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Textdaten
Autor: unbekannt
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Titel: Neue Zeitung. Ein Rahtschluß der DienstMägde. Geschrieben auß dem Städtlein Mäidling / am MartinsTag / desselben Jahrs.
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Herausgeber:
Auflage:
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Erscheinungsdatum: ca. 1652
Verlag: Paul Fürst
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Erscheinungsort: Nürnberg
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Originalsubtitel:
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Quelle: im VD17 unter der Nummer 23:674584V
Kurzbeschreibung: Satire über die Faulheit der Dienstboten
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Neue Zeitung.
Ein Rahtschluß der DienstMägde.
Geschrieben auß dem Städtlein Mäidling / am MartinsTag / desselben Jahrs.


Ausschnitt 23 674584V.jpg


[Links] ALlhier ist etwas Neues passiret / mit denen Weibsstückern die man hier zu Land Mäide oder Mägde / anderswo Menscher / in NiderTeutschland Deerens nennet. Es kamen deren etliche (von welchen man saget / daß Eine derselben und zwo Gänse einen JahrMarck machen) auff einer Ecken des grossen Marckplatzes zusammen. Man kondte die Vögel leichtlich am Gesang erkennen. Sie schienen hurtiger zuseyn / mit dem Maule / als mit den Händen / rösch zum plaudern / faul aber zur Arbiet. Ihre Reden wurden behorchet / und man hat sie folgender gestalt einen Rath schliessen hören.

A. Die Beschließerin.

ES gefällt mir recht wol / ihr lieben Mäide / und ich hab es mit Freuden vernommen / daß es einmal so weit kommen ist / daß den stoltzen Frauen ihr Trotz nun wider vergolten wird / und sich ihrer wol Zehen umb eine Mäid nunmehr[1] schlagen / ja alle Gassen durch und bey allen Zubringerinnen nach einer fragen müssen. Nun hat sichs Blätlein umbgewand / weil die Mäide so theuer und die Frauen so wohlfeil worden / daß eine Frau nunmehr nur sechs Creutzer / eine Mäid aber zween Patzen gilt. Und wer wolte nun nit Ja darzu sagen / daß die Mäide güldne / die Frauen aber nur silberne Schuhe tragen sollen. Ich meines Theils / bin zwar keine Mäid / lasse mich auch daheim anderst nicht als Jungfrau nennen: Trette aber doch auff eure Seite / und gebe mein Ja auch darzu / daß wirs den Frauen nun nit bässer machen / als sie es uns vordessen gemacht. Wollen doch die Frauen jetzt überall Herr im Hause seyn: wer wolte dann die Mäide verdencken / wann sie es wett machen / und auch begehren Frauen zuseyn. Ich vorwahr bin es meiner Frauen nicht geständig / mir von ihr verbieten zulassen / daß ich mich nit eben so tolle / als sie sich / kleide / und nit spatzieren gehe / wann und so offt es mir beliebet. Und wolte sie dieses / und anders mehr / nit leiden: Ich frage nit einen Birnstiel nach ihr und ihrem BettelLohn / Ich kan wol vor mich sitzen / und mich mit Spitzen würcken oder bey der TabackArbeit ernehren. Ich möchte in einem solchen Hauß auch nit / nur abgemahlt seyn.

B. Die KindsMäid.

REcht so! Bey dem Creutz / ich halts auch mit. Ich laß mir eine Frau nicht zur Ehe geben / ich verschwere mich zu keiner / bin auch vor keine allein nit geboren. Ha! die Mäide sind jetzt Zucker / aber die Frauen ein alltäglichs Käß und Brod / ja [Mitte] ich meine / die Mäide sind weiß Brod / und die Frauen nur schwartz Brod worden. O ich fresse mich an einer allein nit satt oder todt. Ich weiß eine Frau / die darff wol sechs Mäide unter einem Ziel dingen: wie solt es dann einer Mäid eine Schande seyn / sechs Dienste in einem Ziel haben? Sind doch vor jede Mäid ein gantz dutzet Frauen im Lande / ja es ist ihr keine Hand sondern ein gantz Land voll. Will mich die eine nit / die andre leckt wol die Finger nach mir. Und die mich haben will / deren werde ich nicht zu theil / sie verspreche mir dann das vollige Wiegengeld. So muß sie mir auch nichts vor übel haben / wann ich mit dem jungen Banckart nit so gar säuberlich umbgienge / ihme fluchte / und es etwan wol gar zum Krüppel machete. Wer wird allemahl können hinten und vornen seyn? Ich muß auch iemahl nach den Buben umbsehen / ich kan die Augen nit alleweil am Kind haben. Und beym Hagel / sage sie mir etwas deßwegen / ich wolte bey der Nacht davon gehen wann es nimmer Tag wäre.

