Im Congoland/Kitanda am oberen Congo

Textdaten
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Autor: Dr. Pechuel-Loesche
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Titel: Kitanda am oberen Congo
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 21, S. 339–343
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1883
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Anfang: Im Congoland (1)
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[339]

Im Congoland.

Von Dr. Pechuel-Loesche.
1. Kitanda am oberen Congo.
(Schluß.)

Es mochten über tausend Weiber versammelt sein. Die Ver- rothe Aluaulumsrüchte, Erdnüsse, Hühner, Eier, Kohl und svgar

^ '^..,n Kolonien übertoiegender . ....... ..rzettllo neu nuo vie au^ vlrsen

haltenden stacheil Skohschüsselu und Holztrogelt rtugs ltm fich bereiteten Präparate der überaus uützlichett Mauiokpstauze zum ausgelegt. Da gab es leckere Battauen, köstliche Attattas, feurig. Verla tise gestellt: besonders Mayaka, die gewässerteu, käst^meißeu

. ^, ^ . uerlnmmek fern Die Ver- . rothe Amontumsrüchte, Erdtlusse, Hühner Eier Kohl

kansermnen^ten nch alls dte Erde gesetzt und ihre haaren in ^ römischen Salat, der wahrschrtnli,n aon den porttmiestschet

den laudesubltchen, aus^espaltttettwedeln geflochtenen langen , nu ^üben bis hierher aorgedrnnaen war In übet

und schmalen Körbenin bts etnell Meter im Durchmesse^ ^n^ fnuden wir jedoch die Wl^rzetknonet^ und die [340] und scharf riechenden Kit ollen, und Tschiluanga, zerriebene und im Dampfe gelochte Mayata. Diese war in Wecken und gerundetett Broden, in Würsten und Klumpen aufgrstapelt, jedes Stück sauber in Blätter gewickrit. Abseits neben den die große Mehrheit bildenden Verkäuferinnen von Nahrungsmitteln boten vie Töpfer,- spalten ihre Erzeugnisse feil: kleine und große halbrunde Näpfe, schön gesormte Wasserkrüge lllit engen schlanken Hälsen, andere mit weiten, kurz augesetzten Oessnungen und sehr große Thon.- gefaße, die etltelll der Spitze beraubtet.' Ei glichen, aber noch mit einelll schräg nach außen und oben vorspringenden Nande versehell

waren. Die meisten dieser keineswegs ungeschickten Gebilde der Töpferkunst zeigten auf röthlich-gralteln Grunde das sehr hübsch ilt dunkler Farbe nachgeahmte Muster der Zeichnung des Malachites.

Das Geschäst schien Niemandelll besonders am Herzen zu liegen; nirgends wurde zum Kaufen eingeladen, nirgends wurde gefeilscht. Die Händlerinnen rauchten behaglich ihre Pfeifen oder schwatzten rechts und links mit den Nachbarinnen" Unbekümmert um Diebe tauchten sie auch wohl in das nach allen Richtungen flulhende Gedränge. Wo Bekannte sich trafen, wo eine große Nettigkeit verkündet wurde, da staute sich der Menschellftrom , da bildete sich flugs ein Kreis von Neugierigen um die verhandeln-, den Parteien. An anderen Stellen steckten Klatschschwestern die lnspfe zusammen zu wichtigen Erörterungen, zu vertraulichen Mtt-- theilungen über Dors,- nlld Familienereignisse, über das Wetter und den Stand der Fel^früchte, über Heirathen, Geburten, Todes,, fälle, gute wie böse Nachbarn, über umgehenden Spuk, bedenkiche Zufälle und He.renwefen. Hier und dort wurden junge Welt- bürger gezeigt und bewundert, unartige Kinder abseits in die Eantpine geschafft, hungrige vor Aller Angen unbefangen gesäugt. Lebenslustige Weiber intprovisirten dann und wann Tänze, die sie mit Gesang und Händekappett taetmäßig begleiteten. Zu,- dringliche, die Lebensmittel gefährdende Dorshunde , die man tttit Drohungen sowie lnannigsachen Wursgeschossen zu vertreiben suchte, verirrte Kinder, entlaufendes Federvieh, bei der Verfolgung nlnge,, worfelte Körbe unb Mulden erregten allenthalben keine Tumulte, So füllte das unendliche Gewühl den ganzen unteren Platz, trotz heißer Sonne, mannigfaltiger übler Gerüche und des aufwirbeln,- den Standes. Der Weiber Schwatzen, Lachen, Iauchzen, Singen, Rttsen, der Kmder Geschrei, das Gackern tllld Klagen ausgegriffener Hühner, das lustige Krähen flügelschlagender Hähne vermischte sich zu einem so wüsten, ununterbrochenen Lärm, daß Nervenschwachen dabei wohl Hörelt und Sehelt vergehen kannte.

