Im Congoland/Congofahrt im Gebirge bis nach Bivi

Textdaten
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Autor: Dr. Pechuel-Loesche
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Titel: Congofahrt im Gebirge bis nach Bivi
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 45, S. 730–734
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1883
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Im Congoland.
Von Dr. Pechuel-Loesche.
3. Congofahrt im Gebirge bis nach Bivi.


Die Gartenlaube (1883) b 730.jpg

Comoensia maxima.

Nach drei- bis vierstündiger Fahrt von Ponta da Lenha läßt der Dampfer das flache Land hinter sich, und folgt nun dem Stromlauf im Gebirge. Die Uferhöhen rücken ziemlich jäh einander näher und beginnen die Gewässer einzuengen. Die erste Kette felsiger Hügel erstreckt sich quer zur Richtung des Flußbettes von Südosten nach Nordwesten. Am Südufer erhebt sich der unbedeutende, steil abfallende Fetischfelsen, ihm gegenüber, doch werter oberhalb, am Nordufer, der Blitzfelsen, an dessen grasigem Gipfel eine hohe natürliche Steinsäule aufragt. Zwischen diesen beiden Landmarken wälzen sich die hier ungetheilten Gewässer des vier Kilometer breiten Congo wie durch ein Thor hinaus in die Niederung. Während der Dampfer von dem Fetischfelsen allmählich nach dem Nordufer hinübersteuert, tauchen die weißgetünchten Gebäude von Boma aus. Dort liegen, bis auf eine gesichert gegen das bedeutendste Hochwasser des Congo, in langer Reihe mehrere holländische sowie portugiesische Factoreien und je ein englisches, französisches und belgisches Haus. Eine französische Mission ist ebenfalls auf einem sehr günstigen Platze angelegt worden.

Bis vor Kurzem war Boma der am weitesten vorgeschobene Handelsplatz am Nordufer des Congo, und darum besonders wichtig, weil dorthin, wie bereits zur Zeit des Sclavenhandels, die Karawanen aus dem nördlichen Berglande kommen, die jetzt freilich nicht mehr Menschen, sondern Landesproducte bringen. Die Ansiedelung liegt weit freundlicher und gesünder als alle Factoreien der Niederung. Unbedeutende grasige Hügel umgeben sie, vor ihr rauscht der breite Congo, der hier wiederum durch eine große in holländischen Besitz übergegangene Insel getheilt wird. Herr Greshoff, der Abtheilungschef, hat daselbst Plantagen angelegt und den arbeitsunfähig gewordenen eingeborenen Bediensteten des Hauses eine Heimstätte geschaffen, wo sie in behaglicher Ruhe ihr Leben beschließen können.

Die Hochlande des Congo sind vor allem ausgezeichnet durch ihre Waldarmuth. Die Höhen um Boma tragen diese ganz besonders zur Schau und müssen schon seit langer Zeit gleich verödet gewesen sein; denn die nur in waldlosen Gebieten gedeihenden Affenbrodbäume stehen daselbst in auffälliger Anzahl allenthalben locker verstreut und haben eine theilweise erstaunliche Entwickelung erreicht. Einer, der als der hervorragendste unter den Riesenbäumen Bomas genannt zu werden verdient, der außer vielen anderen Namen von Besuchern auch den des vielseitigsten praktischen Kenners von Afrika, Richard Burton 1863, eingeschnitten trägt, mißt in Manneshöhe über dem Boden zwölf bis vierzehn Meter im Umfang. Seine breit ausgelegte, schön geformte Krone ist [731] 

^,^l^vv^.^^ Besitzer des Grundstückes, einent Portugiesen, leider ' der mächtigstett Aeste beraubt , und damit ist das stolze Wahri^lllfen .te^.^as für immer verttustaltet worden. Auf der

gegenüber liegenden holländischen Iusel haben wir indessen im ver,, .t^^ aufgesunden, welcher sogar

zwanzig Meter im Umfange mißt und gleich herrlich tvie der erst- erwä^te geltmchsen ist. Er steht jedoch abseits, von Gestrüpp tmtgeben und wird selten besucht werden.

