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Die unterseeische Schifffahrt und W. Bauer’s Küstenbrander

Textdaten
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Autor: Friedrich Hofmann
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Titel: Die unterseeische Schifffahrt und W. Bauer’s Küstenbrander
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 35, S. 556–560
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1864
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Die unterseeische Schifffahrt und W. Bauer’s Küstenbrander.
Nach schriftlichen und mündlichen Mittheilungen des Erfinders.
Von Dr. Friedrich Hofmann.

Nicht zu neuen Kriegesschrecken
Einzig lockt sein Wasserhaus:
Zum Erschließen, zum Entdecken
Ziehet der Erfinder aus.
Hat der Brander seine Wache
Treu gethan am deutschen Strand,
Fährt er mit der Friedensflagge
In der Tiefe Wunderland.
In der Tiefe„Dorfbarbier“ Nr. 33, 1861.

„Seitdem wir gesehen haben, wie man mit dem Dampfe fährt, mit dem Blitze spricht und mit der Sonne malt – was man vor fünfzig Jahren für Wahnsinn erklärt haben würde –, seitdem haben wir nicht mehr das Recht, irgend eine Erfahrung kurzweg abzuleugnen, sondern nur noch die Befugniß, den Beweis durch das Experiment zu fordern.“ Diesen Satz müssen wir, vereint mit dem Ausspruche Humboldt’s Kosmos, I, S. 140): „Eine vornehm thuende Zweifelsucht, welche Thatsachen verwirft, ohne sie ergründen zu wollen, ist in einzelnen Fällen oft noch verderblicher, als unkritische Leichtgläubigkeit“ – an die Spitze dieses Aufsatzes stellen, weil solche Zweifelsucht gerade von wissenschaftlicher Seite her dem Erfinder der unterseeischen Schifffahrt vom ersten Anfang bis in die jüngste Zeit am schroffsten entgegengetreten ist.

Trotz dieser wenig ermuthigenden Thatsache, von der wir Proben, die uns von unserer Theilnahme für die Erfindungen Wilhelm Bauers abzulenken eifrig bemüht waren, in allerlei Form vorliegen haben, ließen wir uns keinen Augenblick in unserer Ueberzeugung von der principiellen Richtigkeit dieser kühnen Versuche eines Mannes aus dem Volke beirren, sondern förderten sie nach unseren Kräften, weil wir dies für unsere nationale Pflicht hielten.

Im Jahrgang 1861 (Nr. 41) machte die Gartenlaube zum ersten Mal ihren großen Leserkreis mit dem „deutschen Erfinder“ bekannt, indem sie den Untergang desselben mit dem ersten (schleswig-holsteinischen) Brandtaucher im Kieler Hafen und seine Rettung aus jener argen Gefahr schilderte und zur werkthätigen Theilnahme für den Mann aufrief.

Bauer hatte sich, durch die Erfolglosigkeit seiner Bemühungen für die Ausführung seiner unterseeischen Kriegsfahrzeuge zum deutschen Küstenschutz von ferneren Versuchen dafür abgeschreckt, der industriellen Ausbeute seiner Erfindung zugewandt. Die Gartenlaube nahm sich derselben sofort an, und die Gründung des „Central-Comité’s für Bauers deutsches Taucherwerk“, die Sammlung der nöthigen Mittel dazu und endlich die Hebung des baierischen Dampfers „Ludwig“ aus dem Bodensee waren die Erfolge ihrer Bestrebung.

Nach der Hebung des Ludwig, die in den Sommer des erregten Jubeljahres 1863 fiel, sollte in Bremen eine Aktiengesellschaft zur Ausbeute der in England patentirten Bauer’schen Erfindungen über Schiffhebung, Taucherkammer u. s. w. gegründet werden. Da führte der Tod des Dänenkönigs zum jüngsten schleswig-holsteinischen

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Die Gartenlaube (1864) b 557.jpg

Angriff in der Tiefe.     Wilhelm Bauer’s Küstenbrander.     Angriff am Niveau.

[558] Kriege, jenes Unternehmen mußte verschoben werden, die unterseeischen Kriegswerkzeuge traten wieder in den Vordergrund.