Um die Mittagszeit begannen auch die Mänller einzutreffen. Sie versammelten sich unter den Schattenbänmen des oberen Platzes in unserer Nähe. Auch sie boten mancherlei Waarell feil, indem sie dieselben gleich den Weibern auf der Erde atts,- legten oder mit sich herumtrugen: keine und große, nicht selten am Heste mit Messing hübsch verzierte Messer, eigenartig geforntte Beileiselt, alle im Lande selbst geschmiedet, von der Küste ge- brachtes Steinsalz in Bastsäckchen, Schießpulver in Fäßchen, weiße uud bullte Kattune. Auch einheimische Stoffe von natursarbenent Blätterhast der Naphiapalnte, auf primitiven Webstühlen gefertigt, kamen in Menge zu Markte, dazu das Rohmaterial, bündellveife ilt Ziegenfelle eingerollt. Ferner aus eben diesen Fasern genähte, gestrickte, geflochtene und geknotete Mützen, die theilweise außer-- ordentlich sein gearbeitet sind, zierlich erhabene Muster zeigen tlnd thener bezahlt werden.

Fische vom Eongo, theils spisch, theils getrocknet oder att- geräuchert und stundenweit ohne jeglichen Schutz in der Sonnen,- hitze trtmsportirt, bildeten nach unseren Begriffen keine verlockende Speise, fanden aber dennoch schnellen Absatz. Sie waren stets derartig in sich zusammengebogen, daß Kopf tlnd Schwanz einander berührten. Die größeren wurden einzeln oder in Stücken verkauft, die kleineren aber zu acht bis zwölf, und zwar auf dünne Speiler von Wedelstielen der Palmen befestigt. In der atlsnahlllslos ge- fällig symmetrischen Anordnung derselben bekundete sich wiederum der manchmal so überraschend ausgebildete Schönheitssinn der Afrikaner. Dllrch Kopf, Schwanz und Körperlnitte gespießt, sodaß jeder Fisch gewiffermaßen eine Ellspse bildete, und dicht an ein- ander geschoben, waren die Exemplare so gereihte daß von der Spitze abwärts immer größere folgten, an die sich in abnehlllell- der Größe wieder keinere anschloffen, und zwar derartig, daß der Ulnriß der Gruppe noch oben sich sehr allmählich, nach unten plötzlich verjüngte.

Vvn Hauschieren führte man Ziegelt und etliche Schwei tle auf. Erstere hatte man nicht selten originell herausgeputzt mit einer aus Palmsiedern verfertigten, strahlig abstehenden Halsfranse : letztere waren nicht , wie es bei unserem Landvolk,." üblich , lllll einen Hinterlauf gefesselt, sondern wurden weit praktischer an einem primitiven, ulll Brust und Hals gelegten Geschirr von Baststrickell geleitet. Ninder besitzen die Eingeborenen des Eongogebietes gar nicht und Schase nur äußerst selten. Das zahme Geflügel gehört vorzugsweise den Weibern und wird daher gewöhnlich auch voll diesen alts die Kitanda gebracht"

Manche Männer hatten ihre Lieblingshunde bei sich, die sie im Gedränge an der Leine führten oder vorsichtig unter dem Arme trugen. Es waren hübsche, meist recht wohlbehaltene Thiere, fein gebaut, mit klugen Köpfen, spitzer Schnauze und aufgerichteten "Ohren, dazu glatthaarig, weiß und gelb oder braun gefleckt, isabell- farbig oder hell silbergrau. Alte Hutlde bilden keinen Handels- artikel, wohl aber jllnge, die eifrig begehrt llnd gllt bezahlt werden, namentlich wenn sie von anerkannt guter Abkunst sind.

