Im Congoland/Im Congoland/1

Textdaten
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Autor: Dr. Pechuel-Loesche
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Titel: Im Congoland
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 20, S. 324–327
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1883
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Anfang der Serie und 1. Teil des 1. Artikels, Fortsetzung: Kitanda am oberen Congo
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[324]
Im Congoland.
Von Dr. Pechuel-Loesche.

Von allen seit Jahren in Afrika thätigen Expeditionen, welche durch das hochherzige Eintreten des Königs Leopold des Zweiten von Belgien in’s Leben gerufen worden sind, erregt keine ein so allgemeines Interesse, als die unter H. M. Stanley’s Commando am Congo von Westen her nach Centralafrika vorgedrungene.

Im verflossenen Jahre war ich unter Anderem auch mit der Durchforschung des Congogebietes betraut und hatte bei Stanley’s durch schwere Erkrankung gebotener Heimkehr die Leitung der Expedition zu übernehmen. Zur Durchführung meiner Aufgaben hatte ich mir in Europa zwei bereits wohlerfahrene deutsche Afrikareisende [325] reisende erwählt: Herrn Botaniker F. Teusz und Herrn Architekt P. Giervw, Beide aus Berlin. Ersterer hatte Herrtt Major von Mechow bei seiner Ersorschung des Kuaugolattfes , letzterer Herrn Ingenieur Schutt auf seinettt mehr nach Osten gerichteten Zuge begleitet. Während ich Herrtt Gierow mit besonderen Anf^ trägen an der Küste zurückließ, nahm ich Herrtt Tettsz lllit mir ttnd hatte ihn auf allen meinen Wanderungen nach dem Inneren als erttzigen, aber abgezeichneten Gefährten in guten und schlimmen Stunden zttr Seite. Herr Tettsz verweilt gegenwärtig noch in Eenkralafrtra.

Meine Karawane zählte nicht viele, aber erlesene Leute ttnd führte, ttttt größter Beweglichkeit willen, ttttr das Notwendigste tttit sich. Als Träger hatte ich zttr Versügung siebenzehn Sansibars von der Ostküste, darunter mehrere Veteranen Stanley^, und drei t.^abiudalente, die, als die ersten ihres Stammes, mit mir nach dent Inneren zu gehen wagten. Außerdem waren mit utts noch zwei zu persönlichen Dienstleistungen bestimmte Knaben der Loangv- küste und der Sohn eines unweit Vidi, der von Stanley gegründeten ersten Station am Eongo, residirenden angesehenen Hättptlittgs. Er war mir vom Vater anvertraut, da tch den ungemein intelligenten, [326] eben dem Knabenalter entwachsenen Lutete für die Zwecke der Expedition gewissermaßen erziehen wollte.

Mit Ausnahme eines braven Sansibars Djuma, welcher itt einem Kampse erschossen wurde, brachte ich alle meine Leute wohl- behalten aus bellt Inneren zurück.

In einer Neihe von Einzelschilderungen will ich versuchen, dett Lesern der "Gartenlaube eill übersichtliches Bild von Land ttnd Leuten der besuchten Gebiete zu geben. Eine große Anzahl von Abbildungell, von Herrn Professor A. Görillg nach meinen mög- lichst getreu an Ort und Stelle ausgeführten Farbenflizzen ge- zrichnet, wird mich vom zweiten Artikel an darin nuterstützen.




1. Eine Kitanda am oberen Congo.

Wir befanden uns zwei Tagemärsche östlich von Manyanga, der drittelt von Stanley am Eongo gegründeten Station, und nörd- lich von dem zwischen steil abfallenden Höhenzügen verborgenen Strome, im Lande der Bahnende.

