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Land und Leute/Nr. 52. Die Zuydersee und ihre Anwohner

Textdaten
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Autor: Julius von Altenau
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Titel: Die Zuydersee und ihre Anwohner
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 49, S. 814–818
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1882
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Reisebericht aus der Artikelserie Land und Leute, Nr. 52
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Land und Leute.
Nr. 52. Dir Zuyderfer und ihre Anwohner.
Von Julius von Altenau.

Zu den merkwürdigsten Flecken europäischer Erde gehört unstreitig das Königreich der Niederlande. Einem alten Sprüchworte zufolge sind bekanntlich diejenigen Franen die besten, von denen §m wenigsten gesprochen wird. Ist der Satz richtig und darf man, was er von den Frauen behanptet, auch anf die Länder anwenden, so wäre das Gebiet zwischen Nymwegen und Rotterdam, zwischen Groettiilgen nud Breda ohne Zweifel den vortrefflichsten Ländern der Welt beizuzählen: denn gesprochen wird von den Niederlanden und ihren Bewohnern schon seit Langem selten genug, und noch seltener verirrt sich der Fuß des Reisenden in diese so nahen und doch von den großen Heerstraßen des europäischen Verkehrs so weit abseits gelegenen Gegenden. Dennoch bietet auch dieses kleine Stück unseres Erdtheils, wie in geschichtlicher und kultureller, so namentlich auch in geographischer und ethnographischer Beziehung des Bcmerkcnswerthen und Interessanten eine so reiche Fülle, daß eine kurze Beschäftigung mit ihm wohl kanm zu den unfruchtbaren Aufgaben gerechnet werden darf.

Was hier von den Niederlanden im Allgemeinen gesagt wurde, ^ das gilt in verstärktem Maße von den flachen, unwirthlichen und melancholischen Gestaden, welche die Zuydersee umrahmen’, jene tiefe, beinahe herzförmige Einbuchtung der Nordsee, welche das Königreich Holland sozusagen in zwei, an Größe sehr ungleiche i! Hälften trennt, die nur durch deu schmalen Streifen der südlichen Provinzen mit einander in Verbindung stehen. Die hente einen Flächenranm von etwa sechszig Qnadratmeilen bedeckende Znyder-’ see liegt demnach zwischen den Provinzen Nordholland, Utrecht, ^ Gelderland, Lveryssel und Friesland und wird vou der Nordsee durch eine bogenförmige Jnselrcihe, die sogenannten friesischen Inseln, geschieden, welche auf deu ersten Blick sich als die ursprüngliche Küste des Landes darstellt und somit die Zuydersee eigentlich nur als einen großen Binnensee erscheinen läßt.

In der That gab es eine,^eit, da die geographische Formation des nördlichen Theiles der Niederlande ein von der gegenwärtigen sehr verschiedenes Bild darbot. Wo hente die Zuydersee ihre trüben und von riesigen Sandbänken durchzogenen Fluchen wälzt, da praugteu einst lachende und fruchtbare Fluren, da standen blühende Dörfer, da erhöben sich reiche und mächtige Städte, deren Ruhm weit hinaus drang in die Lande. Wer hätte nicht von der alten Hansastadt Stavorcn gehört und von der stolzen Frau, deren frevel haster Uebermuth der Sage zufolge den Zorn Gottes anf die ganze Stadt herabbeschwor?

„Im Südersec Stavorcn, wer hat die Stadt geschaut?

Mit Thürmen und mit Thoren gar stolz ist sie gebaut: Paläste siehst Du ragen noch heut’ so hoch als eh’.

Doch Alles hat beschlagen die uncrincßliche See.“

Hente ist Stavorcn nichts als ein verfallenes Nest von wenigen hundert Seelen, in dessen Straßen das Gras wächst, aber wenn das Bewußtsein, Unglücksgenossen zu haben, irgend rvelchen Trost zu verleihen vermag, so steht solcher den ärmlichen Einwohnern Stavorens in besonders hohem Maße zu Gebote, denn Enkhuizen, Medemblik, Hindeloopen und viele andere einst blühende Gemein Wesen theilten Stavorens Geschick und sind, wie dieses, heute kaum noch ein trostloser Schatten ehemaliger Größe! Ihre Häfen sind versandet: die Zeiten des Glanzes, der Macht und des Reichthums sind unwiederbringlich vorüber, und die lethargische Rnhe, welche seit Jahrhunderten das eigenthümliche Merkmal jener öden User und ihrer Anwohner bilvet, ist die unheimliche Ruhe eines einzigen großen Kirchhofs.

Was der Zuydersee ein ganz eigenthümliches Interesse verleiht, ist der Umstand, daß sie sozusagen ein historisches Meer ist^ ihr Entstehen fällt durchweg in den Bereich der menschlichen Geschichte. Aus positiven Quellen wissen wir, daß, wie berrin [815] 

bemerkt, die niederländischen Küsten eiust eine ganz andere Vil- dtmg als heute aufzuweiseu hatteu, und wir vermögen das Ettt- ftehenmnd die ackmähliche Formation dieses Meerbuseus fast Schritt vor Schritt zu verfolgen, wennschon manche Einzelheiten noch immer in Duukel gebückt oder streitig fiud. Da jedoch die Ge- schichte der Znhderfee mit jener des Riederrheins unzertrennlich verschlttugen ist, so werden wir des befsereu Verständnisses halber auch die letztere mit der nachfolgenden Darstellung verbinden müssen.

