch Klage geführt: „dergleichen Liederlichkeiten würden heimlich praktiziert.“

Die Stadt Karlsruhe selbst wird nicht in den Bereich dieser Visitationen gezogen; sie erhielt gesonderte Kirchen- und Schulvisitationen; nur 1747 wurde davon eine Ausnahme gemacht. Über die Kirche daselbst sagt das Protokoll: „Das Kirchgebäude ist im Jahre 1722 aus Kollektengeldern aufgeführt, bald hernach mit wol harmonierenden Glocken, auch mit einer schönen Orgel von der Gemeinde und von der gnädigen Herrschaft aber mit recht zierlichen Bekleidung und kostbaren Vasis sacris versehen worden. So bedächtlich aber dieses in starken Steinmauern stehende Gebäude angegeben worden, so äußerten sich doch nach und nach bei angewachsener Gemeinde mancherlei Fehler, welche man vorher ohnmöglich einsehen könne. Die Mannessitze auf den Emporgestellen sind gar unbequem. Die Weibsleute haben nicht Platz genug, und wenn neu ankommende sich melden, weiß man ihnen keinen Sitz anzuweisen. Die Schuljugend kann dem Prediger nicht ins Gesicht sehen, ist auch weit von der Orgel entfernt, kann demnach der Choralgesang nicht, wie es sein sollte, geführt werden. Die Kanzel ist so gesetzet, daß dem Prediger die Zuhörer auf dem Rücken und zu beiden Seiten so nahe stehen, dass, wenn sie ihm mit ausgestreckten Armen nicht gar erreichen, doch die mehrsten derselben ihm, wenn er redet, in den Mund hinein sehen können. So ist auch um den Altar fast kein Raum, wo nur die Gevatterleute bei der Taufe, noch viel weniger aber in denen Kinderlehren, die dahin eigentlich gehörige stehen mögen.“

In Eggenstein sieht es 1747 schlimm mit den Gemeindegebäuden aus; wo der Lehrer wohnen muss, „sieht es elend aus“. Die Schule hält er im Rathaus, „und zwar in der untern Stube“, „wo die Nachtwächter auch ihren Aufenthalt nehmen“. Schultheiß ist Georg Jakob Schmidt, Anwalt Joh. Florian Neck.

Nach 1751 ist es hier im Bauwesen nicht anders geworden.

In Graben wird 1748 auf die Frage, ob noch ein anderes Dorf dazu gehöre, zur Antwort gegeben:

[188] „Eine Viertel Stunde von hier sei ein Ort, Neudorff genannt, welches jetzo vor 200 Jahren nach Anzeig des hiesigen Lagerbuchs ganz hierher verpfarrt gewesen sei; nachdem aber einmal gnädige Herrschaft außer Landes gegangen sei, habe der Bischof von Speyer eine Kapelle dahin gebaut und die Gemeinde an den Weihpriester in Wiesental angewiesen.“

Im Jahre 1751 finden wir nach dem Protokoll in der Gemeinde Graben „alles ruhig, was nächst Gott der genauen Obsicht des verständigen Schultheißen – er hieß Christoph Kemp – zugeschrieben werden mag“.

In Hagsfeld würden die Kinder von Hagsfeld und Rintheim im Rathause unterrichtet; die Rintheimer bitten um einen eigenen Lehrer, da es im Winter für ihre Kinder beschwerlich sei, nach Hagsfeld zur Schule zu gehen. Die Einwohner von Hagsfeld seien sehr willig und bauen aus freiem Willen dem Pfarrer einige Stücklein Felds. Auf die Frage, wie die Leute den Sonntag zubringen, erfolgte die Antwort: „An solchen Tagen gingen die von Hagsfeld und Rintheim nach Karlsruhe, und der Pfarrer wisse nicht, wie sie da ihre Zeit zubringen.“ Mit dem Schultheißen Johann Erb in Hagsfeld ist man wol zufrieden; dagegen sei der Rintheimer – er hieß Adam Raupp – ein reicher Mann und zeige sich etwas hochmütig.

In Knielingen gibt 1747 auf die Frage wegen der Sonntagsheiligung zu Protokoll: „Die Soldaten, die hier liegen, lassen sich nicht wehren. Neulichen Maientag sei von ihnen im Adler die ganze Nacht hindurch getanzt worden.“

In Linkenheim wird 1747 gerügt, dass der Löwenwirt am 2. und 3. Christfeiertage habe die Dragoner tanzen lassen.

