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Titel: Ein Berliner Künstlerfest
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aus: Die Gartenlaube, Heft 14, S. 236–237
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Ein Berliner Künstlerfest.

Neben dem Einflusse der großen öffentlichen Monumentalbauten hat es wesentlich die Gründerzeit bewirkt, daß die Reichshauptstadt wieder zu einer Kunstbildungsstätte von Bedeutung erhoben wurde; denn besonders dem gewaltigen Aufschwunge, den die Production von Kunstwerken durch das Luxusbedürfniß dieser Periode nahm, ist es zu danken, wenn man dem früheren kläglichen, kopflosen, bureaukratisch beaufsichtigten Provisorium endlich von oben her ein Ende machte und die Akademie von Berlin vor gänzlichem Verfalle rettete, indem man ihr jenen jugendlich schmächtigen, aber von rücksichtsloser Energie und Zähigkeit wie von burschikoser Laune und geistiger Frische in jeder Faser erfüllten Anton von Werner zum Director gab. Von dem Moment ab, wo das Genie dieses Mannes mit Hülfe der einheimischen Kräfte von moderner Bedeutung und anderer Gehülfen, die er aus dem übrigen Deutschland herbeigezogen, das Institut zu regeneriren begann, erscheint die Kunstakademie von Berlin wenigstens in ihrem Lehrerapparat auf der Höhe, welche der Hauptstadt des neuen deutschen Reiches würdig ist. Und ob auch die Reorganisation sonst noch in den Windeln liegt, ob auch die alten Classenformen, der alte Raummangel und damit zusammenhängend der Mangel an Meisterateliers (nur Knaus und von Werner unter den Malern besitzen ein solches) bis jetzt bestehen: die völlige Umgestaltung des Instituts ist doch verbürgt, und jetzt schon – welch ein frischer Geist weht durch diese Berliner Schule! Man muß Anton von Werner kennen, um zu begreifen, wie sich alle Haare auf den Häuptern der alten Geheimraths-Bureaukraten sträuben mußten bei dem Gedanken, das gerade Gegentheil von zopfiger Würde und diplomatisch geschliffenem Anstande auf dem Präsidentenstuhle eines staatlichen Instituts von solcher Bedeutung zu sehen, – einen Mann, der durch nichts Respect einflößt, als durch sein Genie und die hinreißende, rücksichtslose Kraft seines Wesens.

Zwei Richtungen modernster Art theilen sich in die wichtigen Lehrstühle: jener Realismus, welcher im Großen und Ganzen nur malt, was man auch gesehen haben könnte, und welcher die Charakteristik, das Individuelle gegenüber der classischen Schönheitsschablone bevorzugt, und der Naturalismus eines Gussow, dessen Symbol das gelbe Schnupftuch geworden ist, das er so gern malt, des Meisters, von dem man behauptet, daß er einen photographischen Apparat im Auge habe. Gussow, der, nebenbei bemerkt, ein ausgezeichnetes Lehrtalent besitzt, ist jedenfalls ein Farbengenie ersten Ranges, aber ein abgesagter Gegner der Idee in der Malerei, ein Naturalist vom reinsten Wasser. Der Realismus ist in der deutschen Reichshauptstadt an der Spree sehr reich vertreten, zumal unter den Malern. Zu seiner Fahne schwören fast alle übrigen Häupter der Berliner Malerei, wie nachfolgende Namen zeigen: der Altmeister A. Menzel, Anton von Werner, Paul Meyerheim, Knaus; in der Sculptur neigt ausgesprochen R. Begas zu ihnen. Diese Elemente bedingen zweifellos die nächste Zukunft der Berliner bildenden Kunst, obschon die Akademie ausdrücklich das „Schule machen“ ablehnt und nur eine gründliche technische Ausbildung für den jungen Nachwuchs anstreben, die Richtung des eigenen Schaffens aber dann völlig der individuellen Neigung überlassen will. Wie groß der Einfluß der genannten Kunstprincipien schon jetzt auf die verschiedenen Schattirungen des älteren Idealismus ist, welche in Berlin officielle oder private Ateliers innehaben, kann man auf Schritt und Tritt gewahren.