Im Alterthnme, zu. Zeit der Römer, bestand die „Znydersee“ noch nicht in ihrem gegenwärtigen Umfange. Der Rame deutet jedeufacks auf friesischen Ursprung, da das Attabnt „südlich“ nur vom Staudpuukte Faeslauds aus zutrifft e der mittelalterliche Rame ist ^w.tn.r^ .^.wo.^ri^ ader ^^.bnm.a^. Wohl aber war schou zur Römerzeit ein See, „Flevv“ genannt , vvrhaudeu, und in Wickibald's „Leveu des heiligen Vouifaeius“ wird erzählt, daß Letzterer über ein fackfteheudes Waffer (....^tu^num .^lm^ri^) gezogen sei. Hieraus darf gefolgert werden , daß die Zuydersee zu.sener Zeit, das heißt im achten Jahrhuudert uach Christus, noch keiueu Meerbuseu mit Ebbe und Fluch tdarsteckte und daß damals der Dnrchbrttch der Rordsee zwischeu Stavoren und Eukhuizeu ebenfacks noch nicht stattgefunden hatte, wennschon eine Verbindung mit der Rordsee durch eine schmale Meerenge bestanden haben mag. Ebettfo war damals Frieslaud von der hentigen Provinz Rord- hockand noch nicht getrennt, fondern erst im dreizehnten Jahr- hnndert erhielt die Zuyderfee im Wefeutlichen ihre jetzige Gestalt, wobei es sich natürlich von selbst versteht, daß schon frühere Er- eignifse und Durchbrüche ihre bestnitive Vildung vorbereiten halfen. Im Jahre l.^ , am St. Stephanstage l^lz. Deeember), überströmte eine gewaltige Wassersluth ganz Frtesland, sodaß sie beinahe die Höhe der Dünen erreichte, und wahrscheinlich hat damals schon ein theilweiser Durchbruch der Rordsee stattgesunden e eine zweite große Ueberstuthung aber trat im Jahre ll'tl) ein, in Folge deren die Meereswecken sogar bis nach Utrecht vvr- drangen, wo man bei dieser Gelegenheit Seestsche nnmittelbar vor den Smdtmaueru stug.

Weitere Ueberschwemmungen werden sodann aus den Jahreu

lt^ , l^lB , .l^ , l.^ und gemeldet, obwohl die ge-

dachten Jahreszahlen , der sich häustg widersprechenden Angaben wegen , aus chrouvlogische Geuauigkeit keinen Ansprnch macheu können. Ob souach, wie Manche behanpten, die Zuydersee schou im nennten Jahrhuudert, und zwar in Folge der oben erwähnten Uebersluthung von ...^l), im Wesentlichen ihre gegenwärtige Ans- dehnung erhalten, oder ob ackmählich jede nene Sturmsluth immer mehr Laub von dem uördlich von Eukhuizeu-Stavoreu gelegeuen Gebiete sortgespült habe, bis endlich im dreizehnten Jahrhundert auch noch das letzte Stück Land zwischen Stavoren und Enkhuizen hinweggerissen und so die Rordsee mit dem Flevosee zu. Znhderfee vereinigt wurde , ist heute mit Sicherheit nicht mehr festzustellen Rimmt man jedoch Letzteres an , so wäre den vorhandenen fpär- lichen Urkuudeu zttfolge das Jahr .l^t^ acker Wahrscheinlichkeit nach als der eigentlich eutscheideude Zeitpunkt und sozusagen als das Geburtsjahr der Zuyderfee zu betrachten, die fonach gerade heuer das sechste Jahrhuudert ihrer Existenz zurückgelegt hätte.

Dieselbe Ungewißheit wie hinsichtlich der Znhderfee herrscht auch bezüglich der näheren Bestimmung der Richtung, wetche früher der Rhein in seinem Laufe durch die Riederlande genommen hat. Unbestreitbar ist die Dhatfache , daß in jenen Zeiten der Riederrhein einen von feinem gegenwärtigen verschiedenen Lauf gehabt und wenigstens mit einem bedeutenden Arme seine nörd- liche Richtung veibehalteu hate ackein die Angaben über die Mündung dieses Armes in die Rordfee find außerordeutlich ver-

worren und widersprechend.

Während nach der Darsteckung des Römers Plinitts die hentigen Riederlande ein Delta bildeten, welches er eine Rhein- ittsel nennt, die von zwei in nördlicher und westlicher Richtung strömenden Armen des Flusses gebildet wurde, läßt der fpanische Geograph Pomponius Mela, ein Zeitgenosse des Kaisers Claudius, den Rhein durch den Flevosee in die Rordfee müudeu. Die letztere Annahme dürfte schon deshalb die meiste Wahrscheinlichkeit für sich haben, weil die ^sfel und die Vecht, welche beide in die Znhderfee münden, thatfächlich gar nichls Anderes find, als wahre Rheinarme mit veränderten Namen. So viel steht jedenfacks fest, daß der eigentliche Rhein längs Arnheim, Wageningen, Renen bis ^ nach Wyk-by Dnnrstede gelaufen ist, wo er sich mit dem Lek ver- ^

