Etwas von der Kolportage

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Titel: Etwas von der Kolportage
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aus: Die Gartenlaube, Heft 2, S. 36
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1894
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[36] Etwas von der Kolportage. Ein großer Teil unseres deutschen Publikums denkt bei den Korten „Kolporteur“ und „Kolportage“ nur an dunkle Gestalten, welche die Hintertreppen auf und ab steigen und unreifen Jünglingen, naiven Kindermädchen oder sensationslüsternen Küchenfeen irgend ein von Blut und Grausen erfülltes Machwerk in unbestimmt vielen Lieferungen aufschwatzen. Diejenigen unserer Leser, welche unter anderem auch die „Gartenlaube“ durch den Kolporteur erhalten, wissen es besser, und in der That ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, daß der Kolportagebuchhandel hauptsächlich oder gar ausschließlich mit dem sogenannten „Schauerroman“ sich abgebe. Vielmehr bestehen mindestens 90 Prozent der durch Kolportage im weitesten Sinne vertriebenen Litteratur aus durchaus guten volkstümlichen Zeitschriften und Büchern, großen und kleinen Sammelwerken, Atlanten u. dgl. m. Es giebt in Deutschland verkehrsarme Gegenden, in denen der Kolporteur und vielleicht noch der Buchbinder die einzigen Vermittler litterarischer Erzeugnisse bilden, die also, wenn man den Kolporteur aus ihrem wirtschaftlichen Getriebe striche, von jeder Berührung mit dem litterarischen Leben der Nation so gut wie vollständig ausgeschlossen würden. Und nicht bloß hier, auch in Landesteilen mit besser entwickeltem Verkehr, mit vielen und guten Sortimentsbuchhandlungen, spielt der von Haus zu Haus wandernde Kolporteur wie der buchhändlerische Geschäftsreisende eine Rolle von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Der größte Teil der gewerblichen Fachzeitschriften, Vorlagensammlungen und technischen Bücher aller Art würde ohne persönliches Angebot überhaupt nicht verkauft werden; denn die Leute, für welche diese Werke bestimmt sind und welche daraus Nutzen ziehen sollen, kommen selten oder nie dazu, einen Buchladen aufzusuchen, um sich mit neuen Erscheinungen aus ihrem Fache zu versorgen, ja sie erhalten vielfach gar keine Kenntnis von deren Vorhandensein. Lediglich der Kolporteur ist es, welcher sie darauf aufmerksam macht und dadurch zur Hebung der gewerblichen Leistungsfähigkeit ein wesentliches Teil mit beiträgt.

Endlich beruht die Billigkeit so vieler großer, schöner und gediegener Zeitschriften, Nachschlagewerke etc. nur auf dem durch die Mitwirkung des Kolporteurs geförderten Massenabsatz.

Unter diesen Umständen hieße es das Kind mit dem Bade ausschütten, wenn man um vereinzelter Mißstände willen den ganzen Kolportagebuchhandel lahmlegen, ja vernichten wollte. Und es giebt Leute, welche darauf ausgehen und ihren Bestrebungen schon wiederholt, und auch jetzt wieder in Abänderungsanträgen zur Deutschen Gewerbeordnung Ausdruck verliehen haben. Sie möchten gerne den Vertrieb von Schriftwerken außerhalb der Buchläden aufs äußerste erschwert und die Ausübung des Reise- und Kolportagebuchhandels von der Prüfung der Bedürfnisfrage durch die zuständige Behörde abhängig gemacht sehen. Was wäre aber die Folge, wenn sie ihr Ziel erreichten? Nicht bloß würden zahlreiche fleißige und gewissenhafte Angehörige des Kolporteurgewerbes außer Brot gesetzt, auch der ganze deutsche Buchhandel und weiterhin die ihm in die Hände arbeitenden Geschäfte der Papierfabrikanten, Buchdrucker, Buchbinder, Holzschneider etc. kämen aufs schwerste zu Schaden, das deutsche Volk aber ginge eines regsamen Vermittlers von Wissen und Bildung verlustig. Gegen den schwindelhaften und unsittlichen Kolportagebuchhandel giebt es bereits Gesetze; den ehrlichen und anständigen lasse man in Frieden seines Amtes walten!