Der Charakter jenes Kriegs, der die Nation zu keiner opferfreudigen Begeisterung für denselben erheben konnte, drückte hemmend auch auf Bauer’s Plan, jetzt der anfänglichen Schutzlostgkeit der deutschen zur See mit seinem Küstenbrander abzuhelfen. Desto deutlicher hatte sich die Machtlosigkeit der Deutschen zur See herausgestellt; es bedurfte der äußersten Anstrengung der beiden deutschen Großmächte, um, und zwar erst am Ende des Kriegs, eine Seewehr aufzustellen, welche der des kleinen Dänemark im offenen Kampf die Spitze zu bieten vermocht hätte. Jeder stärkeren Seemacht gegenüber liegt Deutschland mit seinem blühenden Seehandel, mit der drittgrößten Handelsflotte der Welt, schutzlos da.

Zu dieser traurigen Aussicht tritt die Lehre für uns, die der nordamerikanische Krieg für den künftigen Seekampf giebt. Die Holzkolosse der alten Marine, aus denen größtentheils noch die deutsche Seemacht besteht, sind ohnmächtig geworden den Panzerschiffen gegenüber, und diese erkennen bereits in dem geschützteren Thurmschiffe, dem Monitor, den Stärkeren an. Wie viel Milionen würde Deutschland aufwenden müssen, um nur mit diesen gleichmächtigen Seewaffen seine Küsten gegen einen großen Feind schützen! Und doch kann nur wiederum ein Stärkerer uns den Sieg sichern.

Und dieser Stärkere ist’s, den Bauer’s kühne Erfindung uns bietet. In dem Küstenbrander kann Deutschland die Seewaffe gewinnen, die ihm, um den zehnfach geringeren Aufwand, die zehnfach stärkere Macht giebt, eine Uebermacht über jeden Gegner, und darum nehmen wir auch dieser Erfindung uns mit allem Eifer an.

Mögen nun unsere Leser uns gestatten, sie in das Wesen der in unterseeischen Schifffahrt von Bauer selbst einführen zu lassen, indem wir hinsichtlich der Persönlichkeit und Schicksale desselben auf das verweisen, was wir in frühern Artikeln (namentlich 1862, Nr. 36 und 39) der Gartenlaube über ihn mitgetheilt haben.

Die hohe Schule unsers Erfinders war die Natur; Forschungstrieb und glückliche Auffassung führten ihn, oft auf mühevollem Pfade, oft auf leichten Wegen, zu Resultaten, welche dem Gelehrten seine Bücher bieten. Erst viel später griff auch er zu diesen Büchern, und er mußte darnach greifen, weil er die Pflicht fühlte, die Bücken, die sein Bildungsgang in seinen Kenntnissen gelassen, auszufüllen. Immer aber blieb die Natur seine hohe Schule, sie allein hat ihm den Weg zu seiner Erfindung, der unterseeischen Schifffahrt, gezeigt. Folgen wir einer seiner originellen Auseinandersetzungen hierüber. Er sagt in seiner drastischen Weise:

„Die Natur hat uns keine Thiere in die Meere gegeben, welche, ähnlich wie unsere Schiffe, gehalten sind, lediglich auf der Oberfläche des Wassers ihr Leben zu führen, sondern hat sie strenge zertheilt, indem die einen als Wasserthiere ihre freie Bewegung zwischen Oberfläche und Grund der See, die andern als Luftthiere zwischen der Wasseroberfläche und dem Aether angewiesen erhielten, selbst in diesem Bewegungskreis sind wieder Räume von bestimmten Größen den einzelnen Arten der Thiere angewiesen; der Sperling steigt nimmermehr zur Höhe des Adlerfluges auf, ein flachgebauter Fisch nimmermehr in die Tiefe der Grundfische hinab. Der Einwurf, es gebe fliegende Fische und tauchende Vögel, fällt von selbst, sobald die Frage des ständigen Verhaltens dieser Thiere zu den kleinen Ausschreitungen ihrer Fähigkeit aufgeworfen wird; ist diese erweiterte Ausrüstung ihrer Bewegungsfähigkeit ein Naturspiel, aber kein absolutes Bedürfniß für dieselben und uns.

Alle Seethiere, von der Qualle bis zum Walfisch, entziehen ich bei Eintritt des Sturmes der schlagenden Wirkung der Wellenbewegung, weil diese auf ihren Mechanismus erschütternd und schädlich einwirken würde. Aber auch der Adler zieht sich in seinen Horst, der Sperling unter sein Dach, der Waldvogel geht herunter auf die sturmgeschützten Aeste und Sträucher.