einigte, um von hier aus über Woerben, Vodegraven und Atsen die Richtung nach Utrecht zu verfolgen. Ob der ^hein zwischen Alfen und Lehden ein festes Veite gehabt habe, ist mit Sicherheit nicht mehr zu.bestimmen. Vermutlich bildete er auf dieser Strecke verschiedene Eilande, während die Frage, ob er sich auch weiter bei Katwyk durch die Dünen einen Weg in die Rordsee gebahnt habe, wiederum sehr zweifelhaft, aus triftigen Gründen sedoch füglich zu ^ verneinen ist. Ueber den uns hier vorzugsweise interessirenden ^ uördlicheu Stromarm giebt übrigens der schon ermähnte Pomponius Mela ziemlich deutlicheu Aufschluß. „Richt weit von der See,“ sagt er, „ checkt sich der Strome aber das tinksseitige Vett behält den Ramen Rhein bei bis zu.seinem Ansslnß in's Meer. Znr

Rechten dagegen ist der Fluß zuerst eng und sich selten gleiche dann, seine Ufer gewaltig ausdehnend, ist er nicht wehr ein Strom, sondern ein großer See.“

Hiermit wäre alfo der Ftevosee deutlich genug gekennzeichnet und zu.leich gefagt, daß der Rhein mit ihm in Verbindung stehe.

„ Rachdem er die Felder bedeckt hat,“ fährt Mela fort, „wird er Flie genannt, und nachdem er ein Eitand dieses Ramens um- slossen, fäckt er, nunmehr wieder ein Strom geworden, in die See.“

Aus den angeführten beiden Stecken haben nun zwar Manche entnehmen wocken, daß schon zu.Drains' Zeiten die Znhderfee nicht ackein ein großer See, sondern sogar schon ein ostenes Meer gewesen sei , das vor seiner Eindeichung von Zeit zu Zeit seinen Vnsen vergrößert und durch das Abnagen der User seitte Grenzen mehr und mehr ansgedehnt habe. gleichwohl aber dürste aus senen Stecken mit Sicherheit nur so viel hervorgehen, daß damals ein starker Rheinarm nach Rorden gegangen und den Ftevosee durch- slosseu habee dieser nördtiche Arm aber wird, wie schon benterkt, heute durch die ^sset repräseutirt.

Daß auch die Gestaltuttg der saesischen und nordhockättdischen Küsten während der ersten Jahrhunderte nnferer Zeitrechmtng eine von der gegenwärtigen sehr abweichende gewesen sein muß, ergiebt sich aus vorstehender Darfteckung von felbft. Wir wissen, daß durch Stürme und Hochstutheu Dünen hinweggefegt und Infeltt verschlmtgen wnrden, daß sich von Zeit zu.Zeit Sandbänke vor dem Strande und in den Fahrwäffern anfetzten, von denen viele sich dauernd über Waffer erhielten und später eingedeicht wnrden, während andere wieder verschwanden oder an andere Paukte sich verschoben, wodurch sich felbstverstäudtich auch jedesmal das Fahr- wasfer und die Meeresftrömung an der Küste verändern mnßtene da sedoch vertäßtiche hiftorische Verichte über die nähere Art und Weise dieser Vorgänge fehlen und namentlich von den dantaligetr Strandbewohnern felbft aus nahelegenden Gründen keinerlei nr- kundtiche Anfzeichnungen vortiegen, so steht man sich auch in dieser Veziehung meistens auf bloße Mnthmaßungen beschränkt.

Schon die Frage, ob die hockändische Rordseeküfte bereits vor dem elften Jahrhundert ebenfo wie heute von einer Reihe felbst- ständiger, votn festen Lande losgetrennter Infetn nmgeben gewesen, oder ob letztere mit dem Festlande zusammengehangen und vieckeicht nur durch nnbedetttende Untiefen von ihm getrennt gewesen seien, wird von den 'Chronisten verschieden beantwortet. Die Alten, be- sonders Plinins und Strabo, kennen und erwähnen eine Anzahl Inseln am „Cimbaschen Vorgebirge“, und ebenso werden im früheren Mittelalter vermiedene folcher Eilande namhaft gemacht, wobei sedoch zu bemerken ist, daß der von ihnen eingenommene Flächen- raum damals ungleich bedenlender gewefett zu.sein feheint, als gegenwärtig. Vor Ackem gilt dies von den Infeln Texel und Wieringen, und gerade diese beiden sind es, die sich, wie ein Vlick auf die Karte lehrt, schlagbanmähnlich gner vor die Einmüttdang der Znhderfee in die Rordfee legett, und die fonach als die nächst- gelegenett Drümmerrefte der früher bestandenen festländischetr Ber- bindung zwischen den hentigett Provinzen Rorbhockand und Fries- land zu.betrachten find. -