.^er Viehstand Bomas ist der reichste des Eongogebietes. ^cht nur giebt es dort die untergeordneten Hanschiere in Menge und in schonen Arten, sondern man sieht im Schatten der Affen,, brodbäume auch Nittder^erden - ein seltener Anblick, denn an der Küste sind, mit Ausnahme von Mnanda und Landana, alle Besuche gescheitert, Ninder einzubürgern. Stromaufwärts sinden fi^ 'sich nochnmf^ in der holländischen Faetorei zu Musulu am Südufer, und im verflossenen Jahre hat sie Herr O. Lindner auch nach Vidi eingeführt. In Botna und Musuku ist in Folge dessett allch der niedliche und originelle Kuhreiher in großer Zahl ztt finden , der uuhekümtnert aus großem und kleinem Hausgethier helmnsteigt und das Ungeziefer abliest. Da er sowohl wie die nützliche ^chwa't:,zweiße Kirche an den genalluten .Orten von jeder Verfolgung ausgeschlossen ist, geberdet er sich ungemeitt zutraulich.

Herr Greshoss, tvie Herr de Vloelue in Bauaua ein großer Thier^etlnd, ist unter anderem auch der glückliche Besitzer einer ^ami^ie von reizenden Ztvergatttilopen, die vollkommen frei lebett und ^Vorliebe die Wohnzimmer besuchen" Lara, die älteste und ^mfte derselben, ein verzogener Liebling, maßt sich das Necht an, gegen fremde Eingeborene eine strenge Hauspolizei all^ztlübetl.

oberhalb Boma blieb der Schisssvertehr bis in das letzte Jahr^chnt ^t verchältnißniäßig beschränkter; man begnügte sich. die Verbindung mit etlichen ant Südufer vorgeschobenen Faetoreien lllll trist großer Segelboote zu unterhalten. Die Holländer sandten ^indessen chre. Dampfer bald bis Mnsukit hinaus. In sehr srüher Zeit waren verwegene Selavenhändler mit ihren guten Schoo nern bereits bis Nok und in die Nachbarschaft von Vivi gesegelt"

Als Tuckey 1810 seine so unglücklich verlausende Expedition nach dem oberen Eongo unternahm , wurde von Keuueru des Stromes vorgeschlagen. mittelst kleiner starker Dampser bis zu den .^elalasällen .vorzudringen; Eonsul N. Burton, welcher die letzteren im Jahre , 10^ 'besuchte , befürwortete ^ denselben Plan. Herr Stanley führte ihtt im Jahre l8^0 aus indem er mit feinen keinen .e^lltpfet.'n bis nach Vivi vordrang, dabei sogar die unter,, halb derStation liegende erste schwache Stromschnelle Nkasi '.^elala (^riä.u^ ^fau) glücklich überwindend.

. '^itdettt wird diese Strecke. die indessen noch einige taufend .^.i.l^ Grenze der Schisjbarieit endet,

regrit^a^g befahren, und auch die Holländer senden ihren neuen, sehr stattlichen Dampser "Mooriau" seit einem Jahre bis ttach Angoango oberhalb Noki.

Vou Boma an vertäust das Flußbett in mehreren Biegungen osttvärts bis Musuku, dauu auf eiite kürzere Entfernung uord- w.tr^, bis Noki und Vivi wiederholt fich dieselbe Gestaltung in .t^inet.ept Maßstabe, Aus ersterer Strecke schwank die Breite des t^ongo zwischen 000 und ...500 Meter, weiterhiu uähern sich die

User auf 1.200 und '^00 Meter.

^ Die holländische Insel zur Nechteu, die drei Kilolueter ober- halb liegende, hart an das Norduser geschmiegte große Insel Mbtuu Mboma zur Liuken lassend, setzt der Dampser ant nächsten '^rgen seine Neise sort. An einzelnen Punkteu hat er bereits ntit einer .it^utendeu Strömung zu kämpfen, die über zwei Meter Geschwindig.^k in der Seeunde erreicht, also etwa gleich ist der der Donau hei Ulm und der des Rheines bei Basel während rine^ Hochwassers.

^ , Der Eongo ist jedoch zu breit und lies , sein Bett zu un- eben, als daß diese starke Strömung sich gleichmäßig über die ^^.t^^e geltend machen könnte. Nauschen an einer Stelle die Gewässer mächtig abwärts, so wälzen sie sich an einer anderen auswärts, während zwischen diesen Hauptströmungen wiederum untergeordnete m verschiedeneu Richtungen vordringen und ver- hällnißtnäßrg ruhig kreisende Flächen eingeschaltet sind. Znweilen bilden sich an den Rändern derselben ansehnliche Wirbel oder schäuntende Wassermassen brechen plötzlich mit erstaunlicher Heftig- feit hervor, als ob eine Riesenauelle im Flusse aufsprudelte.