Hier finden wir 1748 nur eine kleine Glocke, welche nicht von allen Leuten im Dorfe gehört werden kann; es sei nicht ratsam, eine größere anzuschaffen, „weil dieser Ort denen Kriegstroublen sehr unterworfen sei“.

In Mühlburg sind 1747 auch drei „ganze“ und sechs „vermischte“ reformierte Familien, über welche der evangelische Pfarrer Ungerer zu Protokoll gibt: „Wenn der reformierte Pfarrer hier ein Kind zu taufen hat, so läßt er solches aus des Eltern Haus in des reformierten Apothekers Wohnung tragen, wohin die übrigen Reformierten in Prozession auch, gleich als zur Kirche, gehen; dieses komme ihm etwas besonders und verdächtig vor.“ Die 19 katholischen Haushaltungen [189] daselbst „hielten sich viel bescheidener und den Kirchenordnungen gemäßer als die reformierten“. Das bezeugen auch Bürgermeister Joh. Jak. Kummer, Gerichtsmann Jos. Phil. Schneider und Gemeindsmann Joh. Jak. Bernhard Specht.

1748 kam hierher als Pfarrer Ernst Japhet Sachs, Sohn des Rechnungsrats Eberhard Heinrich Sachs in Karlsruhe.

Bezüglich der Sonntagsheiligung sagt das Protokoll von 1749, „die meisten Unordnungen kämen her von denen aus Karlsruhe und von denen Zünften, die sich an keine Ordnung bezüglich der Feiertage wollen binden lassen“. Über den Lehrer wird in diesem Protokolle sehr geklagt; „er überlasse die Schulkinder gar oft seiner Frau und gehe anders wohin, entweder zur Gartenarbeit oder zum unnötigen Trinken. Auch versehe er die Uhr nicht, wie es sein soll, sondern lasse dieselbe durch ein Mägdlein manchmal richten, dass man sich vor den Fremden schämen müsse“.

Nach Rußheim hat man im Jahre 1749 wegen des Hochwassers nicht gelangen können, weshalb in diesem Jahre keine Visitation war. Hier folgte 1751 auf Pfarrer Rheinberger der in Monock in Oberungarn geborene Pfarrer Johann Szuhani. 1748 wurde geklagt, „dass es zu Zeiten bei den Ehemännern wegen der hier liegenden Soldaten viel Argwohn gäbe“.

Im 1747er Protokoll finden wir folgende bemerkenswerte Notiz über die Kirche in Rüppurr: „Die Kirche ist sehr schlecht, und wäre eine Reparation umb so mehr zu wünschen, da diese Kirch an der Straß lieget, und von denen ungleicher Religion zugethanen auch ungleich, meistenteils aber zur Unehre unseres Glaubens beurteilt wird. So ist auch dieses Gebäude mancher in der Nacht vorbeyschwermenden böser Leuthe Muthwillen ausgesetzt, so daß man die Fenster sorgfältig mit Läden verwahren muß, und weilen das Dorf eine Viertelstunde davon liegt, keine Vasa sacra noch Bekleidung darin über Nacht zu lassen sich getraut.“

Dagegen ist hier 1746 ein schönes neues Schulhaus mit einem Türmlein darauf erbaut worden, worin die Betstunden gehalten werden, damit die Leute nicht so weit in ihre Kirche laufen müssen. Das Pfarrhaus ist ein altes Bauernhaus.

Im Jahre 1751 starb zu Rüppurr der Pfarrer Paulus Arnberger, welcher lange Jahre hindurch die beiden Pfarreien Rüppur und Wolfartsweier versehen hatte. An seine Stelle [190] trat der am 26. März 1726 in Karlsruhe geborene Friedrich Ernst Bürcklin, Sohn des Spezials Bürcklin. Derselbe hatte die Gymnasien in Pforzheim und Karlsruhe, dann die Universitäten Tübingen und Erlangen besucht; an letzterer waren Huth und Pfeiffer seine Lehrer. 1748 war er in Karlsruhe Stadt-Vikar geworden. „1750 ging er wieder hinaus und besuchte alle anderen in Deutschland befindlichen Akademien, sonderheit aber Göttingen, allwo er den Prof. Mosheim den Winter hindurch hörte.“ 1751 erhielt er dann die Pfarreien Wolfartsweier und Rüppurr. Bemerkenswert ist die Art und Weise, wie der Visitator – es war Phil. Jak. Bürcklin, also sein Vater – zu erfahren suchte, „wie der neue Pfarrer im Amt und Leben die 6 Monate über die beiden Gemeinden sich erwiesen“. „Ich ließ in die kleine Sakristei einen Mann nach dem andern eintreten und so an der Türe stehen, dass weder er mich, noch ich ihn im Gesicht sehen konnte, fragte ihn auch nicht nach seinem Namen, sondern verlangte nur zu wissen, was Jeder von des Pfarrers Amt und Leben etc. beobachtet habe und unparteiisch urteile. Nachdem ich 26 Mann abgehört, erkannte ich, dass auch nicht einer etwas klagbares vorzubringen wusste, vielmehr alle mit ihm zufrieden seien. Das bestätigten mir auch die Schultheißen beider Dörfer mit dem Beisatz, dass ich der Mühe dergleichen genauen Untersuchung wol mich hätte entübrigen können.“