Ernst aad schweigsam, düster und fast melancholisch wie die flachen Ufer der Znhderfee, ist auch der Charakter der Menschen welche die umliegenden Gebiete bewohnen. Ranschenden Ber- guügungen abhold, stnden sie fast nur im winterlicheu Schlittschuh- lauf über nnabfehbare beeiste Flächen ihre Last und ihre Erholung. Aber es ist ein stolzer und übernns stattlicher Metrschenschlag, diese Friefen ein echter und nnverfälschter Urthpns uordläudischer Kraft und gertnanischea Selbstbewußtseins - man betrachte ttttr die kräftigen, schtankgewachsenen Gestalten auf der tref.flicheu Abbildung,

die unfern Artikel schmückt! Der Jahrhunderte lange Kampf mit [816] 

einent tückischen Elentente hat sie gestählt. Befonders die Friestunen standen von jeher und stehen noch heute mit vollstem Rechte im Rufe großer Schönheit. Hoher Wuchs und weiße Haut, blaue Augen und rofige Wangen find ihre zumeist hervortretenden Bor- züge, die durch derbkräftige und breitschulterige Körperformen keineswegs beeinträchtigt werden. Schon zur Römerzeit war dieses Boll berühmt wegen feines „goldigen Haupthaares“, deffen künft- liche Rachahmnug in den vornehmen Gefellschaftskreifeu der Haupt- ftadt Rom zum guteu Tou gehörte und das felbft einen Kaiser Anwninus zum Anlegen einer blonden Perrücke bestimmte.

Durch alle Wechselfälle der Zeiten wußten die Friefen ihre Freiheit und Uuubhäugigkea zu behaupteu, und ebeufo hieltest sie von jeher auf eine gewiffe individuelle Ueberlegenheit der An- gehörigen ihrer Raffe , detttt wenn bereits das alte frsestsche Bolls- recht aus dem achteu Jahrhuudert christlicher Aera sich vor allett auderu gerutauischeu Gesetzgebungen damalsger Zeit durch das höchste „Wergeld“ auszeichuete, das heißt die Dödtung eines freien Friesen mit der höchsten Geldbuße belegte, so darf auch hierin ein unverlennbares Symptom jeues.geftesgerteu Selbstbewußtseats, durch welches sich dieses Boll von alleu übrsgen germauischen Stämuteu unterschied, erblickt werden.

Auch die bis auf den hetttigen Dag festgehaltene, wenn schon je nach der Berschiedenheit der einzelnen Gegenden mehr oder weniger von einander abweichende nationale Tracht der Anwohner der Zuydersee ist ein Beleg für die zähe Eigeuart dieses Volkes und, uameutlich bei der in den jetzigen Provinzen Nordholland und Friesland bemerkbaren großen Aehnlichkeit in der äußereu Erschesnung der Meuscheu, zuglesch esu drastischer Beweis für die weiter obett motivirte Atmahme, daß der gefamntte uördliche Dheil der Niederlaude eiuftmals su uuwittelbarem Zusammenhange ge- standen hat. Erst ueuerdsugs beginnt die erwähnte interessante Bolksesgenthümlschkest hser und da den modernett Nivellirungs- bestrebungen zum Opfer zu falleu und namentlich beim männlichen Geschlechte der charakterlosen Tracht der übrigen europäischen Land- bevölkerung zu weichem

Aber noch heute, wie vor Jahrhuuderteu , herrscht bei den nordholläudischeu Bäueriuueu die merkwürdige, fast möchteu wir sagen, barbarische Sitte, sich am Hochzeitstage das Haar abzu- schuesden und sich so ihres schönsten natürlichen Schmttckes zu beraubest. Der haarlose Kops wird dann in eine helmähnliche goldene Haube (sogenannte aa.t.^w) eingekerkert, und Berzierungen aller Art werden verschwendet, um jenen Aet des Baudalismus möglichst abzuschwächen . metallene Stirnbänder und goldene Kork- zieher umschließen die Stirn, welche außerdem durch zwei nicht gerade geschmackvolle Zöpfe von schwarzem Pserdehaar verunzsert wird, die mit den bloudeu Braueu und blaueu Augen im sonder- barstest Coutrafte fteheu. Diefer Goldschmiedsladen wird danss unter einer zierlichen Mütze versteckt, die aber ihrerfeits fofort wieder unter einem riefigen, snit buutest Blumen und Bäudern überladesteu Hute verschwiudet.

Aehulich wie in Nordholland ist die Dracht der Bäueriuueu isu eigeutlicheu Frieslastd. Auch sie habend dest althergebrachten glänzenden Kopfputz beibehalten, und stach jetzt usnfängt der Gold- helm ihr Haupt, nur daß letzteres hier von einer Mütze suit uu- geheureu Spitzenbarbe eingerannt wirb.

Befondere Eigentümlichkeiten in Bezug assf uatiossales Coftüns bietess die von der Znyderfee stmschloffeuess kleinen Eilande, von

deness hier nur der nördlich von der Ausmüudung des ^ ge- legenen Infel Marken SSm deswillen gedacht sein Snöge, weil die äußere ErscheiSSung ihrer Bewohner merkwürdiger Weise in fast gar nichts aSS die BekleidnSSg der übrigen Nachbarschaft erinnert.