Die ge triftige Wafserbewegung schwank jedoch stetig inner- halb sehr weiter Grenzen und bietet sehr selten für längere Zeit den nämlichen Anblick. So mag wohl der Dampfer zeitweilig eine ihntgünstige Strömung oder ruhige Flußparke benutzen, aber plötzlich wird er wie von unsichtbaren Mächten hin,, und her,- geschoben, sodaß er weit sich überneigt und nur widerwillig dem Steuer gehorcht, oder er wird jetzt rasend schnell vorwärts o.e.- trieben, jetzt wie dnrch Zauberei an einer Stelle sestgehalten, während die Marine in jähem Wechsel bald übermäßig arbeitet uttd rasselt, bald stillstehen zu wollen scheint. Ie mehr man sich Vivi nähert, um so stärker äußern sich diese Verhältnisse.

An der hügeligen Insel Mbnku Mbolna entlang versolgt das ^ ^ahrzt^g seinen Weg. Die Höhen krönen mächtige Steinbocke ^ ttnd Wälle, die an Burgruinen erinnertt, wirres Gestrüpp bekeidet die Steilhänge, am Wasserrand stehen Gruppen bau ..Oespalmen uttd wilden Dattespalmen zwischen staklichen vie^^n Wald-, bäumen, die dem vielverschlungeuen im Wiude schaukelnden Ranken,- , netze mannigfaltiger Lianen zur Stütze dienen. Hier an diesem unbewohnten und nur selten besuchten Stück Land erfreut matt sich zum ersten Male an reizvollen, obwohl eng nmrahmten Land,- schastsbildern. In srüher Morgenstunde kann man hier auch noch Assen, Banden lustiger Meerkatzen beobachten, die sreilich in der Regel nur der Eingeweihte entdeckt, während der Ungeübte nichts erblickt, als heftig bewegtes Gezweig.

Oberhalb Mbnku Mbotna liegt das Inselchen Tschisala in,- mitten zahlreicher Klippen, unter welchen eine, gleich einem Obelisken, etwa siedelt Meter hoch auspagt. Die Oberhäuptlinge des Distrietes werden auf diefem Eilande beerdigt. Der einsame Friedhof birgt jedoch auch drei vergessene Gräber von Enropäern, dreier der wissenschastlichen Begleiter Tuckey's: Erauch, Tudor, Galwey. Sie starben, wie viele ihrer Unglücksgenossen, an Fieber nlld Entkräftung auf dem E,rpeditionsschiss "Eongo", welches l8l0 bis hierher den Fluß hinaussegelte und tu der gegen überliegenden Einbiegung am Südufer verankert wurde.

Bis Musuku, das in vier bis fünf Stunden erreicht wird, nimmt nutt der Eongo eine sehr bedeutende Breite alt und gleicht fast eiuem Gebirgssee. Hier und dort ruht ein Felseueilaud im Wasser. Rechts und links enden hart ant Ufer eine große Au,- zahl eng all einauder gedrängter Höhenzüge, welche durch schmale, schluchtenähnliche. Thäler getrennt sind und nur selten einer Höhe voll dreihundert Meter sich uähern. Die Grate und steilen Hänge silld unbewaldet und gleichmäßig mit wogenden Gräsern bestanden ; lockeres Gestrüpp, sowie einsame Gebüschknmpen vermögen den öden Berghalden keinen Reiz zu verleihen. Erblickt man riumal aus einem sernen Gipset ein Gehölz, so dars man mit Sicherheit schließen, daß es ein Dors der Eingeborenen beschattet und von den letzteren vor Vernichtung bewahrt wird. Diese Seenerie^bleibt delll Eongo allenthalben getreu. Am Fuße der jäh in den Fluß absalleuden Höhen zeigt sich jedoch stellenweise etwas Baum wuchs, und . wo in tieseren Buchten Schwemmland abgesetzt ist, da .erheben sich aus den auellähnlicheu Flächen die bekaunteu starren Fächerpalmen unb im Hiutergrmtde Grnppen von Assenbrodbänmen und Oel,- pallnen. Zur Trockenzeit, wenn die Gräser abgestorben sind und das Hochland in braune und goldige Töne kleiden, wirk die Seenerie am schönsten.

Dennoch entspricht sie nicht im Geringsten den allgemeinen Vorstelligen' von der Pracht und dem Reichthame der Vegetation in tropischen Gebieten. Immer wieder wird man bei der Eongo- sahrt im Gebirge an den Rhein erinnert, obwohl die anmuthende i Stassa.)e fehlt, der Strom viel breiter ist und die Höhenzüge zu niedrig sind.