In ermüdender Einförmigkeit ruhte um uns das Gebirge. Seiner Natur nach gleicht es viel mehr einem sehr schwierigen Hügellaude : eng gedrängt, aber durch mehr oder minder tiefe Eitt- . schnitte von einander geschieden, ragen bis etwa zweitausend Fuß über dem Meere die gerundeten Kuppen der Berge aus Statt anmutender Thäler, wo in blumigen Auengeländelt sich Wasser- lällse entlang winden, gähnen allenthalben steilwalldige , enge Schluchten , welche zur Negellzeit nach jedem Gewitter mit tosen,- den Fluthell angefüllt sind. Darum liegen auch die Wohnsitze der Eingeborenen wie Naubnester aus den uubeauemen Höhen, wo allein Nautn und Sicherheit zu sinden ist.

Es war Milte August, die trockenste Zeit des Jahres. Die Gräser, welche wie überall im Eongogebiete den weitaus größten Theil des Bodens beherrschen, waren abgestorben und verliehen der eigenartigen Gebirgslandschast eine ausgeprägt herbstliche Stimmung. Ockersarbeu , leicht septabraun abgetönt, im Sonnen^ lichte goldig schimmernd, bekeiden die lockeren Bestände Gipfel und Hänge. Vereinzelt lllgelt kümmerlich belaubte Büsche llnd charakteristische Zwergbältltlchen aus den wogenden Halmen. Wie Niesenmuster liegen zart graue oder schwarze Streifelt und Flecken in dem warnten Gelb , wo verheerende Grasbrände ihren Lattf nahmen. Die Ferne verschwimmt in blättlichem Dufte. Freund- kches, mannigfach schattirtes Grün, vielfach gehobelt durch die Bmthenpracht üppig wncherttder Lianen, silldet sich tief versteckt zwischen den Bergen, in Bodensenkungen und Schluchten. Ie tut,- zugänglicher die Stellen, ulll so reicher ist die Vegetation en1,- wickelt. Formellreiche Farlle nlld schönlaubiges Buschwerk um- kränzen klassende Negenrisse : starre Ananasdickungen klimmen an Steilhängen empor" Palnlengrttppeu , lauschige Haine und lang- gestreckte Gehölze sülletl die engen Gründe: sie bergen in ihrem Schatten das spärliche Naß vielgewnndetter Bachrinttell, umsäumen die Ufer felsiger Flußbetten, in welchen die Auren Gebirgswusser rauschend und gurgelnd zum Eottgv eilen.

Dorthin hat sich um dirse Jahreszeit das ärmliche Thier.- leben des Gebirges zurückgezogen. Volt dort herauf dringen die traulichen Nttfe wilder Tauben, der lattte Flöteuton des Würgers, bisweilen auch der dumpfe Lärm der Kuktke, die sröhliche Strophe einer Drossel. Auch die unschönen Stimmen umherschweifender Nashornvögel lassen sich vernehmen. Seltener verrath auffälliges Prasseln des . Laubwerkes, ein hallendes Grunzen, Gezwitscher ttttd Gekeife das lustige Treiben einer Affenschaar. Der geübte Blick mag dann in der Tiese hestig bewegtes Gezweig unterscheiden oder wohl auch die scheuen Vierhäuder erspähen, wie sie ntit komischen Sprültgell über ltackte Bodenstellen lutschen und illl Grase verschwinden.

Atts den Höhelt dagegen ist es öde und stille. Eitte von Westen kommende Windsbraut fährt sauseud durch die Halme; vielleicht kingelt auch einmal gedehnte Nuse und wirre Kinder., stimmen von hochliegeltden fernen Wohnsitzen der Eingeborenen herüber. Eilt bunter Schmetterling gaukelt altt Wege ; etliche Heu,- schrecken schwirren vor delll Wanderer her, und bisweilen scheucht er eillelt lercheuähnlichen Vogel auf, der sich mit auffallend klappern- den Flügelschlägen in die Lüfte schwingt.