Auch hier ist die Tracht der Mättner die bei toeitem einfacherer auch sie ist übrigens schon isn Verschwinden begrasen, wozn

ver'Snnthlsch die Nähe der Hauptstadt Amsterdam das Ihrsge beitragest mag. Gleichwohl ist der Markesser SSoch heute regel- suäßig mit einens Wamnts voSS brauuem Tuche Suit zwei Reihen

Kuöpfeu, zum Dheil aus edlem Metall, Gold oder Silber, auch svohl aus alten Deukmüuzeu befteheud, bekleidet. Diefes Wasums wird in ein Beinkleid gesteckt, welches, weit SSSSd bauschig,

kaum über das Kuie hiuabreicht sttsd die Wade, die ihrerseits durch dicke, schwarzwollene Strümpfe geschützt wird, nnbedeckt läßt ,

bei Fischerss tritt als USttergewand nach eiSS rathes Dnchhetude hisszss. Die Füße fteckeu in weißen Halzschuheu oder auch su

Schuhe, dse mit türkischen Pantostin esne gewisse Aehnlichkeit

haben , während als Kopfbedeckung im Somsner eiste schsoarze Kappe oder ein kleiner branner Filzhut, im Wittter aber eine uiedrige Pelzmütze benutzt svird.

Ungleich eomplieirter sttsd busster als die der Mättner ist die Kleidung der Markener Frauen. Die Unsstte des Haarabschneidests

herrscht hier nicht, sondern die Marknerin läßt der Statürlichen Zierde ihres HaStptes ihr ungeschmälertes Necht. Gold und

Schmucksache fiud weuig bemerkbar, svohl aber eine gesviffe Vor- liebe für auffallende und grelle Farben. Als Kopsbedeckung 'dient eine stngehettre weiße, fast einer Bischofssuütze vergleichbare Haube, darunter ein brauuer Stoff, svelcher den Spitzen und Stickereien gestattet, ihre Arabeskeu wirksam hervortreten zu lassen. Unter dieser Mütze hervor, zu beiden Seiten des Gesichts, gsselleu zsvei riefige Zöpfe natürlichen blossden Haares, Svelche, in Korkzieher- form gestochten, bis mitten auf die Brust niederfalleSS , Svährend aus der Stirn die nach vorn gekämmteu Haare in gerader Linie oberhalb der Augeubraueu abgeschnitten sind, gettau so, svie es die europäische Mode noch bor weusgen Jahren für das schöue Geschlecht iusgentein vvrschrieb. Die eigentliche Kleidung besteht aus einem ärmellofeu Leibchen und einem Rock, beide van ver- schiedenesn Stoff und Farbe, svobei sich jedoch Noth eines ent- schsedenen Borzugs erfreut. Nameutlich das Leibchem ist mit rothen Handstickereien reich verziert , die Aermel aber, welche eiuesu Uuterkleide angehören, zerfallen in zsvei stngleiche Theile, deren einer, mil fenkrechten rothen oder schwarzen Streifen, oberhalb des Ellenbogens aufhört, svähreud der audere, duukelblau, sich bis zum Handgelenke chinabzieht. Auch dest eigeutliche Rock selbft zerfällt in zwei ungleiche Hülsten. Der längere, obere Dheil stellt eine Art Rockschoß von heller Farbe nat schwarzen Stressen dar, wo- gegen das kürzere, nntere Stück von dunkelblauem Stoffe ist und in einem doppelten braunrothen Streifen endet. Unfere fachver- ständigen Leferiuueu werden zugebeu, daß diese Tracht, deren Herrschaft sich, wie gefagt, auf die kleiue Iufel Marken beschränkt, eine ebeufo eigeuthümliche wie malerische geuauut zu werden verbietst , zu bemerken ist noch, daß diefelbe - wie dies vielfach im Umkreife der Zuyderfee üblich ist - von alleu Alterselaffeu der Bevölkerung, von den Kiudern bis zu den Greifiuueu, gleichmäßig augelegt wird.

Kehreu wir jedoch uach dieser kleiueu Abschweifung auf das Gebiet der Bölker- und Evftümkuude uochmals zur Zuydersee selbft zurück! Daß dseselbe sn shrem gegeuwärtsgen Umsauge einen Flächenraum vots nahezu lst.l Ouadratmeileu gleich ^l^,l^ Heetaren, also geuau den zehuten Thesl des gauzeu Köuigreichs der Niederlaude bedeckt, wurde schau weiter obeu bemerkt. Ver- anschlage wir den ehemaligen Flevosee auf etwa l^,l^ Hee- tareu, so ergiebt sich, daß ungefähr .^lil.',l^ HeetarewLand, das heißt ein Gebiet von der Größe der jetzsgen Provinz Friesland, im Lanse der Jahrhunderte an das Meer verloren gegangen sind. Seit einem vollen Menschealter beschäftsgt unsere niederländische Nachbarn die naheliegende Frage, ob und auf tvelchens Wege dieses bedeuteude Territorium, entweder gauz oder weuigsteus zuSSS Dheile, der menschlicheu Cultur zurückzuerobern sei. Seit isss Jahre lt.^ ein bolländischer Ingenienr zuerst eiste flüchtige Entwurf ver- öffeutlichte, der die Zuyderfee in ihrer gefasumten Ausdehssutsg abdämmen und trocken legess wollte, ist über diesen Gegenstand nsseudlich viel gefprochets und geschrieben wordets. Eisse Anzahl i Sachverftättdiger erwog die Schwierigleiten des Unternehmens, Andere hoben das Wünschenswerte der Sache hervor, während der Eine die Möglichkeit einer Bändigstng der Wafferstäche prüste, nuterfuchten Andere die Veschafsenhest des Bodens. Die Hydra- graphie gab Ausschlüsse durch ihre wisseuschaftlicheu Aufnahmen , die . Wafferbau-Ingenieure begutachtete befouders schwierige Prableme der Dechnik , Gefellschasten bsldeten sich , SSSn sich die CaSSeessiou zur Ausführmug zu ficheru - kurz, die Sache begatns iss Flstß zst kommen. Gleichwahl follten noch Jahrzehstte verstieße, bevor biese hochwichtige Frage zum Eiutritte in ein nettes, praktisches Stadsum geresst war.