Iu Musutu, am Süduser des Eongo, sind eine holländische, eine französische, sowie mehrere portugiesische Faetoreien errichtet, welche Produrte des südlichen Gebirgslandes eintauschen. Von diesem Punke hat man stromaus nach Norden eine lohnende Aus,- ficht aus eine der reizvollsten und zugleich anl meisten charakteri- frischen Partien (siehe die Abbildung S. '.'Z2) des ganzen Eongo- gebirges bis zum Stanley Pool. Eng gedrängt steigen die Er,, hebungen hinter einander zu etwa dreihundert Meter Höhe auf, eiu Stück Bergland bildend, das zwar gut zu betrachten, aber, wie die meisten Theile des Gebirges, außerord^tlich schwierig zu durchwandern ist.

Von Musuku geht, mit Benutzung einer theilweise rückläufigen Strömung, die Fahrt am linken User hin tusch von Statten bis [732] ^ ^2 ^

zur nächsten Ecke, wo der ttm den Diamolldselsen wendende Dampfer plötzlich gegen einen gewaltigen Wasserschwall anzu- kämpfen hat. Ist dieser überwunden, dautt wittkell bereits in der Ferne die Faetoreien von Nvki, die in anderthaldstüudiger Fahrt vvn Musukll erreicht werden. Hier weudet sich der Fluß aber- mals eine kurze Strecke nach Norden. An dieser, etwas oberhalb Nok und ebenfalls am Südufer, liegen die neuerdings errichteten Faetoreien von Angoango, bis wohin die holländischen Dampfer fahren, und unweit davon grüßt die jüngst angelegte, ausgezeichnet eingerichtete Niederlassung der unter Herrtt Eonlber's Leitung stehenden englischen Baptistelt, Mission, welche sich am Südufer des Eongo bereits bis zum Stanley,-Pool festgesetzt hat. Gegenüber Noki und Angoango stehen auf einem niedrigen hübscheu Plateau und hohen Userleisten neben Aflenbrodbänmen die letzten Fächer- palmen in bedentender Anzahl. Hinter Nok und Vidi gegenüber-

Meter weit in Minuten nur Zoll um Zoll, Fuß um Fuß vorwärts, zuweilen seststehend oder sogar der Wucht des Waflers weichend. An dieser gefährlichen Ecke verlor Herr Stanley bei dem Beginne des Unternehmens ein mit Gütern beladenes eisernes Lastboot. Es wurde von dem anstürmenden Wafler auf die Seite gelegt, süllte sich und versank mit seiner werthvollen Ladung.

Auch dem scharsgebauteu Dampfer wird übel mitgespiek bei dem jähen Eintreten in diese Strötnung; er schwank und ueigt sich, wird hin und her getrieben, bis er diese bisher schlimmste Stelle endlich hinter sich hat. Am anderelt User liegt die letzte portugiesische Faetvrei zwischen einigen Baumgruppen am Fuße eines steilen, nach Osten gestreckten Hügels. Wie dieser sich all^ mählich beim Vorrücken des Dampfers verschiebt, öffnet sich der Blick auf eine letzte Krümmung des Eongo und plötzlich tritt .^ivi in den Gesichtskrris.

^.llit auf die .Fachkunde vom t^augo.

Nach Origiualaufuahuteu 1)r" Pechuel^Loesche^ aus ^olz ge^eichuet oon .nros A. (^oeriug.

liegend, steigt bis etwa zu sechshundert Meter der höchste Berg des Gebietes an. Und Angoango schräg gegenüber erhebt sich wohl an hundert Meter hoch eine senkrechte, vielfach zerküftete und düster -rothe Felswand" Sie umgrenzt den Teufelskeffel, eine wildromantische Partie des Flußlaufes, wo die von Osten heran,, stürmenden Flttthen aufschäumend gegen das Gestein prallen nnd südwärts abweichen. Anfang November vorigen Jahres erschienen anf der Höhe dieser Felswand unerwarteter Weise einmal fünf Elephanten ; von den schlenuigst übersetzenden jagdlustigen Faetoristeu tvurde einer derselben erlegt. Die Thiere sind sehr seltene uud uur zufällige Gäste in dieser Gegend.