Der obere Platz füllte sich immer rascher mit " Männern und Knaben, die wie vordem die Weiber uns musterten und neugierig das Zelt umstanden. Bewaffnete sah lltan äußerst selten. Der eine oder andere trug zwar einen mit Messing beschlagenen Speer in der Hand, benutzte ihn aber mehr als Stock oder Schau- stück, und einige junge .Leute mit eingeführten Steinschloßflintetl auf der Schulter passirten wohl nur im Vorübergehen den Markt. Durchschnittlich waren alle reichlicher gekleidet .als die Weiber, sowohl mit den schönen einheimischen Bastzeugen, als auch mit europäischen Baumwollstoffen. Glücklichere paradirten wohl attch in Tuchröcken und bunten Unisormstucken , in unseren Augen ellt- schieden zu ihrem Nachtheile; denn in solchem Aufzuge sind sie ausnahmslos vollendete Earieatttren. Die jüngeren Leute ahllltetl gern die Haartrachten des weiblichen Geschlechts nach, und be- sonders selbstgefällige Stutzer glänztelt wie Angehörige jenes ill .Oel und Nuß, leuchteten sogar in rother Schminke und warell llicht minder reich lllit Perlen behangen, die selbst noch die Spitzen der zierlichen Zöpschen schmückten. Einige Männer sielen uns auf durch die Zeichnung ihrer Wangelt, die mittelst einer Anzahl langer, von oben nach unten geführter Schnitte verunstaltet waren" Wir erkannten darin das Stammeszeichelt der Bateke, die am Eongo um dell Stallley,-Pool und weiter binnenwärts sitzen.

Wie es ihre Würde erheischte, erschienen die Honoratioren der Gegend zuletzt. Dorsälteste im besten Staate, keine Haupt- linge tauchten attf, und ein Elfenbeinluaker von jenseits des Eongo stolzirte großthuerisch einher, lllit gelbseidenem Unterkleide und einem Ueberwurs von himmelblauem Samlltet augethau , aus dem Kopse eine rothsaulmetne mit gelber Seide gestickte Mütze. An seiner rothseidenen Schärpe hing ein Ntlthengeflecht, wie das Ge- rippe eins doppelten Körbchens anzuschauen und mit blatten Glasperlen verziert. Dieses seltsame Gerüst wird beim Schlafen- gehen über das Gesicht geklemmt, mit eiltetll Stück dünnen Kattuns überdeckt und dient so als ein primitives, ilu Süden vielfach. ge- bräuchliches Mosktonetz.

Der Ton mehrerer Klingeln, das rhythmische Klapperll und Schlagen einheimischer eiserner Doppriglocken, die ill Gestalt unseren Kuhglocken ähneln , verkündete die Ankunst hoher Häupt- lillge. Gravitätisch nnter grellfarbigen Regenschirmen sich bewegend, schritten zwei Mächtige der Gegend durch die Menge einher, uus zu begrüßen. Vor ihnen liefell Herolde, welche die Glockelt, andere, welche die hübsch gesormten, am Griff lllit blanken Messing,- beschlagen verzierten großen Messer trugen. Diese gelten, wie bei uns die Seepter, als Würdenzeichen. Hinter ihtten drätlgte sich ein zahlreiches Gefolge in so wunderlichem Aufputz, als wäre eiue europäische Numpelkammer geplündert worden. Bedientenkräcke, helle und duuke, lange und kurze Röcke, Iacken, schimmerude Uni- formen wechfelten ab mit bunten Decken, altfränkisch geblümten Mäuteltl lllld allem möglichen Flitterkraln, wie man ihn gelegen.- lich wohl auf Bühnen sieht. Auf den Köpfen thronten ordiltäre Filzhüte, rothe und blaue Zipfelmützen , Käppis und Ezakos verschiedener Art, die unbekümmert auch verkehrt getragen wurden : fogar eilt zerknitterter und vor Alter fuchsig gewordener Eylinder,- hut tauchte auf als eilt Beweis, wie weit scholl die Reguisitett der Zivilisation vorgedrungen waren. Mehrere des Gefolges hatten Trompeten an rothen Schnürelt umhättgen , andere trugen theils lange glatte oder mit Messing umwundene Rohre, sowie [342] Unterdessen hatten sich, leider uubewerk von uns, einige Fleischer in der Nähe eingerichtet. Ein paar Ziegen waren ge- schlachtet und zerwirk worden. Die besten Stücke würden aus ausgebreiteten sauberen Bananettblättern zum Verkauf geordnet; die Eingeweide, ttach einer nicht allzu gemissenhaften Reinigung, zerschnkfeu und sogleich in großen Töpfen an etn offenes Feuer geschoben.