Jedenfalls giebt es vorläufig alle möglichen Richtungen in den Kreisen der Berliner Kunst, und unter dem weiten Dache des „Vereins Berliner Künstler“, an dessen Spitze seit lange der allbeliebte Steffeck steht, vereinigen sich alle Elemente in munterer Geselligkeit. Leider fehlt dem eigenen Dache noch das eigene Haus; bis der Sammelfonds zu einem Künstlerhause die ausreichende Ziffer aufweisen wird, müssen die künstlerisch ausgeschmückten Miethsräume im Industriegebäude Unterkunft gewahren.

Für das diesmalige Winterfest, zu dem mit Rücksicht auf den Ausfall des vorjährigen ungewöhnliche Anstrengungen gemacht waren, hatte man sogar zu den Räumen des Kroll’schen Theaters gegriffen. Die Berliner Künstlerschaft sollte glanzvoll repräsentirt werden. Die kurz vorhergegangene Tizian-Feier konnte man trefflich in einem „Tizian-Feste“ nachklingen lassen. Julius Lohmeyer, der Begründer der unvergleichlichen „Deutschen Jugend“, hatte das eigentliche Festspiel gedichtet, von dessen ernster Haltung zwei dramatische Producte tollsten Künstlerhumors in heitere Festlaune zurücklenken sollten. Ein „Costümfest“ war angekündigt und zwar eines – ohne Damen. Das schwere Unrecht, das in dieser letzten Bestimmung enthalten war, hatte die Gewissen der Festveranstalter doch dermaßen beschwert, daß die Generalprobe, welche den Nachmittag des 16. März ausfüllte, zu einer Vorstellung für die schöneren Hälften der Künstlerschaft und ihrer Mäcenaten und Freunde ausgestaltet worden war. Sie waren denn auch zu dem sehr zweifelhaften Genusse erschienen – den sich übrigens auch Prinz Georg, der Dramatiker, vergönnte – und Julius Wolff, der reichbegabte Aventiurendichter, hatte sich in einem launigen Prologe alle Mühe gegeben, die Sühne für den Ausschluß vom Abende durch ein reuiges Bekenntniß vollständig zu machen.

Endlich sinkt die Dunkelheit über Berlin.

Vor dem Kroll’schen Etablissement rasselt Droschke nach Droschke heran, um sich wundersam verkleideter Insassen zu entledigen und den weiten, lichtbestrahlten, zum Saale umgewandelten Fond des Theaters füllen zu helfen. Spät erst schlüpfen wir hinein durch ein Spalier von Landsknechten, stattlichen Gestalten im „echten“ Costüme – denn „echt“ will der Künstler das Costüm haben, und mitleidige Blicke treffen den Unglücklichen, der aus historisch nicht gezügelter Phantasie oder aus Sparsamkeitsrücksichten die Trachtenbestandtheile der Jahrhunderte schnöde zusammenwirft. Nur ein Großer in der Kunst darf es, etwa in humoristischer Absicht, wagen: er bietet Garantie genug gegen den Verdacht mangelhafter Kenntnisse. Die Landsknechte mustern uns, und da wir weder im „Knallbonbonanzuge“ noch als „Kammerherren, Kattunmönche etc.“ auftreten, welche Trachten die Karte verpönt, so passiren wir unaufgehalten.