Wie um Diantondfelfen bei der Fahrt von Mufuku, so trifft auch an der uahen Ecke der Dampfer auf eine gewaltige Strömung, die durchschnittlich volle drei Meter Geschwindigkeit in der Seeunde besitzt und. bei den^ wie bereits geschildert, plötzlich eintretenden Veränderungen zuweilen noch schneller, manchmal aber auch laug- samer läust. Die Maschinen arbeiten mit äußerster Kraft, und dennoch rückt das Fahrzeug dicht am Südufer einige huudert

Vom Nordufer, von eiuetn fast baumlosen, frei aussaugenden Hügelsporn und ueunzig Meter über dem Eongo thronend, grüßen die weißgetünchten Holzhäuser herab. Hoch und sicher wie eine Festung und freundlich wie eine Villenstadt sind sie von Weitem anzuschalten. Znr Linken liegt das Dors der Sansibari und ein wenig tiefer, am Anhange, das der zahlreichen angestellten Kabinda., träger.

Dem Südufer treu bleibend legt der Dampfer mühsam die kurze Strecke bis zur nächsten Biegung zurück. Dort liegt eiu schöner Landungsplatz , Matadi, bis wohin der keine Dampfer "Livingstvne" die Güter für die im Inland eingerichteten Stationen der englischen Livingstone-Mission befördert. Bis dorthin schaffte Tnckey'. bereits 1010 .seine großen Segelboote, und von dort kreuzte er den Fluß auf demselben Wege, den nuu der Dampfer ein,- schlägt. Mit voller Kraft schießt er an dem vom Südufer aus- geheudeu Vorlaud entlaug und in gleicher Richtnug guer über den Strom. Um ihu wogen und wallen die Gewässer uud wälzen sich schäumend unaushaltsam durch das über tausend Meter [733] v^

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breite Bett, anfgnellend, als wallte die Masse überkochen, und iu allen Richtungen wirbelnd utld kreisend. Hin und wieder geschleudert und nicht 'im Stande, für zwanzig Meter einen geraden Eues zu steuern, erreicht endlich der Dampfer untechalb eines Felfeneilandes eine r^i^ere Ausweitung des nördlichen Ufers, wo der Luftt eiu- mündet. .^n dieser Bucht halteu sich gelegentlich nach einige Hippapa- kamen auf und mehrere vallwüchsige, sehr scheue Krakadile haben selbst ihr Standguartier.

Zur Zeit des Hochwassers länst der Dampser in eine aberhalb des Eilandes gelegene winzige Bucht ein : Belgigue Ereek, wo auch Tuckey einst seine Baate befestigte und vau wo er seinen unheil- vollen, in Anbetracht der Vechältnisse jedach außerardentlich ersalg- reichen Marsch antrat, auf welchem er weit über Isangila hinans gelangte und van dart an den Eanga wieder schiffbar fand. Da der Lattdungsplatz schon benamtt war, haben wir seinent Gedächtnisse zu Ehren das hübsch bewaldete Felfeueiland Tuckey-Insel getauft.

überwarfen tverden. An eine Rettung der Menschen wäre nicht zu denken;. selbst der geübteste Schwimmer würde die Strttdel und Wirbel nicht überwinden können. Endlich ist auch diese schlimmste ^tr^cke überwunden, und der Dantpfer legt gerade unter dem Plateau vott Vivi am sandigen Ufer fest.

Hier beginnt Herrn Stanley^ breiter Weg , der nach l.nks an demstellen Hange emporsichrt; von hier aus hat der uner,- mudliche Arbeiter sein ganzes ungeheures Material hinans nach Vivi und von dort aus über das Gebirg., cheils zu Land, theils wiederum zu Wasser, nach dem Stanley,-Pool geschafft. Der Ausstieg nach Vidi ist verhältnißmäßig beguem für dieses Berg- land, doch immerhiu anstrengend genug. Die geebnete Höhe ist lang und schmal" Atts derselben stehen rechts und links ant Hange wet^getnnchte niedrige Holzhäuser, theils als Wohuungeu, theils als Niederlagen dienend, sowie mehrere große Magazine von Stein, Holz oder Eisen. Zwischen ihnen zieht sich ein umzäunter

Station '^ibi am .^augo.

Nach Originalaujuahmen 4)r. Pechuel.Loesche's auf .^olz gezeichnet oon snr^. ^ Goering.