Ilt ununterbrochenem Attf- und Absteigen, über Berggipfel ttnd durch Schluchten ziehend, hatten wir nach beschwerlichem

Marsche die Landschaft von Mpakambendi durchmessen und den überaus ermüdeten Trägern zu Liebe an hohem Berghange Halt geboten. Vor uns lag ein selbst für das so unwegsame Eongo.- gebirge ungewöhnlich bedeutender Einschnitt, welcher die natürliche Grenze bildet zwischen dem westlichen sehr schwierig zu begehenden Distriet voll Mpakambendi und der ostwärts. sich dehnenden weniger zerrissenen Landschaft von Nsinga.

Drüben lag auf breitem Höhenrücken zwischen Frucht- und Schattenbäumen versteckt das große Dors Nkunga. Beim Grauen des solgendett Tages kletterten wir itl die tiefe Doppelschlucht hinab, passirten das Flüßchen Ngomde, delt Bach Miongo und stiegen dann unter Trompetengrschmetter , ermunternden Zurusen, Ianchzell und Lachelt an teilweise außerordentlich stellen Gehängen

000 Fuß hoch empor.

Oben empfing uns der Häuptling mit dem üblichen Gefolge. Gewohnheitsmäßig flüchteten bei nltferem lärmenden Einzuge Hunde, Katzen, Ziegen, Hühner llnd was sonst noch an Getier vorhanden war Die menschlichen Dorsbewohner dagegen kamen zutraulich herbei , die Weißen anstattnend , spagend , antwortend. Sie begannen bald sich höchlich an den Scherzen der beiden an- erkannten Witzbolde unserer Sansibars zu ergötzen ; namentlich der bildhübsche llllvertvüstliche Nkombv wurde sogleich, wie allerorten, der erklärte Liebling des weiblichen Gesch^ch ts.

Es herrschte ein ungewöhnlich reges Leben in Nktnga. Viele Fratten und Mädchen im Putz standen in Gruppen oder verkehrten zwischen den Hütten; andere zogen eilfertigen Schrittes vorüber, tttit Nahrungsmitteln hoch bepackte große Strohschüsseln, Körbe, Töpse oder Holztröge aus den Küpsen balaneirend. Ein Markt, Kitanda, wurde aus dem Platze Nkengemtandu bei dem unweit ge- legenen Dorfe Muyanga abgehalten.

Diefe Märkte sind höchst bezeichnend für das Volksleben int Eotlgogebirge ; das Küstengebiet hat nichts Aehnliches aufzuweisen. An beliebten und wichtigen Paukten kommen Tausende von Ein- geborenen zusammen, vorzugsweise aus der Nachbarschast, in ge- ringerer Anzahl aber auch aus ferneren Gegenden herbeieilend. Sie tauschen unter sich aus, was sie an Feldsrüchten, Haustieren lllld sonstigen Nahrungsmitteln sowie Werkzeugen und Geräten besitzen oder begehren. Die für den europäischen Handel wichtigen Landesproduete: Elfenbein, Kautschuk, Palmöl und andere sinden dagegen keinen Absatz und werden überhaupt nicht aus den Platz gebracht. Die Kitanba entspricht sonach unserem Wochenlnarke oder delll Jahrtllarke.

Selbstverständlich spielen die Frauen die Hauptrolle. Es finden sich aber auch viele Männer ein, Allgehörige aller Schichten der Bevölkerung. Bekanntschaften werden angeknüpft, intereffaute Neuigkeiten besprochen; man zeigt sich im Staate, lllan schwatzt und lacht, ißt und trink lllit einander, handelt und amüsirt sich. So gewinnt eine Kitanda zugleich den Eharaker eines eigenartigen Volksfestes.

Durch eilten Markmeister wird aus bellt Platze die Ordnung streng aufrecht erhakell, jeder Streit sogleich geschlichtet. Ver- pöllt siltd alle Vortomulniffe , welche den öffentlichen Frieden stören, eine Panik der erregten Menschenmenge erzeugen könnten, und schwer geahndet werden Prügeleien oder schlimmere Vorsälle. Ueberdies denk kaum Iemand daran, sich ungezogen oder gar ttuanständig zll betragen, sich wider die althergebrachten, bewährten Gebräuche und Formen des Verkehrs abzulehnen. Daher bleibt das lärmende Treibell, das tolle Gedränge der Markbesttcher geradezu musterhaft harmlos, und ein Bruch des Marttspiedens ist eilt die ganze Gegend für lange Zeit aufregendes Ereigniß.