Ein trotz des allgemeinen Lärmens beutlich vernehmbarer Inhel, die ungewöhnliche Erregung der nach eittem Punkte hin..- strömenden Menge lockte uns ttach der gegeuüberliegenden Seite des Marke..,. Hier entwickelte sich ein chamkerifksches Stück Vorleben. Eine große Weiberschaar ritckte ebett auf den Platz, mit Aufbietung aller Kräfte und gelleltden Stimmen einen scharf rhychmischen Gesang vortragend, die Hände kappend und wie ritte Spt.mgproeeflwn in gemessenem Tanzschritt vor und zurück hüpfend. Ein ungeheures nicht enden wollendes Inbelgeschrei der weiblichen Marktbefucher begrüßte sie. Die an dem grotesken Aufzuge Theil- nehmenden waren wie das Gefolge der Häuptlinge mit allem nur irgend Verwendbaren, selbst mit Helmen und Ezakos aufgeputzt, zudem aber noch vielfach roth, gelb und weiß bemalt, nicht nur im Geficht, fondern auch auf den entblößten Stellen des .Oberkörpers und der Glieder.

Wir hatten offenbar einen Triumphzug vor uns. In feiner Mike gingen stolz erhobenen Hauptes zwei festlich gekeidele und mit Perlettschmnck überladene junge Fratten. Ein paar riesige für bie am Eongo heimischen Stamme auffallend dicke Weiber leiteten die Prveefsion. Sich drehend und wendend, die Arme an.mersend, große blinkende Messer schwingend und durch wilde Anrufe ,die Zuschauerinneu zu immer neuem Jubelgeschrei aufltacheliib, nickten die Angekommenen bis in die Mitte der Kitanda vor Dort ordneten sie fich sogleich zum Tanze, den die Umstehenden singend und katschend begleiteten. Da immer mehr Frmten und Mädchen nicht nur herzudrängten, fondern auch mitmnzten, da die Prorefsion sich überdies bald in verschiedene Abtheilungen trennte, die ntit Gesolge auf der Kttanda utuherzogen und immer weitere Kreise zur Bethei^igmtg verlockten, gewann es fast den Anschein, als wolle das Markgewühl sich zu einem allgemeinen Tanzvergnügen umgestalten

Wir hatten unterdessen ersahren, daß die beiden gefeierten Franen von ihren Gatten der Untreue bezichtigt worden waren. Um ihre Unschuld darzuthun, hatten sie sich dem Gottesgericht unter,, worsen und die gistige Nkassarinde* genommen. Beide hatten jedoch das Ordal glänzend bestanden und waren dentuach ilt aller Augen makellos. Uta dies speubige Ereigniß entsprechend zu seiern ttnd zugleich eine möglichst wirksame Demonstration gegen die bösen Männer in Seene zu setzen, hatte man diesett Triumphzug sorg,, sältig vorbereitet.

