Liebe und Gegenliebe (Zerstreute Blätter)

Textdaten
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Autor: Johann Gottfried Herder
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Titel: Liebe und Gegenliebe
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aus: Zerstreute Blätter (Dritte Sammlung) S. 38-40
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Erscheinungsdatum: 1787
Verlag: Carl Wilhelm Ettinger
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Erscheinungsort: Gotha
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Quelle: ULB Düsseldorf und Commons
Kurzbeschreibung:
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Zerstreute Blaetter Band III 038.jpg
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[38]

   
          Liebe und Gegenliebe.


     Als einst die Mutter der Anmuth
Den Knaben Amor gebar,
Bekränzt’ er, ein einziges Söhnchen,
Mit Rosen sein lockiges Haar.

5
     Er schuf nur Quaalen den Herzen;

Die zarte, süßere Pflicht,
Mit Liebe Liebe zu lohnen,
Die kannte der Flüchtige nicht.

     Und manche beleidigte Göttinn

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Und mancher beleidigte Gott,

Sie zürnten alle dem Knaben
Und schuffen ihm Flügel zum Spott.

[39]

     Bis einst die himmlische Liebe
Ein schöneres Mittel ersann;

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Sie ward zur Welle des Meeres

Und blickte den Lieblichen an.

     Er sieht im Meere sein Bildniß,
Und wird von Liebe beseelt;
Und fühlt nun selber die Schmerzen,

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Mit denen er andre gequält.


     Umfangen will er das Wahnbild,
Ihm in der Welle so nah;
Und sieh! sein schönerer Bruder
Steht vor dem Liebenden da.

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     „Wer bist du?“ spricht er verwirret.

„Du selbst, dein Bruder bin ich.
Laß uns versuchen im Kampfe;
Vielleicht besiegest du mich.“ –

[40]

     Und seitdem ringen die Beide,

30
Der Liebe mächtigen Streit;

Wo Einer Herzen verwundet,
Ist nie der Andere weit.

     Wo reine himmlische Liebe
Hinschaut mit schaffendem Blick;

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Da kommt vom Bilde des Anschauns

Ihr Gegenliebe zurück.