Die Kitandeu wiederholen sich regelmäßig in schueller Folge, itt größeren, dicht bevölkerten Distrieten sogar Tag für Tag. In diesem Falle wechseln sie ab an verschiedenen Orten. Die Sammel., platze liegen stets aus Höhen , selten unmittelbar neben Dörsern, niemals innerhalb derselbell. Sie werdelt ttach den Tagen der Woche benannt, deren ilt jenen Gebieten ebenfalls nllr vier au.- genommen sind: Nsolla, Nkandn, Nkonsv, Nkellge" Findet ill der Gegend gleichzeitig noch eill zweiter Mark statt, so wird jeder durch eill gewöhnlich aus die .Oertlichkeit Bezug habendes Beiwort unterschieden.

So hieß der unweit Nkunga liegende Marktplatz Kitanda Nkenge-ntandu, das heißt der alt jedem vierten Tage wieder,- kehrende Markt allf der Ealllpille oder Grasslur, der aus dell Nkenge sollende Wieseumarkt. [327] Es war für uns ein glückliches Zusammentreffen , daß wir gerade an diesem Tage und in so sriiher Morgenstunde in Nkunga anlangten" Die nicht viel abseits von ullsereul Wege liegende Kitanda war noch nicht eröffnet , und wir beschlossen, die Verhältnisse nach Kräften auszuutttzell, nicht nur um das vol.l.sthüm- liche Treidelt zu beobachten, souderlt auch möglichst viele spetlndschast- liche Beziehungell anzukuüpsen" Freilich war es nicht leicht, Zutrift zu dem Marke zu erlangen, da die Eingehorelteit, zur Vermeidung von Unzuträglichkeiten, weit und breit als lmverbrüchliches Gesell allsgestetk hatten, daß Europäer lllld ihre bewaffneten Karawanen die Märke nicht besuchen sollten. Wir aber beredeten den Häupt ling, für uns zu wirten, gewannen die Weiber für unser Vorhaben und marschirten kltrz entschlossen mit ihnen ab"

Wir bildeten einen buntgemischten Zug. Wohl an hulldert schwer tragellde Frauen, Mädchen und Kinder solgtett wacker aus^ schreitend im Gänsemarsch dem schmalen, leicht abwärts sührendell Pfade. ^tischen ihnen verstreut befanden sich meine Leute ; wir beiden Europäer beschlossen die Karawane. Die Lust war lloch frisch und erguickend, die grasigen Höhen glänzten im Strahle der Morgensonne , während die lllit leichten Nebelschwadett erfüllten Schluchtelt noch im Schattelt lagen. Plauderud und scherzend ging es ritstig vorwärts. Zttr Abwechselung improvisirte die eine oder andere der Frauen eiueu rerikrenden Markgesang, in welchen der Ehor vollkrästig ernster. Die eigentümlichen , obwohl llicht immer harmollischelt Klänge wirken im Freien nicht übel uud hallten weithin über Berg llnd Thal. Allch llltsere Sallsibari gaben ekiche ihrer viel melodischeren Gesänge zum Bestell" Von Ntch und Fern, von den Höhen und aus den Tiefell kamen ant- wortende Stimmelt und mancher herzhaste Iattchzer wurde doppelt uttd dreifach zurückgegeben"

Allenthalben sah man Menschen vereinzelt, zu mehreren fowie in Schaarell die vielgewundellelt Pfade allf- llnd absteigen ulld dem vor uns liegenden Mttyanga zustreben; singend, rufend uud zeitweilig anhaltend, um nach uns herüberzuschatteu" Mindele, Mindele (weiße Lente) verlandeten vielstimmige Rufe und pflanzten sich fort von Berg zu Berg.