Oberhalb Belgigtte Ereek schieben sich eine Reihe van Fels- riegeltt mit zwischengelagertett Sandbänken vor, welche bei Nieder- waffer teilweise trocken liegen. Die nntersten setzen sich als Klsppenreihe dnrch die größere Halste des hier siebenhnndert Meter bretten Stromes in der Richtung nach dem südlichen Vorlaube fort. ^iese Klsppen bedingen die erste schwache Stromschnelle: Nkasi ^elala, ....lelalas Fran.

Bei niedrigem Wasserstande vermag der Dampfer diese ztt ^.^windest, indent er dnrch die nördlichste Ninne stenert. Er rnht danneine Weile hinter der Tuckey-Insel, um Dampf anfztttnachen für die letzte größte Kraftleistnug" Daun schießt er an Belgiaue Ereek vorüber, nttt den untersten Felsertwall wendend, mit scharfem Anlanf hineitt in den gewaltigen ungebrochenen Strom der Nittne, für etwa zweihundert Meter wiedertttn nur Zoll für Zoll vorrückend.

Beginge der Steuermann, ein Kabinda, einen Fehler, bräche etwas an der Maschine, so wäre das dünnwandige stählerne Fahr- zeug in dell meisten Fällen vertpren; es würde aus die Felsen geschleudert und vau dem Auprall des Wassers zerdrückt oder

Garten entlang, in welchem wegen Wassermangel kaum andere Pflanzen gedeihen als anspruchslose Melonenbäume, die jedoch immerhiu nur recht geriuge Früchte liefern

Am Eude der Höhe voll Vivi, wo sie steil uach demEougo abstürzt, ist ein keiues erhöhtes Plateau hergestellt, aus welchem, die uutereu beiden Häuserreihen abschließend, ein größeres Holz- haus mit Oberbau errichtet ist. Dahiuter, auf dem höchsten Punkte, erhebt sich der Flaggenmast, und hart am Hange hat Herr 1tr. von Danckelman seilt keines meteorologisches .Observa- torinm eingerichtet, welches, obwohl immer noch unvollkommen, die einzige Freistätte der Wissenschast in der Expedition ist. Vott hier aus gettießt man eitteu schöueu Nnndblick auf den unten ranschenden Eanga mit seinen Uferhöheu, den gegeuüberliegeuden höchsten Berg vau Naki, auf den rückwärts von Vivi steck auf- ragenden, an dreihundert Meter hohen Leapaldstein und uord- wärts aus die Höhen, über welchen der Stanley,-Weg nach dem Inneren führt.

Gleich den übrigen Partien des Gebirges entbehrt die Um-

Nr. 45, [734] von Vivi der reichhaltigen Vegetation. Die hohen Gräser, untermischt mit Zwergbäumen und Buschwerk, beherrschen Hügel und Hange; blos an einigen Stellen der Bachbctten und des Congo-Users stehen Waldbäume in lichten Reihen. Auf den öden Berghalden findet sich hier zum ersten Male die Camoensia maxima Gehe Abbildung S. 730). Sie entwickelt vorzugsweise Während der Trockenzeit lockere Sträuße ihrer schön gestalteten, vornehmen, zart weißen Müthen, welche einen betäubenden Orangenduft aushauchen und bisweilen die Größe einer Hand erreichen. Der sonst unscheinbare, Ruthen wie Ranken treibende und wenig belaubte Strauch ist eine der Charakterpflanzen des Hochlandes.

Oberhalb Vivi, wo der Congo von links zwischen den jäh abfallenden Bergwänden hervorkommt, mündet am Südufer der wildbachähnliche Mposofluß, Von dort setzen die Eingeborenen in Canoes über den Strom. Bor seiner Mündung liegen einige spärlich bebuschte Klippen: die Burton-Klippen. Wir haben sie Conful Burton zu Ehren so benannt. Denn dort übernachtete der unermüdliche Reisende, der von Afrika mehr gesehen hat, als irgend ein Anderer, und von dort kreuzte er den Congo, als er, 1863 von Noki über Land dahin gelangt, als der erste Europäer nach Tuckey’s Expedition bis zu den Yelalafällen vordrang.

Der Aelala liegt hinter den Bergen versteckt, in gerader Linie etwa sechs Kilometer von Bivi entfernt; indessen bildet der Congo, wie bereits Tuckey und Burton hervorheben, dort nicht einen Wasserfall, sondern nur eine ungeheure, etwa zwei Kilometer lange, durch zahlreiche Klippen verursachte Stromschnelle. Zu manchen Zeiten schallt deren tiefes, mächtig vibrirendes Tosen deutlich bis nach Vivi herüber.