Erst sttt Jahre l^'i^ veröffeutlichte eine tsiederläudische Stautseosssmiffion einen Bericht über die Möglschkeit stnd das Wünschenswerthe des großartigen Werkes, und bald nachher reichte die Negierung beim Staatsrate einen Gesetzentsvurs die Trockets- legstug der Zuydersee betreffend, ein, der ist seinett wesentlschen Pnnktett von der Volksvertretung gebilligt und attgeuotttuteu wstrde. Seitdesn dars das Uuteruehme isn Prineip als gesichert betrachtet Sverden , die vorbereitende Arbeite habe begonnen, und die eud-

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Die Gartenlaube (1882) b 817.jpg

An der Zuydersee. Nach dem Oelgemälde von R. Jordan.

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gültige Durchführung des Niefeuwerkeskerscheint lediglich noch als eine Frage der Zeit. Freilich nicht einer kurzen e umfaßt doch die Wafferfläche, welche man zu händigen beabfichtigt, einen Raum von beinahe ^'..)l),l)l)t) Hektaren, wovon ungefähr l^,l)l)l) Heetare oder ..^ geographische Onadratmeilen dem Grundgebiete des Staates als Baulaud zu Gute kommen würden. Man dettke sich uämlich eine ziemlich gerade Linie, welche von Eukhuizeu über die Iufel Urk nach der Mündung der ^ffel führt . die gefammte füd- lich von dieser Liuie gelegene Wafferfläche ist es, welche abgedämmt und trocken gelegt werden fock, während zahlreiche Eanäle die Wafferverbindung zwischen den bedeutenderen Ortschaften anfrecht erhalten werden.

Man pflegt zu sagen. das Meer trennt nicht, es verbindet. Bon der Znyderfee, wie sie heute ist, gilt das Umgekehrte. Es wird als ein großes Verdienst gelten müssen, diese hemmende Schranke des mitteleuropäischeu Verkehrs wenn nicht ganz befestigt, so doch möglichst eiugeeugt zu habeu. Hoffeu alfo auch tvir das Beste, und beschließeu wir demgemäß diese Zeileu mit dem Aus- drucke der Znverficht, daß uuseru niederläudischeu Stammesver- waudteu der Sieg in dem aufgeuommeueu Kampfe mit einent feindlichen Elemente beschieden sein möge! Diefer Sieg wird dem kleinen Nachbarstaat eine neue Provinz eintragen, aber es wird eine Eroberung sein, die Niemanden neidisch verstimmt und die das „europäische Gleichgewicht“ nicht erschüttert.

glätter und ^lutheu.

Literarische Weihtmchtsueuigkeiten Wir beschließen heme unsern Ueberchlick über die uns vorliegenden Bovitäten für den weihtrachtsfesttisch mit einer Aachlese aus dem Gebiete der Roman literatnr und einem gedrängten Hinweis auf einige hervorragende Pracht werke und tllu- strirte Kinderbücher. - zu.rck also zwei Profabichttmgen

Eines der liebenswürdigsten Vücher, die sedem Familientisch zur Abendlust gereichen und solglich auch den Weihnachtstisch würdig schmücken, find die „Altfränkischen Vilder und Geschichten aus dem Er- i.unerungsschatz meiner alten Tante“ lCoburg, I. G. Biemauw- sche Hofbuchhanblung). Hier haben wir ein Muster von Memoiren aus dem Bürger- und Veamtenleben im patriarchalischen Kleinstaat, die bis zur Mitte des vorigen Jahrhuuderts zurück und nahe bis zur Gegen- wart heranreichen. Aus einem protestantischen Pfarrhanfe, in welchem sich die ftädtische Bildung der lieblichen Pfarrtöchter mit bäuerlicher Be- schäftigung verbindet, werden wir nach der Residenz Coburg und fogar in den erbprinzlichen Haushalt geführt. Er war sehr einsach, so fast noch mehr als dies. Tas Prinzeßchen Vietoria hatte in den Unterrichtsstnnden ein ausgewaschenes rosa Kattunkleidchen an, das mit Stücken neuen Kattnns ausgebessert war, und die Prinzen hatten gleichfalls in den Beinkleidern, da, wo sie von den Kuieeu durchgearbeitet wareu, große Stücke eiugesetzt, und es wareu schou ziemlich lauge sttuge Herrchen als sie noch mit stark ausgebesserter Stieseln einhergingen. Tas konnte den Leser gleichgültig lassen aber es erhält Bedeutung durch das, was aus diesen Kiuderu ge- wordeu ist. Tas Priuzeßchett mit dem gestickten Katmnkleidchen wurde die Mutter der Köuigiu Viktoria, und von den Prinzen wurde der Aelteste Herzog Ernst der Erste von Eoburg-Gotha, der zweite der Vater des Königs von Pormgal und der Iüugfte erster Köuig von Belgieu. - Tie Fürsteu wareu damals smächtiger im Laude als ^e.tzt, aber sie staudeu doch dem Volke näher. Dazu gab's noch viele Origiuale, auch unter den Fraueu, von denen das Buch die ehrwürdigstem wie die ergötzlichster Beispiele vorführt. - Auch die Geistiggroßeu fiud gut vertreteu. Au ihrer Spitze stehet Friedrich Lückert und Ehristiau von Stockmar, König Leopold's Freund. - Hiusichtlich Schad's, des gewefeueu Banzer Mönchs, ist die alte Tante im Irrthum. Er hieß nicht Brnder Plaeidus, fouderu Pater Boman und wurde nach seiner Flucht aus dem Kloster nicht Clavierspieler in Petersburg, souderu Professor erst in Ieua, dauu in Charkow, und starb in Ieua l..^, wie dies in der „ Gartenlaube“ l.'.'t'.'l.', Rr. l, erzählt ist. - Wahrhaft erhebeud und tiefergreifeud äußert sich der Patriotismus der alten Taute in den Befreitrug skrieg eu. Man muß an sich halten, die prachtvolle Stelle hier nicht abzuschreiben. Roch im hohen Alter sagte sie ost. „Ihr wißt gar nicht, Ihr sunges Volk, was Freude ist , wer den Einzug uuserer Truppeu in Paris (t^l.t) erlebt hat, der weiß es.“ - Tie herrliche Frau hätte es verdieut, noch U.'.'s'l.t mit uns zu subelu.