Gegen drei Uhr war der rigetttliche Mark zu Ende. Die .Fratten und Mädchen, welche nicht mikanzten oder sich nicht au den immer mehr zunehmenden Umzügen betheiligten, nahmen ihre Waaren aus und kanten nach dem oberen Platz. Hier in unmittel,- barer Nähe unseres Zeltes oder weiter ab inmitten der Gruppen der Männer ließen sie sich nieder. Nun vermochte man auch die besonderen Vorgänge bei Abwickelung der Geschäfte eingehender zu beobachten. Es wurde betastet, geprüft und gekostet, geseilscht wie auf uttferen Wochentuärtten. Hin und wieder tauschte man ver,- schiedenartige Waaren entfach aus. Andere wurden wohl auch mit Stückelt von Kattun bezahlt, die man am Arm von den Finger,- spitzen bis zu Schulter oder bis zur Mitte der Brust oder zwischen den ausgestreckten Armen abmaß. Dabei war man besonders be-- dacht die Arme recht weit auszuspannen, nach hinten zu strecken ultd durch die vorgebogene Brust das zu sorberude Stück Zeug möglichst laug ausfallen zu lassen. Naturiich kollllteu in Folge dirses Vorgehens große und keine Personen sich am wenigsten schnell einigen über die verlangte und die bewilligte Länge des Sspsses^ und .der erste Abschluß des Handels giltg gewöhnlich viel rascher von statten, als das darauf folgende Bezahlen des bedungenen Preises..

Die wichtigste Veriehrsmünze dagegen bildeten etwa erbsen-- große eckige Brnchperlen, Nstmbn, von durchsichtigem, lasurblauem Glase, welche all der Südwestkiste allgemein im Gebrauche sind. Zu hundert oder fünfzig aus Schnüre gereiht oder auch in keineren Mengen gewissenhast abgezählt, wechfelten sie von Hand zu Haud. . * Siehe: Em He.eetsproeeß in Löango. Jahrgang .18^ Seite 1.^.

Die Fronen kauften nun vielfach auch von den Männern, befandet:... von den Salzhänblern und Fleischern. Winzige, nach Gutdüllken abgemessene Quantitäten von Salz wurden nach langem Hin-- und Herredell, nachdem zögernd und unwillig noch einige Körnchen hinzugefugt waren, für etliche Nsilnbn erstanden. Lustiger und lärmender ging es bei den "^eischeru zu, wo hungrige Frauen sich schoben und stießen. Mit keinen Näpsen versehen, kauften sie von dem nicht gerade appetitlichen Itchalte der brodelnden Töpfe, ^ immer iulzufrieden mit der Metige der ihnen für die Perlen zu-. gemessenen Brühe und der Zahl der Flrischstückchen. Die Vorsteher der Garküchen walteten ihres Amtes mit bewttndertlngswürdiger Geduld und ließen sich ost genug durch allzu läute Beschwerden . ztt einer keinen Zulage bestimmen.

Zur Speise war unterdessen auch Trank herbeigeschasst worden. Vota schnellen Laufe keuchende Männer erschienen allf dem Platze. Sie trugen riesige Flaschenkürbisse vvller Palmwem,. der wie Ehampagner perlte oder, wenn .bereits zu weit in der Gährung vor., geschrkteli, durch den Blätterverschluß der Mündung siedend und schäumend hervorguvll. Der weiße füßliche Saft wurde um so eispiger gekauft , als es auf der Höhe sehr all Wasser mangelte und die Hitze groß wa):.

Das Gewühl um unser Zelt wurde fast unerträglich. Die sich zillil Fortgehen anschickenden Menschen wollten noch einen letzten Blick auf die feltfameu Fremdlinge und deren Habfeligkeiteu werfen, die noch verteilenden hatten Muße, alle Einzelnheiten an und um uns auf das Genaueste in Augenschein zli nehmen. Wir hatten bald Grund genug, zu bereuen, daß wir am Platze selbst eine Lagerstätte gewählt. Wir vermochten uns vor den Zudringlichen, die sich aller- dings harmlos genltg betrugen, kaum noch zu rekelt. Selbst im Zelte waren wir nicht sicher. Iedertnann wollte uns schreiben sehen uud nicht zufrieden damit, durch die ossene Thür hereinznblicken, hoben die Neugierigen allch noch die Sekenwande empor. Bald hier, bald dort schoben sich Köpfe in das Zelt, die eilfertig zurückgezogen wurden, wenn wir uns umwendeten.