Wo andere Pfade einmündeten , da warteten Gruppen von neugierigen Frauen und fügten sich dem lärmenden Zuge eiu, der allmählich zu doppelter .Länge anwuchs" Als wir ill die letzte tiefe Schlucht kletterten, wurde uns allf halber Höhe Halt geboten. Unten in dem von üppigem Ballmwttchs beschirmten Bächlein Miansi wasch und badete sich erst das weibliche Geschlecht, so lange hatten wir zu rasten. Kreischen, Gelächter lllld lustiges Genlätscher schallte heraus: Neckereien flogen hin und wieder, bis endlich der Weg freigegeben war.

Mühsam stiegen wir hinab, noch mühsamer wieder hoch hinaus. Oben von der Höhe schatlte eine erregte, schreiende Menge aus uus nieder, nnter welche sich die uns Vorteilenden mischten. Unsere Vorsicht, znr Beruhigung der Gemüther einen die Trompete blasenden Herold vorattfznsenden , erwies sich als überflüssig: die längst von nnserem Voryaben nnterrichteten ..Nark besuch er erhoben keinen Einwand. So legten wir dellll wohlgelnnth den Nest des Psades zurück und gelaugten aus den Berggipsel" Vor uns, zwischen Oelpafmen und Bananen versteckt, lag das Dörschen Mttyanga, dahinter ein Wäldchen von prächtig entwickelten Bäumen. Vou jenseits desselben drang uns ein betäubender verwirrter Lärm ent- gegen, wie er entsteht, wenn Hunderte voll Menschen mit Aufbietung aller Kräste zugleich schreien und sprechen : manchmal schwoll der- selbe zu unglaublicher Stärke all" Wir brauchten keinen Führer, um den Ort zu sinden" Das Dors tlltd den Wald umgehend, betraten wir die Kitanda.

Aus einem sonst geneigten Abhang dehnte sich ein großer Platz mit temleugleich festgetretenem Boden : die obere Hälfte wurde von einzelnen Bäumen beschattet, die untere war dem vollen Sonnenbrande ausgefetzt. Auf letzterer hatten fich die Markbesttcher versammelt, Hunderte von Frauen, Mädchen und Kindern standen dort, mit ihren Lasten noch auf den Köpfen, schwatzend bei einander oder ruhten auf dem Boden hockend nach dem beschwerlichen Marsche. Hunderte zogen noch fern unb nah aus den schmalen Pfaden heran. Die Anwesenden wendeten sich uns zu, wie gebannt die weißen Männer anstaunend, voll denen die meisten bisher ja nur gehört haften. Für einen Augenblick war eine fast unheimliche Stille

eingetreten, dallu aber erhob sich der gewaltige Lärtn um so stärker. Niemand zeigte Flucht, allch das Statuten verwattdelte sich bald itl nlllsterllde Neugier, und nicht lauge, so übte sich schou der immer bereite Witz des Völkchens an den seltsamen Fremdlingen,

Nach einer solchen Aufnahme kollntell wir unbefangen am Nande des Wäldchens rillen Lagerplatz wählen nlld das Zelt ans, schlagen lassell" Unter einem Baume des oberelt Platzes sitzend, vermochten wir das Treibelt aus dem unteren mit Mnße zu be- trachten. Dort verehrte man in altgewohnter Weise, als ^ wären wir gar nicht vorhanden : die nett Hinzukommenden jedoch blieben immer wieder wie angewurzelt vor uns stehen oder nähertell sich trttppweise, um uns wie Schaustücke ill Augenschein zu uehlueu.