Ferner erwähnt das Protokoll des „kleinen Handels der beiden Dörfer gegen einander“. Es handelte sich darum, ob der Pfarrer an Sonntagen zuerst in Rüppurr oder in Wolfartsweier Kirche halten solle. Die Rüppurrer beanspruchten das Vorrecht, weil auch die Evangelischen von Ettlingen zu ihnen kämen und sie „an den Unkösten 2 Dritteil zu tragen hätten“.

In Söllingen herrscht 1747 zwischen dem Schultheißen Christoph Ludwig Frommel und dem Pfarrer Chr. Frd. Holzhauer ein kleiner Zwist; ersterer „sei ein reicher Mann, der nach niemand etwas frage“. Von letzterem wünscht man, „dass er im äußerlichen habit auf der Straße im Dorf sich mehr Respekt machen möchte“. In einem spätern Protokoll wird dieser Schultheiß als ein großer Feind der Pfarrer hingestellt, wogegen sein Sohn und Nachfolger im Amte als das gerade Gegenteil seines Vaters geschildert wird. Wegen der Glocken hatte der Schultheiß eine Audienz beim Markgrafen gehabt, [191] „wobei dieser gemeldet hätte, da die Franzosen fast aus allen Gemeinden die Glocken weggenommen, so könne Er (der Markgraf) nicht allein, sondern es müßten auch die Gemeinden zur Wiederanschaffung derselben besorgt sein“.

In die Kirche daselbst hat die Markgräfin Augusta Maria verschiedene Sachen gestiftet. Auch ein Bürger Leonhard Gmelin habe solches getan.

Über Wolfartsweier sagt das 1747er Protokoll, dass dieser Ort früher einen eigenen Pfarrer gehabt habe; das beweise ein Grabstein bei dem Altar der Kirche, worauf zu lesen sei: „Anno 1593 den 6. Jannuarii ist in Gott selig entschlaffen der ehrwürdige Herr Leonhard Keiffel, acht und zwanzigjähriger Pfarrherr allhier zu Wolfartsweyher, dem Gott eine fröhliche Auferstehung wolle verleyhen. Amen. Ich bin die Auferstehung etc.“

Das früher hier gestandene Pfarrhaus wurde im dreißigjährigen Kriege abgebrannt, und es ist seither kein neues erbaut worden.

Auch ist kein Schulhaus da; die Gemeinde hat dem Lehrer seine Wohnung beim Viehhirten angewiesen. Der Schullehrer ist ein Fremder, seines Handwerks ein Strumpfweber, „ein sehr armer, aber doch verständiger und zum Schulhalten geschickter Mann“.

Dass man um diese Zeit auch schon Statistik getrieben, beweist ein Anhang zum 1748er Protokoll, welches zusammenstellt, wo die besten, bzw. schlechtesten Kirchen-, bzw. Schulgebäude, die ordentlichsten Gemeinden, die tüchtigsten Pfarrer und Lehrer usw. seien. Auf die Frage, wo die frömmsten Pfarrer seien, gibt Kirchenrat Bürcklin am Schlusse seiner Statistik zur Antwort:

„Die sind im Himmel.“

Wir haben hier nur versucht, in kurzen Auszügen Stoffe ortsgeschichtlicher Natur zusammenzutragen. Vielleicht findet sich der eine oder andere geschichtsbeflissene Leser dadurch veranlast, über die Vergangenheit seiner engern Heimat näheres zu erkunden. Sollte das der Fall sein, so haben wir mit diesen Zeilen unsern Zweck erreicht. Vielleicht bietet sich einmal Gelegenheit, aus einem andern Zeitraume, einem früheren oder späteren als der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, ähnliche Mitteilungen zur Kenntnis unserer Leser zu bringen.


  1. In die Karlsruher Diözese gehörte auch die Herrschaft Rhodt mit Ellenried auf der linken Rheinseite.
  2. Weingarten war kurpfälzisch; die Gemarkung erstreckte sich bis Staffort.