Welch ein lustiges, farbenprächtiges Gewühl! Das Auge schweift erst geblendet über das wogende Durcheinander, ehe es durch ein paar auffallende Erscheinungen auf die Einzelheiten gelenkt wird. Die Charakterfigur, die historische Tracht herrscht fast unbedingt. Reich vertreten ist besonders das Venedig des 15. und 16. Jahrhunderts, vom Dogen bis zum Fischer, aber auch die Trachten anderer Länder aus der nämlichen Zeit. War doch Venedig ein Sammelpunkt für Typen von aller Welt her. Zahlreich sind die Angehörigen des geistlichen Standes, die Cardinäle, Bischöfe, Mönche. Aber von einer durchgehenden Rücksicht auf die Tizian-Zeit ist keine Rede. Dort schreitet ein echter Incroyable aus der französischen Revolutionszeit neben einem riesigen Assyrer, der die altassyrische Kinnbart-Ergänzung vermittelst eines Wachsstocks mit vorgebogener Spitze hergestellt hat; Ritter und Eskimos, Mauren und das zierliche Rococo-Costüm daneben; ein Marokkaner, mit sicher echtem Costüme: denn der Träger ist Ludwig Pietsch, und die Kleider und Waffen sind ein Geschenk des Kaisers von Marokko an diesen; Chinesen (darunter zwei wirkliche), auch eine entzückend hübsche, vollendet imitirte Japanesin, von Kriegern ihres Landes geleitet und mit reizender Koketterie japanesische Bildchen und Schriften vertheilend, neben etlichen der Feuerwehr angehörigen Mohren; hier ein gut erkennbarer Napoleon der Erste, dort ein ungemein antik wirkender Nero, und da, mit stoischer Ruhe das Getümmel durchschreitend, ein Tabaksmonopol-Bismarck, der ein paar Fuß weniger an Größe aufweist, als das Original, und der ein offenes Kästchen mit Cigarren auf der Brust trägt. Er mahnt schon ein wenig wie Caricatur, und es fehlt nicht ganz an wirklichen Caricaturen, wie jenes Baby von sechs Fuß mit Puppe und Spielzeug zeigt, das, sich gegen die Liebkosungen der Umstehenden sträubend, ängstlich die Schürze der Amme festhält.

Wir wenden uns endlich durch ein paar Ausrufe der Ungeduld an das Festspiel erinnert, das eigentlich längst hätte beginnen sollen, der Bühne zu und bemerken jetzt erst, daß der Vorhang des Kroll’schen Theaters durch einen anderen offenbar nur für dieses Fest gemalten ersetzt ist. Hübner ist der Schöpfer, und das Werk lobt den Meister. Plötzlich fliegt ein Gerücht [237] durch den Saal: der Kronprinz kommt auf ein Stündchen; die Aufführung wird deshalb aufgehalten. Das Gerücht bestätigt sich; die Landsknechte, welche rechts vom Eingange bei ihrem fähnleingezierten Zelte ein mächtiges Faß Bier in Humpen zerlegen, rüsten sich schon, um einen Ehrentrunk zu präpariren.

Aber erst gegen halb zehn Uhr rasseln die Trommeln, und Commandorufe ertönen; endlich tritt die Ehrenwache allein in den Saal. Der Kronprinz hat es vorgezogen, die dort für ihn reservirte Tribüne mit einer der leeren Logen zu vertauschen; oben erscheint über der Balustrade das wohlbekannte Gesicht des leutseligen Fürsten, der nicht zum ersten Male der Gast des Künstlervolks ist.

Trommelwirbel, Fanfaren – im Dogengewande und von Hellebardieren geleitet, erscheint Rudolf Löwenstein, der Kladderadatsch-Gelehrte, und hält mit tönender Stimme die Begrüßungsrede an all das Volk, das zum Canale grande gewallfahrtet; ein Evviva! auf die Kunst, mit dem die launigen Worte schließen, findet jubelnde Aufnahme. Theuerkauf, der in allen Sätteln gerechte Vereinscomponist, dirigirt seine Fest-Ouvertüre, und der Vorhang rollt auf.