Es war höchst ergötzlich zu beobachten, welchen Eindruck wir aus die Leute machten, wie verschiedenartig tlnser plötzliches Er- scheinen aufgefaßt wurde. Da war die ahnungsvvlle Alte, die von ferue bedenkliche Blicke herüberwarf, datttt kopfschüttelnd und murmelnd fich abwendete, mit dem dumpfen Gefühle , das habe sicherlich etwas zu bedeuten. Junge Weiber in .Gruppen drängten fich dichter heran, darnnter felbstbewltßte und ernst aussehende : andere kichernd, sich gegenseitig anstoßend ltnd nach ltns weisend. Dreistere redeten utts sogar an und vertallgten einzeltte unserer Habseligkeiten zu betasten. Manche Kinder folgten zutraulich unserem Nufe ultd ließen sich in stummer Verwunderung eine Messingschelle in das Händchen legen, ein paar Glasperlen ttiit den Hals hängen: andere wagten sich nicht zu uns und lugten, lllit delt Fingern im Munde, hinter ihren Müttern hervor" Viele der Kleinen aber erhoben ein Zetergeschrei, wenn sie voll den willigell Angehörigen herbeigetragen werden sollten. Sie flüchteten sich vor dem weißen Manne, wie unsere Kinder sich vor dem schwarzen fürchten. Die jungen Mädchen besriedigten ihre Nettgier ausnahmslos von Weitem, sich mit anmutender Scheuheit zurückhaltend.

Hübsche Gesichter und Gestalten , welche sich unter den tuest- sicher wohnenden Basulldi häusig findett, konntett wir unter den Babuende nur selten entdecken. Das Weibervolk um uns bildete keine Ausnahme von der Negel" Trachtelt und Schul ttck waren dagegen eigenartig ltnd intereffattt" Die Kleidung beschränke sich im besten Falle aus die mittlere Partie des Körpers, welche ein von der Hüfte bis zum Knie fallendes weißes oder buntes Stück Batlmwollenzeng verhüllte.

Die Köpfe Vieler zeigten seltsame Frisuren. Theils war das Haar mittelst Oel und Kohle gewissermaßen zu locker liegenden Beeren und Würsichen vereint, theils war es ohne diese häßliche Beigabe ilt kurze, dünne Zäpschen geflochten, die fich eltg an den Kopf schmiegten" Bei Anordnung der letzteren hatten die Haar- künstler ihrer Phantasie freien Lauf gelaffen, sie von oben llach nuten, von vorn nach hinten und umgekehrt sowie ill schräger Richtung reihenweis itl die wunderlichsten Formell gezwungen" Manche Weiber hatten nicht nur ihr Haar, sondern auch die Ge,. sichter mit Oel und Kohle schwarzglättzend eingerieben, andere wieder stak dessen eine leuchtend rote Erde verwandt"

Geschmackvoller ertvies sich der Schmuck. Hübsche singer- breite Stirtlbäuder von weißen, rosafarbenen und blauen Zahl- perlen stauben manchen Gesichtern recht gut: allch lllu Hals ltnd Oberarm getragene mehrfache Schnüre von größerelt lasnrblanell Brllchperlen wirken sehr hübsch auf der warm dunkelbraunen Haut. Eill breites Band von Ballmwollenstoff oder auch von bunten Perlell angesertigt, voll delll öfters noch zahlreiche Perlen- schnüre ttiederhittgen, wurde vielfach unter den Armen um den sonst etttblößtett Oberkörper getragen. . Darin steckte dalttt die nnentbehr- liche Pfeife, die bei Anderen im Hüstenkeide oder im Haare be- festigt war. Mütter trugen ihre Säuglinge aus dem Rücken in das Hüstentuch eingebunden, wo nicht selten auch ein paar gackernde Hühner oder auch ein lustig krähender Hahn noch Platz falld.

Während des Beschauens lllld Veobachteus war die zehnte Stunde herangekommen" Der uutere Platz war gefüllt, und der Markt hatte begollltell. Wir hattelt llus genugsam betrachten lassen, hattell durch unser freundliches Entgegenkommen das Ver- trauen der Markgänger gewonnen und dursten uns versichert halten, daß wir keine Störung verursachen würden. So mischten wir uns denn unbefangen in das Gewühl.

(Schluß folgt.)