C. Die Köchinn.

DAs wohl / Ja / ja / du hast viel meines Sinns. Es träumet mir auch offt von solchen Schwäncken. Ich muß noch lachen / wann ich daran dencke / wie ich meiner letzten Frauen / dem Trollen / die nit eine Suppen kochen kondte / den Korb vor die Füsse geworffen. Nein / nein / wir Mäide müssen uns nimmer so wolfeil machen lassen; wir müssen einmal die schlimmen Frauen fromm machen. Ich diene geringer nicht / als umb zwölff Gulden Lohn / und den Tag mein Maß Bier. Sonsten habe ich etliche Tugenden an mir / die muß ihr meine Frau nur gefallen lassen. Wann ich beym Brunnen das Fleisch gewaschen / so pflegt mir je zuweilen ein Hund im Plaudern ein Stück zuverzucken / daß ichs also nur halb wieder in die Küche bring. Beym Feuer und vorm Heerde stehe ich nicht gern: dann das macht ein rauch Gesicht. Die Tochter oder Jungfrau im Hauß kans eher thun / dann die hat Geld / und bekommet wol einen Mann: Uns Mägde aber muß das schön Gesicht verkauffen. Das Fleisch bringe ich zu zeiten hart und noch halbroh / die Fische noch blutig / und anders Essen halb verdorben zu Tisch: eben darumb / weil ich langsam Feuer mache / und nit gern lang davor stehe. So verstehe ich mich auch meisterlich auffs Krüg- und Dopfbrechen / und auffs Zinnverkrüppeln. So pflege ich auch die Woche nit öffter als einmal auffzuspühlen / und die Kuchen zureinigen. Uber alles dieses muß meine Frau nit murren oder kollern / sondern vielmehr sagen: Hab danck / liebe Magd / du hast gar recht gethan. Dann ich will [Rechts] durchauß nit unrecht haben / kan auch nicht leiden / daß man mich straffe / und mit einrede. Ich will recht haben / und muß Recht überbleiben. Fragt man mich etwan / wann ich heim komme / wo ich so lang gewesen? so weiß ich / ohne Husten oder rothwerden / 10. Lügen daher zusagen. Und die muß man glauben / oder ich fang einen Lärmen an. Gefällts der Herrschafft nicht / so sag ich: Frau / vor der Thür ist draussen. Seht euch nach einer andern Mäid umb.

D. Die HaußMäid.

SO geht die Uhr recht! Ich hab auch schon außgelernt / die Naßweisen Frauen zu trutzen und zu putzen. Botz Chrysam! es wäre noch was feines / wann wirs dahin bringen köndten / daß alle Frauen sich von uns müsten meistern lassen. Ich zwar / habe es schon so weit gebracht / daß mir meine Frau muß ein Unter Mäydlein halten / offt wol selber gehen und mich wieder heimholen / wann sie mich außgeschickt. Dann ich kan so bald nit wieder zu Hauß kommen: Es gibt unterwegs viel zu reden / sonderlich beym Brunnen und zu Waschau / wann ich Wasser hole. Es gibt auch etwan eine Hochzeit / Leiche / oder sonst etwas Neues zusehen. Nur diß geheyt mich / daß meine Frau nit so verständig werden will / mir einen Stul zuschicken / wann ich mich auf der Gassen müde gestanden und geplaudert. Das vornembste ist / daß ich nit gern arbeite: viel schwatze / und wenig verrichte. Mir ist genug / wann das Hauß in vier Wochen einmal gekehret wird: ich erspare auch dadurch der Herrschafft viel Geld vor Besen. Hund und Katzen leide ich auch nicht: dann wer wolte immer so viel krumme Eyer ausm Weg thun / und die Sergen auffwischen. Deß Nachts beym Liecht spinnen / spat zu Bette gehen / und früh wieder auffstehen / davor weiß ich mich auch wol zu hüten. Steht die Frau gern früh auff / so mag sie auch im Winter die Stube selber warm machen. Käme es aber / daß mich eine Lust ankäme / deß Abends meinen Buhlen unter die Haußthür zubescheiden / oder sonsten auff der Schau zustehen so lasse sich meine Frau ja nit gelüsten / mich hinauff zu ruffen / und mir das Haus zuverschliessen. Dann ich laß nur die Thür anderst nicht / als am Hintern / zumachen. Wie gefällt dir meine Weiß / Gretl?

E. Die BaurMäid.

HA! was wolts seyn? Mir gefällts auff mein Ayd recht wol. Mir Möidl auffm Land / machens beym Sackertaich auch nit anderst. In unsrem Dorff sind die Mäid eben so theuer / als in der Stadt. Wir haben nun alle vier Zipfel am GraßTuch in die Händ bekommen / Wir geben dem Bauern und der Bäuerin kein guts Wort mehr. Ich zwar nimm wenger nicht als 20. Gulden Lohn: Aber ich mag nit viel davor thun. Am Sontag / gehe ich zum Dantz / und die WercktagNächt im Winter in die Rockenstuben: da kan ich guten Muht haben mit den hübschen Knechten. Das muß die Bäurin nur leiden / sie seh süß oder sauer darzu. Wann auch die Knechte Nachts bey mir fenstern gehen / darff sie kein Wörtl dawider sagen: Und thät sie es / der Klamm erschlag mich / ich wolt ihr das hinter Fenster weisen / zu gut solt sie mir nit seyn: Ich wolte davon gehen / vnd ihr den Hof voll Arbeit lassen.


DIeses war der schöne Schnatter-Klapper-Raht dieses Erbarn Pätschleins. Vnd so viel der / der sie behorchet / über das erzehlet / so haben sie nachgebents sich dahin mit einander vergleichen / sie wollens an ein Ehrlöbl Gerichte zu Metz und zu Magdeburg gelang’n lassen / und ein Mandat oder Dreket[2] aufbringen / daß man sie bey obbeschriebenen ihren rühmlichen Sitten verbleiben lasse / und sie daran im geringsten nicht jrre oder verhintre. Was sie nun daselbst erlangen / und wie es ablauffen werde / wird die Zeit eröffnen. Meines Bedünckens wäre diesem Mäid- und BauerStoltz (daran der Teuffel den Hintern wischt) leichtlich vorzubeugen / wann die Obern einmütiglich scharffe Auffsicht einwendeten und etliche solche Bestien / andern zum Abscheu / Exemplarisch abstraffeten. Die Frommen / so treu und fleissig dienen / seind hierunter nit gemeint / etc.

Zufinden bey Paulus Fürsten / Kunsthändlern in Nürnberg.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. nunmhr Vorlage
  2. wohl Dekret gemeint