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Ein angeblich völlig gefahrloser Leuchtstoff

Textdaten
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Titel: Ein angeblich völlig gefahrloser Leuchtstoff
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 49, S. 811–812
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1880
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[811] Einen angeblich völlig gefahrlosen Leuchtstoff, der ja in unserer Zeit der Lampen-Explosionen eine große Rolle spielen könnte, da er ebenso hell, wenn nicht heller als Petroleum leuchtet und nicht erheblich theurer zu stehen kommen soll, will ein russischer Ingenieur von Kordig erfunden haben. In einer October-Sitzung der Berliner Polytechnischen Gesellschaft bewies er dessen Unfähigkeit, andere Gegenstände in Brand zu setzen. Kordig besprengte sich den Rock mit dem Material, entzündete dasselbe und glich so einer Neronischen Christenfackel, ohne an Leib und Kleidung Schaden zu nehmen, ja die Wirkung der lebenden Feuersäule wurde noch erhöht, indem auch der Hut befeuchtet und in Brand gesetzt wurde. Damit man nicht glauben sollte, daß die Kleider besonders präparirt seien, stellten auch andere Mitglieder der Versammlung die Experimente an sich selbst an. Ein Feuerkreis, dessen Flammen mehrere Fuß hoch aufloderten und der durch Aufgießen auf den Parquetfußboden erzeugt war, hinterließ keine Brandflecken und der Erfinder trat unverletzt aus demselben hervor etc.

Auch in geschlossenen Gefäßen mit Luft vermengt, soll der Leuchtstoff völlig gefahrlos sein. Kordig entzündete zum Beweise dafür ein halbgefülltes Gefäß am Ausguß und Deckel zugleich, ohne daß eine Explosion erfolgte. Hierzu ist allerdings zu bemerken, daß dieser Versuch gar nichts beweist und daß jeder fein zertheilbare oder flüchtige Körper, der sich mit Luft mengen läßt, wenn er nur überhaupt brennbar ist, Ursache zu heftigen Explosionen werden kann, sogar Getreidemehl und das Pulver morscher Balken, wie dies schlimme Erfahrungen bewiesen haben. Da der Stoff leichter ist als Petroleum und seinem größeren Theile nach aus den flüchtigsten Antheilen des Erdöls, dem sogenannten Petroleum-Aether, Spiritus oder der Naphtha besteht, so besitzt er jedenfalls auch die Eigenschaft derselben, schon aus der Ferne Feuer zu fangen, und seine Verwendung ist daher wahrscheinlich nicht weniger gefährlich, als die des Benzins, welches schon so viele Opfer gefordert hat. Schon früher hatte man übrigens die Petroleum-Naphtha als [812] Leuchtstoff empfohlen und dazu auch die von Kordig benutzten Lampen construirt, deren Eigenthümlichkeit darin besteht, daß das Bassin mit einem porösen Stoffe ausgefüttert ist, welcher jedes Vergießen des Inhaltes unmöglich macht, sodaß sich die Lampe in der That für Handlaternen u. dergl. m. sehr empfehlen würde.

Der Leuchtstoff tritt durch einen Docht oder durch Löcher des Blechdeckels hervor. Die Lampe selbst kann als ungefährlich gelten, wenn man die Füllung stets bei Tage und an einem Orte vornimmt, an welchem sich kein offenes Feuer befindet, ihn selbst aber in wohl verschließbaren Blechflaschen aufbewahrt. Versuche einiger Chemiker haben ergeben, daß eine Mischung von Petroleum-Naphtha mit Alkohol oder Holzgeist alle Eigenschaften des Kordig’schen Leuchtstoffes besitzt, namentlich auch die, sehr hell zu brennen und Kleiderstoffe nicht leicht in Brand zu setzen, weil die Mischung eben überaus flüchtig ist und beim Brennen keine starke Hitze entwickelt. Eine ähnliche Mischung von Terpentinöl und Alkohol ist bekanntlich schon vor mehr als zwanzig Jahren von dem Techniker Lüdersdorff unter den Namen Camphine und tragbares Gas empfohlen und auch vielfach in eigenen von dem Erfinder construirten Lampen gebrannt worden. Der Zusatz hat den Zweck, den Kohlenstoffgehalt der Mischung herabzusetzen, sodaß eine vollständige Verbrennung und dadurch eine größere Helligkeit erzielt wird.