Unsere Sausibari hielten zwar Wache, vermochten aber nichts gegell die immer wieder vordrängenden Massen auszurichten. Mauergleich staudeli die Menschen um uns, hin und her drängend, über die weit gespannten Stricke nnseres wie ittt Sturme schwanken,- den Leitiwandhauses str.spernd, lachend, grsti^ulireltd und gutmüchig auch eiumal anderen Schaulustigen Platz machend. Unfer eifriges Schreiben schien für die Leute das Erstaunlichste zli sein; sie tonnten die Blicke gar nicht wegwenden von dem Papier, delt zum Tintenfaß geführten und dalili wieder eifrig kritzelnden Federn. Aber auch ein aufflammendes schwedisches Zündhölzchen machte einen gewaltigen Eindruck, und wir mußten wohl oder übel, um den unablässigen Bitten zu genügen, zeitweilig einige derselben ^ ' opfern. Das Anssprühen des Zündstoffes, das plötzliche Er,- scheinen der Flamme wurde bewuudert wie bei uns ein großartiges Feuerwerk.

Wer weiß, wie lange dieser harmlose, jedoch überatls lästige Belagerungszustand angedauert haben würde, wenn nicht ein komisches Ereiglliß uns von delt Zudringlichen besreit hätte. Ein Schmetterling flog heran tllld gaukelte vor der Thür des Zeltes. Herr Teusz, ein eifriger Sammler, ergriff sein Schmettertingsnetz und fprattg hinaus. Die hastige Bewegung, das hochgeschwungene Netz hatten altf die erregbare Menge eine ungeheure Wirkllng. Die Massen stoben jäh aus eillalider. Alles läuft und sprillgt zeterschreielid davon. Manche stürzen während der kopflosen Flucht nieder, Andere fallen über die Zappelnden hin; Kinder, Knaben, Mädchen werden lliedergetraillpelt, Körbe nlld Geschirre umgeworfen, ^ Hühner, Hiilide, Schweine, Ziegen losgelassen. Ein Höllettlärtlt tobt ringsum; das rennt und wirbelt, das zetert, guiek, heult, gellt, belfert llnd Alles stürmt davoll, hinaus in die Eampilte" Im Nu spar rings um uns der Platz verlassen, ilt Staub ge-- hüllt; wir stallden mit den Unferen wie Sieger allf einem Schlachtfelde.

Der so .komische Vorfall hätte leicht üble Folgeli haben können. Wären nicht die Hänpkinge ilt unserer Nähe gewesen und hätten fie uns nicht beigestanden, die Gemucher zu beruhigen, so wäre die sinnlose Menge wohl gänzlich davoll gelaufen. Die Mehrzahl der Leute kehrte überhaupt nicht wieder zul.uck, und obwohl der Nest schließlich die scherzhafle Seite des Tumultes begriff, so hielt lllau sich doch vorsichtiger abseits von uns,. ohne uns sertlerhiu ztt belästigen: [343] Die Kitanda war nun vollständig aufgehoben. Die noch anwesenden Marktgänger suchten das angrenzende Gehölz auf, wo sie sich in Gruppen unter Bäumen und zwischen dem Gebüsch niederließen. Auch dort erinnerte ihr Thun und Treiben lebhaft an das unserer Jahrmärkte. Man setzte sich zu einander, um zu essen, zu trinken, zu rauchen und die Ereignisse des Tages zu besprechen. Allenthalben gingen Personen zwischen den verschiedenen Gruppen hin und wieder, sich in die Unterhaltung mischend, bei einem Trunke Bescheid thuend. Auch junge Leute beiderlei Geschlechts wußten sich zu finden, und manches Mädchens Marktkorb wurde von einem zuvorkommenden Liebhaber von der Kitanda nach Hause getragen.

Allmählich brachen die Familien auf und zogen davon, den Berg hinab. Als die Sonne sich zum Untergange neigte, hatten auch die letzten Nachzügler den Ort verlassen und in den Schluchten, über den Bergen verhallten die Stimmen der Heimkehrenden.