In zwei Acten spielt sich der „Tizian Vecellio“ Lohmeyer’s[1] ab, ein geschickt eingefädeltes Intriguenstück, das in poetisch glanzvoller Sprache dem Zwecke des Festspiels gerecht wird: eine weihevolle Stimmung zu Ehren des Titelhelden zu erzeugen und die Entfaltung eines Glanzes von scenischen Mitteln, einer Bilderpracht zu ernöglichen, die berauschend wirkt. Den Höhepunkt der Wirkung bezeichnet die Scene des zweiten Actes, in welcher die ehemalige Königin von Cypern, Katharina Cornaro, in der Verkleidung als Venetia vor dem zur Uebersiedelung nach Rom entschlossenen, weil vom hohen Rath gekränkten Tizian erscheint, um ihn zum Bleiben zu ermahnen. Fräulein Meyer vom Hoftheater hat diese Rolle übernommen; ihre Collegin, Fräulein Hofmeister, spielt die Braut Tizian’s. Auf dem Hintergrunde von Wilberg’s prächtigen venetianischen Landschaften wickelt sich das Stück ab, an den Glanzstellen von lautem Beifalle belohnt und am Schlusse zu dem unerläßlichen Festzuge überleitend, der sich von der Bühne herunter und zweimal um den Saal bewegt. Julius Lohmeyer ist der Erste gewesen, der seiner Zeit mit dem (jüngst auch bei Meister Lessing’s Jubiläum in Karlsruhe aufgeführten) Dürer-Festspiel in Berlin die feierliche Festpracht eingeführt hat, welche in München und Düsseldorf länger schon die dortigen Künstlerfeste mit strahlendem Märchenglanze umgeben. Und in der That: ein solcher Festzug ist von unbeschreiblicher Wirkung. Man höre!

Landsknechte mit Trommeln, Fahnenschwenker, ein Herold, Hellebardiere, Mohrensclaven, die einen mit Siegestrophäen und Gold- und Silbergeräthen reichbeladenen Wagen ziehen, Fahnenschwenker der Bannerträger mit dem Marcusbanner, der Doge, welchem Pagen die Mantelschleppe tragen, mit der ganzen Obrigkeit von Venedig, die fremden Gesandten, die Geistlichkeit, Alles in hoher Gala. Dann der prächtige Triumphwagen der Venetia mit goldenem Thronsessel, auf dem Fräulein Meyer vornehm prächtig als Cornara-Venetia unter ihrer phrygischen Mütze, einen silbernen Dreizack in der Hand, herunter lächelt. Sclaven mit Pfauenwedeln stehen ihr zur Seite; Pagen mit dem goldenen Buche und der Dogenmütze und kleine anmuthige Mädchengestalten in altrömischer Tracht, Rosenkränze im Haar, zieren den Wagen. Tizian (beiläufig: Maler Paulsen in prächtiger Maske) und Cäcilia, seine anmuthige Braut, folgen, dahinter Tizian’s Freunde, Künstler, Nobili und Bürger, ein Wagen mit dem reichausgeführten Schiffsmodell des „Bucentoro“, Schiffsvolk und Fischer, die im Netz ein Ungeheuer von Fisch tragen, endlich Chinesen, Japaner, Assyrier, welche die Spitze ihrer Wachsstockbärte angezündet haben, Flaggen von Cypern und Candia und das Banner des heiligen Theodor, zum Schluß wieder Hellebardiere.

Das ungefähr waren die Bestandtheile eines Zuges, dessen Pracht und Farbenreichthum jeder Beschreibung spottet. Nach seiner Rückkehr auf die Bühne schließt das Ganze mit einer Apotheose des Tizian.

Der Kronprinz hat seine Loge bereits verlassen. Der ganze Trubel löst sich auf und ergießt sich in die Tunnelräume des Erdgeschosses, während im Saale die Tafeln schnell hergerichtet werden. Der übrige dem leider nur allzulange vernachlässigten Magen und der Entfaltung übermüthigsten Künstlerhumors gewidmete Theil des Festes zieht sich bis zum Morgengrauen hin. Die großen Tischpausen dieses wunderlichen, in seinen Genüssen allerdings tadellosen Soupers, das erst gegen fünf Uhr mit den Compots und mit Eis schloß, verstatteten doch nicht recht, in zwanglosem Verkehr unter den bunten Trachten die Träger weitbekannter Namen aufzusuchen, von denen es wimmelte; denn ein ganzes Stück Kunst- und Literaturgeschichte saß da essend und plaudernd umher. Als daher der officielle Theil des Abends mit der Aufführung der beiden Festschwänke vorüber war (ein paar Toaste und die humoristische Erklärung der von Skarbina gezeichneten Tischkarte durch Rudolf Löwenstein fügten sich vor und hinter den ersten Schwank), da begann ein Ausschwärmen wie von Bienen, daß die Kellner nicht mehr wußten, wo sie ihre sehr schätzenswerthe Last an den Mann bringen sollten. –