Eiue sehr beachteuswerthe Gabe der süugsteu Zeit ist. „Tie Rofe von Urach“. Historischer Bomau von Frauz Slkiug. (Mannheim, F. Bemuich.) Um das Leben einer einfachen Försterstochter, der frischen, lieb- reizeudeu Waldrose, gruppirt der uach ihr beuauute Bonran sene Seeueu aus dem Hof- und Iutriguauteu-Treibeu , welche mit der unglücklichsteu Zeit des Schwabeuvolkes begiuueu und versöhueud eudeu mit der Bettung des Fürsten und des Laubes durch Haud und Herz der zu. Landesmutter erhobeueu Franziska von Hohenheim. Tie geschichtlicher Gestalteu, von Herzog Karl selbst bis zu seneu gewalttätigen Männern welche das Volk „Schwabens Landplage uauute, sind mit Portrnittrerte dargestellt, und die Schilderungen des Hofes und des Adels verratheu ebeuso viel errrstes' Studium, wie die Vilder aus dem Volke, denen man ausseht, daß sie mit genarrer Keuutuiß des schwäbischeu Volksherzeus ausgeführt wurden. Eiu Held der Wahrheit, wie der Pastor Theuriug, der selbst eiuem Herzog Karl Achmug abzwiugt und ihn zur Eiukehr in sich zu beweget vermag, ist eine herzerhebeube Erscheiuung, wie kein gewöhnliches Taleut sie in s Leben ruft. Uud wenn wir die schöne Waldrose selbst, die Emnrv Theuriug, vom höchsten Glück der Liebe bis zum tiefster Wehe der Ver- laffeuheit versiukeu und in Sehnsucht uach dem uuwürdigen Gatteu dahiu- siecheu sehen so hat boch 'Ruth, List und Tretre eiues Mauues aus dem Volke sie davor bewahrt, als Vetrogeue und Eutehrte unterzugeher. sie stirbt mit der reiueu Würde einer Gattiu und Mutter, und uach ihr waltet „die Haud der Vergeltung“. - Wir freueu uns, ein solches Werk empfehleu zu können, um so mehr, als wir aus der Feder F. Sikiug's bereits eine historische Erzählung für die „Garteulaude erworben haben.

Aus der Zahl der uns vorliegeudeu Pracht werke heben wir die folgeudeu mit Auszeichunug hervor.

„Goethe 's Werke, illustrirt von erst eu deutscheu Künstlern“. Herausgegeben von Heiurich Tüntzer lSmttgart, Deutsche Verlags-

auslast). Eiu daukeuswerthes Uutermehmeu, das sich den in demselbeu Verlage erschienenen srüheren illnstrirteu Prachtausgabeu bedenteuder Dichter (Shakespeare und Schiller) als drittes würdig auschließt. Es liegen uns bis setzt füufzehu Lieferungen des' Werkes vor, und wir dürfen .auf Gruud derselbeu diese Goethe-Ausgabe als eine literarisch-küustlerische Publieatiou bezeichnen, die, was elegante Ausstattung und ästhetischen Werth bewifft, acke Achtung verdient, weungleich wir uns nicht verhehlen köuueu, daß die Illustratiouerr, die theilweise von bedeuteudeu Meisten herrühren von eiuigermaßeu ungleichertr Werthe sind,' uebeu gauz Vor- züglichem, wie es die Zeichnungen 'wm West-östlichen Divan fiud, steht ewiges Miuderwernhige. Trotzdem aber hält sich alles hier Geboteue auf der achtbaren Höhe eiues edleu Geschmackes, und dürfeu wir daher die Aufmerkfamkeit uuserer Leser auf das Werk uachdrücklich hinleukeu.