Nur der Mensch als schaffender Geist versuchte es, die von der Natur nicht sehr benützte Oberfläche der See zu seinem Arbeitsfelde zu erheben. Er schuf schwimmende Schiffe und vertraut diesen seine Werthe im Handel und Leben; – aber schwach, wie er selbst, hinkt sein Machwerk nur langsam dem Naturvorbild nach, es ist der Spielball der Wellen und des Windes, es ist kaum eine Sandkorngröße den Gewalten der Natur gegenüber, es zerstäubt am Felsenriff wie Meeresschaum, und doch ist es trotz all seines Nichts und seiner Gebrechlichkeit eine menschlich große werthe Schöpfung. Doch wie der Geist des Menschen sich höher und höher schwingt, so dringt er auch immer tiefer ein in die Naturkräfte der Thiere wie der Welten.

Ich bin in diesem Dränge zunächst den Seethieren gefolgt und fand, daß es möglich sei, durch die heutigen Mittel der Technik ein vom Menschen beseelbares Gebäude zu schaffen, welches uns gestattet, gleich dem Fisch der sturmgepeitschten Woge und ihren Schlägen uns zu entziehen; ich fand, daß es möglich sei, dieses vom Menschen beseelte Thier in allen Richtungen auf und unter der Oberfläche des Wassers zu bewegen, und wagte es, das schwächliche Geschöpf der Welt zur Ausbildung und Erstarkung, ,dem Freund zu Wehr und Nutz, dem Feind zu Schad’ und Trutz’, zu übergeben. Ich lernte durch eigene praktische Erfahrung den Werth eines solchen Seegebäudes immer mehr und mehr erkennen, und aus der kleinen Puppe von 1849 (wie sie in der Erzählung vom Untergang des ersten Brandtauchers im Hafen von Kiel – Gartenl. Nr. 41. 1861 – geschildert ist) entwickelte sich als ein strammer Knabe der Küstenbrander, der, an des Vaters Hand erstarkend, der Schrecken der alten Tante Flotte werden wird, denn auf seiner Stirn ist der Todespfeil gezeichnet, den er als Mann ihr in das Herz drückt. Aber mächtig, wie der Mann im Kampfe ist, schützt er sein Haus und dessen Wohlfahrt im Frieden. Jedes Glied an seinem Körper ist dann dem Dienst des Fortschritts geweiht, er leiht seine Arme der Industrie für Perlen-, Gold- und Korallenfischen, für Telegraphie und baut sein unterseeisches Haus, die Taucherkammer, zur Erforschung der Natur in den noch undurchschauten Tiefen der Meere. Naht aber mit feindseliger List die alte zänkische Tante Flotte dem deutschen Strand, dann tritt er ihr mit seinem eisernen Leib als Küstenbrander entgegen, während er dem Freunde sich erschließt und ihm die Seele öffnet, die ihn schützt und nährt, wenn Sturm und Graus den Wogenbusen der See hebt und senkt zum frühen Grab für Tausende.“

In dieser Erklärung Bauer’s ist die unendliche Tragweite der unterseeischen Schifffahrt greifbar klar vor unser Auge geführt. Wir haben aber von den vielen Richtungen, nach welchen hin die Submarine auszubeuten ist, hier vor allen die des Küstenbranders näher zu beschauen. Unsere Illustration stellt uns denselben in seiner doppelten Thätigkeit dar.

Der Küstenbrander, sagt Bauer, ist in der Form annähernd der des Walfisches und aus Eisen gebaut, besitzt eine Maschine von circa 100 Pferdekraft, welche das Fahrzeug so lange auf der Oberfläche der See mit großer Schnelligkeit fortbewegt, bis es in die Kanonenschußweite zum feindlichen Schiff gelangt. Dort angekommen, oder auch bei Nacht ganz nahe an dem Schiff, taucht es bis unter den Tiefgang desselben, d. h. bei Linienschiffen bis 30 Fuß Tiefe, fährt dann unter demselben entweder längs dem Kiel oder auch quer hin, ohne sich selbst mit dem feindlichen Schiff in Verbindung zu setzen. Ist der Brander nun an der gewünschten Stelle angekommen, so entzündet der im Kopf desselben durch die Fenster schauende Führer die Explosionsladung des im Vordertheil ersichtlichen Geschützschwimmers, durch welchen nun ein ungeheueres Sprenggeschoß von unten auf in den Schiffskörper eingetrieben und ein Loch von circa 1½ bis 2 Fuß Durchmesser eingebrochen wird. Dem Wasser ist somit ein so geräumiger Zutritt gestattet, daß an ein Verstopfen des Lecks oder Auspumpen des Schiffs kaum gedacht werden kann.