Aber wir dürfen nicht so über die Festschwänke hinweggehen. Man denke sich nur ein musikalisches Quodlibet, wie es E. Jacobsen mit Capellmeister Steffens so hochkomisch zusammengestellt hatte und welches als „Arien-Fricassée, ein Rendezvous in der Wolfsschlucht“, in Scene ging: ein Zusammentreffen des Caspar aus dem „Freischütz“ und des Banditen Barbarino aus „Stradella“ mit dem in Geld- und Liebesnöthen schwebenden Grafen Almaviva beim Gastwirth Samuel in der Wolfsschlucht zu einem Wurstpicknick, zu dessen Herstellung die Wildsau aus dem „Freischütz“ geschlachtet worden! Der „steinerne Gast“ aus dem „Don Juan“ gab diesmal keine „Gastrolle“, sondern erschien im Gegentheil als Kellner. Ein paar der beliebtesten Bühnensänger – Woworski besonders durch Beifall ausgezeichnet – waren bei der Aufführung der tollen Farce betheiligt und sangen die besten Arien ihrer Rollen, natürlich mit sehr verändertem Text. Und nicht minder burlesk war die zweite Posse „Hamlet“, von dem naturwissenschaftlichen Humoristen Stinde, eine so geistreiche wie drollige Verarbeitung des Gegensatzes zwischen Idealismus und Realismus in der Malerei. Die komischste Figur darin ist Hamlet’s spukender Vater – nach seiner eignen Versicherung „der Geist, der, wie Jedermann weiß, der jetzigen Malerei fehlt“, ein wie ein weißer Mehlsack in Unterkleidern und Zipfelmütze umherwandelndes Individuum, welches lange Thonpfeifen raucht und einer wahren Manie des Pfeifenzerbrechens huldigt, nebenbei gelungene Couplets singt, wie: „O, welche Lust ein Geist zu sein!“ nach einer bekannten Melodie aus der weißen Dame. Ophelia gab der Verfasser selber, der sich eines ziemlich herculischen Gliederbaues und einer wahren Bärenstimme erfreut, und der Hamlet war ein Meisterstück von Coulissenreißerei.

„Heiter ist die Kunst“, das konnte der Zuschauer und Zuhörer bei diesen Schwänken mit Händen greifen. Aber die heitere Kunst amüsirte sich und Andere bei einer Temperatur, welche durch die guten Weine nicht herabgemindert wurde, die zu diesem Zwecke reichlich in Verwendung kamen.

Ziehen wir uns in die kühlen Kellerräume des Tunnels zurück! Der liebenswürdige Paul Thumann, der schönheitsgesättigte Poet mit Stift und Pinsel, als Zeichenlehrer eine der besten Kräfte des Berliner Instituts, winkt uns drunten. Bald haben wir Anton von Werner neben uns, welcher mit uns über die Beschickung der Pariser Ausstellung durch die deutsche Kunst und über Berliner Akademiezustände plaudert; das gemüthlich-derbe, rothe Gesicht Gussow’s, der seinen Eisenhelm mit der Rose und dem berühmten gelben Tuche auf den Tisch setzt, erscheint gleichfalls in nächster Nähe; noch mancher andere Held des Pinsels und der Feder kommt und geht. Nur unser freundlicher Tischnachbar Arthur Levysohn, der Ausgewiesene von Wien, der Begründer des „Deutschen Montagsblattes“, ist uns unwiederbringlich verloren – es ist schon Sonntag geworden – ein schlimmer Tag für den Redacteur einer Montagspost!

Und endlich kommt auch für uns der Kehraus. Es gewährt einen seltsamen Eindruck, wie ein paar der letzten Nachtschwärmer neben uns im Costüm italienischer Banditen müde an den phantastischen Wagen des Festzuges im Vorraum vorüber und in den grauen Morgen des Thiergartens hinausschwanken.

  1. Die drei Künstler-Festspiele des Dichters, welche der Verein zur Aufführung gebracht hat, darunter der „Tizian“, sind gelegentlich dieser Festaufführung bei Georg Stilke in Berlin in äußerst geschmackvoller Ausstattung erschienen      D. R.