„Gustav Fr eh tag- Gallerte“. Rachden Originalgemälden und Cartous der ersteu Meister der Reuzeit photographirt in '^ Vlätteru von F. Bruckmauu in München Mit begleiteudem Texte von I o h a u u e s Proelß und Iulius Rissert '.Leipzig, Edwiu Schloemp). Tie längst inr Buchhaudel bestudlichen, beliebten und bekauuterr Kuuftblätter fiud hier zu eruem geschlossenen Werke vereinigt, in welchem sich zur Ver- auschaulichung des reicheu poelischeu Schatzes, welchen Gustav Frehtag der deutscheu Literamr zugesührt hat, die bildliche Darsteckung mit der des literarischen Essayisten tProelß-Rissert) verbiudet. Es wird uns so- mit in dieser Textausgabe ein voltstäudiges Bild von des Dichters Em- wickelungsgaug und Bedentrrng in artistisch reicher Form vorgelegt, womit die Verlagshaudlung gewiß dem Bedürfnisse ^kauflustiger Befucher des Weihuachtsbüchermarktes in seder Weise entgegenkomntt.

„Bom in Wort und Bild“ von Rudolph Kleinpaul (Leipzig, Schmidt und Günther). Diese Schilderung der „ewigett Stadt“ ttud der Campagna zeigt sich mit seder ueu ausgegebeueu Lieferung ihrer Aufgabe mehr rrrrd mehr gewachfen in Text und Illustratioueu ein anschantiches und iustruetives Bild der Trümmer des alten rrud der Prachtdauteu des ueuerr Rom zu bieteu. Die durchaus aus Seldstauschartung und eiugeheud'^u Strrdieu deruheudeu Schildertrugen werden durch eine Beide von Bilderu geschmückt, welche ausuahntslos eine gnte technische Her- stellung doettnteutireu und dem Verständnisse ^des den Text strtdirenben Lesers auf das erfreulichste zrr Hülfe konrmen. Acke Frennbe Roms werben in dem Kleinpaul'scheu Werke eine willkomureue Lektüre studeu.

„Griecheulaud in Wort und Bild“. Eiue Schilderung des heckenischen Königreiches vonA. von Schweiger-Lerchenseld '.Leipzig, Schmidt rr. Güuther). Eiu Werk, welches sich dem soebetr erwähnten in Idee und Anlage eug auschließt. „Es soll,“ heißt es in der Eiuleitung, „dem Leser in großen und erschöpfeudeu Zügen ein Gemälde der helle- uischen Welt vorführen, rrud zwar vorwiegend, wie sie sich heute barstellt. Auf dieser reeckeu Uuterlage sock dauu die Eriuuerung an das autike Ledeu ihre verscholleueu Herrlichkeiteu aufdauerr, die Laudschafteu beleden den Zusammenhang der Erscheinungen zwischeu Ereiguiß und Schauplatz herstellet und die Lückeu zwischeu Vorstellung und Wirklichkeit üderbrückeu. ' Das volleudet vorliegeude Werk hat dieses Programm auf's Beste ver- wirklicht und ist eine Publikation von dauerudetu Werthe.

Au Rom und Griecheulaud sügt sich zwarrglos an „Palästiua in Bild und Wort“. Herausgegebeu von Georg Ebers und H. Guthe '.Deutsche Verlagsaustalt, Letpzig und Stungart). Eiu Prachtwerk im vollsten Siuue des Wortes, auf welches wir bereits inr vorigen Jahre die Aufmerkfamkeit uuferer Lefer hiugelenkt. Der foebett erschieueue erste Baud euthält ^t Stahlstiche und an .^lltf Holzschuitte, welche fast ohne Ausuahme als Meisterwerke der .vervielfältigeudeu Kuust dezeichuet zu werden verdieueu. Aber nicht ackeiu diese geschmackvolle, echt küustle- rische Attsstattung und der Beiz der Geschichte sowie der biblischeu Legeude gestaltet das Buch zu einer äußerst anziehenden Erscheinung, sondern auch der textliche Theil derselbeu bietet einen fesseluden und gediegeueu Iuhalt. Der Rame Georg Eders bürgt schou allem fnr eine wahrheitsgetreu rtnd meisterhafte Schilderung seues „heiligen Laubes“. Der Umstaud ader, daß einer der Herausgeber, Hernrauu Guthe, im vorigen Jahre um wiffeuschaftlicher Forschungen willeu Palästina bereiste, hat es noch er- möglicht, daß in diesem Werke überack den ueuesteu Znständen in maß- gedeudster Weise Rechnung getragerr wird. Wir studeu in dem ersten Baude Schilderrtugen von Ierrrsalem und Bethlehem, von Iudäa und Galiläa, von Sichert und Samaria, sowie von Damaskus, Paltnnra und Ba'aldek. Iu dem geschmackvollen Einbande, welchen die Deutsche Verlagsaustalt ihren Abonnenten liefert, ist dieses Prachtwerk wohl ge- eignet, selbst den ansprnchsvollsteu Weihuachtstisch zu schmücken

„In der Sommerfrisch"'. Federzeichmrugen von H u g o Kauff- manu (Smttgart, Banz u. Comp.) und „A Hochzeit in die Berg“'.