Opferfreudigkeit eines Kindes

Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Opferfreudigkeit eines Kindes
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 52, S. 887
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1870
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite

[887] Opferfreudigkeit eines Kindes. In unserm kleinen Landstädtchen, schreibt man uns, lebte eine Försterswittwe. Ihr Mann war lange todt und hatte ihr nichts als die Sorge für drei unerwachsene Söhne hinterlassen. Da galt es haushalten. Man lebte, wie eben Wittwen deutscher Beamten leben, spärlich, aber ehrlich. Es ging. Die beiden ältesten Söhne gingen von Haus, nur der dritte, das Nesthäkchen, besuchte unser Gymnasium. Da kam der Krieg, die Zeit der schweren Noth. Angstruf und Nothschrei, Bitte um Hülfe für die Tausende armer verwundeter Brüder drang auch in unser Städtchen und die Sammellisten zu dem Werk der Barmherzigkeit gingen auch hier von Haus zu Haus. Sie kamen auch zu dem Hause der Wittwe. Sie hatte ihr Scherflein gegeben; der Sammler wollte gehen. Da greift der kleine Tertianer noch einmal zur Feder und zeichnet still – drei Thaler und zählt sie richtig dem erstaunten Manne in die Hand. Es war mehr, als viele vermögende Beamten, viel mehr, als der philiströse Geiz so manches reichen Bürgers gegeben. Wo kam das Geld her? Der Kleine hatte schon jahrelang sich sehnlichst eine Uhr gewünscht und jedesmal, wenn er von der Mama oder den älteren Brüdern einen Pfennig, einen Groschen bekommen, hatte er ihn sorgsam bewahrt und wenn es ein Groschen, wenn es fünf Groschen wurden, dann hatte er für das kleine Geld ein größeres Stück eingewechselt, und sich gefreut über das Wachsen des kleinen Schatzes, gejubelt über den ersten vollen Thaler – nun waren es schon drei geworden und jetzt, jetzt gab er sie hin, die Freude der langen, langen Zeit, die Hoffnung der Zukunft, die er sich mit einer Uhr in seiner Tasche so rosig gedacht hatte, er verzichtete auf sie für die verwundeten Krieger. Was in der Kindesseele Alles vorgegangen sein mag, bis der Knabe dies Opfer, größer für ihn, als für Andere Tausende, auf den Altar des Vaterlandes niederlegte, weiß ich nicht; gleich mir haben sich aber auch schon Andere dieser herzigen That gefreut, und wenn das Christkindchen dem Kleinen nun doch die erwünschte Uhr bescheert, dann ist das Entzücken, womit der Knabe zum ersten Mal eine Uhr in seiner Tasche picken hört, nur der verdiente Lohn, das eiserne Kreuz für seine schöne Opferfreudigkeit.