Die Eigenthümlichkeit der hier angewendeten Triebkraft und Maschinen gestattet, daß der Küstenbrander in Fällen, wo sich die feindlichen Schiffe entweder nahe an seichtes Land legen oder unterseeische Sandbänke aufsuchen, um gegen die gefürchteten Angriffe von unten geschützt zu sein, erst recht gereizt gleich einem Raubfisch die Macht seiner Bewegungs- und Angriffsfähigkeit entwickelt, indem er in solchen Fällen durch seine verlicalwirkenden Schrauben sich aus der Tiefe in die Höhe schwingt, hierdurch mit seinen Geschützen, welche nach vorn, seitwärts und rückwärts angebracht sind, bis hoch über die Oberfläche des Wassers auftaucht und während dieser parabolischen Bewegung wie ein schießender Walfischrücken seine Geschosse nach dem feindlichen Schiff in ganz directer Nähe absendet. Im nächsten Zeitraum schon wieder unter die Wogenfläche verschwunden, besorgt er das Laden seiner Geschütze, ohne dem Feind auf dem überseeischen Schiff Gelegenheit zu bieten, seine üblichen Vertheidigungsmittel gegen ihn in Anwendung zu bringen. Schutzlos steht der Koloß der alten Marine dem neuen [559] rührigen und doppellebigen Kämpfer gegenüber, bis das Untertauchen auch an ihn kommt, aber zum Nimmerwiedererscheinen.

Weil der Küstenbrander, gleich der von Bauer in Rußland 1857 im Modell ausgeführten Corvette von 24 Kanonen, auch einen weitvorragenden Vordersteven und Sporn besitzt, so dürfte den bei Nacht oder Tag ausgesendeten Patrolbooten nicht allein ein Kartätschengruß aus den hart am Niveau hinstreichenden Geschützen, sondern auch der wuchtige Anprall dieses Sporns eine unliebsame Begegnung auf offener See sein.

So lange die unterseeischen Kriegsfahrzeuge nicht gleich den Fischen auch zum unterseeischen Kampf gegen einander ausziehen, sondern nur zum Angriff mit der oberseeischen Flotte verwendet werden, so lange ist es eben ein Kampf zwischen einem mächtigen Fisch und einem gebundenen Schwimmvogel. Doch bald genug wird sich das unterseeische Turnier eröffnet zeigen, und die eisernen Ungeheuer werden nach dem deutschen Vorbild weiter und weiter vordringend in allen Meeren sich bekämpfen, zerfleischen und begraben. – Die Furchtbarkeit der Waffe wird zunächst für viele Jahre den Seekrieg in begrenzte Räume führen, Deutschland aber kann durch energisches Erfassen dieser neuen Marine sich zum Herrn der Meere aufschwingen, wenn es endlich einmal sich zu dem Willen dazu ermannt.

Soweit Bauer. Wie groß sind nun die Ansprüche, welche er auf die Opferfähigkeit der deutschen Nation erhebt? Die Summe von 100,000 Thalern würde genügen, um wenigstens ein in allen Theilen vollendetes Probeschiff dieser neuen Art herzustellen.

Kein Mann, dem für die Ehre und Macht der Nation das Herz noch warm schlägt, wird der Meinung entgegen sein, daß eine solche Erfindung wohl werth ist, daß an ihre Erprobung jene für das große Deutschland so geringe Summe gewagt werde. – Um diese Summe durch Sammlungen in ganz Deutschland aufzubringen, hat sich in Leipzig ein Comité gebildet, das seine Aufrufe dafür mit der vollen Ueberzeugung von der Tüchtigkeit der Sache erließ, nachdem der Erfinder einem Kreise von wissenschaftlichen und technischen Fachmännern (zunächst in Leipzig, Dresden und Breslau) die eingehendsten Eröffnungen über die ganze innere Einrichtung des Schiffs gemacht, namentlich das Geheimniß seiner neuen Motionsmaschine ihnen entschleiert hatte, und von den Mitgliedern der in Leipzig zusammengetretenen Prüfungs-Commission über W. Bauers Küstenbrander einstimmig das Zeugniß ausgestellt worden war: „daß sie von der technischen Ausführbarkeit desselben vollständig überzeugt seien, auch einen Verstoß gegen irgendwelche ihnen bekannte Gesetze der Physik darin nicht gesunden hätten.“

Wie von allen ursprünglichen Zweifeln gegen die unterseeische Schifffahrt der letzte noch der der Möglichkeit genügender Fortbewegung war, so ist es eben gerade die neue Motionskraft, mit welcher wir der großen Erfindung erst ihre letzte Vollendung gegeben sehen. Ueber Bauer’s Sicherheit in der Beherrschung seines Submarineboots im Sinken, Steigen und besonders in dem anfangs vielangefochtenen Beharren in einer bestimmten Tiefe ist man jetzt beruhigt; man glaubt auch an die Möglichkeit des beliebigen Inclinirens und des Wendens mittelst der im Brandtaucher ersichtlichen Steuerschraube. Alle Zweifel darüber sind überwunden.

Ein öffentliches Zeugniß der Wissenschaft für die principielle Nichtigkeit und ein Gutachten von Männern der Technik für die Ausführbarkeit der Erfindung stellte sich aber dennoch um so mehr als Nothwendigkeit heraus, als die Presse sich hie und da bereits arg an ihr versündigt hatte. Wir erwähnen u. A. nur ein schlesisches Blatt, in welchem ein angeblicher „Sachverständiger“ ein wahrhaft entsetzliches Zerrbild der Erfindung gab. Ohne die geringste Kenntniß vom innern Bau des Brandtauchers construirte er aus eigener Phantasie ein Seeungethüm, dessen innere Einrichtung aus den wunderlichsten Unmöglichkeiten bestand, das unterm Wasser nicht nur mit Kanonen schoß, sondern sogar mit Dampf fahren sollte! Und nachdem der Mann solchen Unsinn als Hauptsache von Bauer’s Erfindung aufgethürmt, geht er alles Ernstes daran, gegen diesen die bittersten Vorwürfe über das Verfehlte seiner Erfindung zu erheben, ihm den Rath zu geben, sich mit dem Dampfmaschinenwesen erst etwas vertrauter zu machen, und schließt mit der Warnung an das Publicum, für derlei schwindelige Spekulationen das schöne Geld nicht herzugeben.

Solche Thorheit ist leider nicht zum Lachen; die Unkenntniß über unterseeische Schifffahrt ist noch so groß, daß selbst Verzerrungen dieser Art ihre Gläubigen finden; die Kritik der Presse ist nicht immer scharf genug, um so „pikanten“ Artikelchen, wie der angedeutete, nicht zur Verbreitung zu helfen, und – das Vertrauen des deutschen Volkes hat namentlich hinsichtlich des deutschen Flottenwesens schon so harte politische Stöße erlitten, daß es sehr leicht für Dinge lahm zu legen ist, die seine Theilnahme mit dem besten Rechte fordern.

Gerade bei dieser Erfindung ist es mehr, als bei der früher von der Nation unterstützten, nöthig, daß das Volk dem Urtheile der Fachmänner sein Vertrauen schenke. Bei dem „Taucherwerke“ konnte und mußte das ganze Verfahren, mit bildlicher Darstellung, der Oeffentlichkeit preisgegeben werden, um die allgemeine Theilnahme für dasselbe zu erwärmen. Der Erfolg rechtfertigte dies. Allein seitdem ist diese Schiffhebungsweise auch außer Deutschland Gemeingut geworden, Deutschland hat nicht mehr den Alleinvortheil davon, den es ohne die damalige Nothwendigkeit solcher Preisgebung für längere Zeit hätte ernten kennen. – Anders muß es jedoch mit dem Küstenbrander und der von ihm ausgehenden industriellen unterseeischen Schifffahrt gehalten werden. Hier gilt’s, das Geheimniß, das die Seele des Ganzen bildet, so lange als möglich für Deutschland allein zu bewahren, – und darum müssen wir unsere deutschen Landsleute bitten, ja, wir müssen von ihnen erwarten, daß ihre Vaterlandsliebe und ihr Vertrauen zu den namhaften Männern der Prüfungscommissionen größer sei, als der verzeihliche Trieb der Neugierde und das Streben der Wißbegierde nach dem Wesen jenes Geheimnisses. Ist es erst gesetzlich gesichert und ein erster Küstenbrander erprobt, so wird es sammt den großartigen Früchten desselben bald genug Eigenthum der gesammten Nation werden.

Sollte endlich Jemand die Frage aufwerfen: „Wenn nun die 100,000 Thaler für ein solches unterseeisches Kriegsfahrzeug aufgebracht werden und der Bau desselben gelingt: was dann damit anfangen?“ – so fehlt auch dafür die beruhigende Antwort nicht. Als Bauer sich an mehrere deutsche Regierungen mit seinem Antrag um Uebernahme seiner Erfindung wandte, bedeutete man ihn, daß die betreffenden Staaten mit ihren Finanzen nicht so gestellt seien, um Kriegsapparate anzuschaffen, so lange sie noch den Charakter des Experimentalen an sich trügen. In diesen Motten liegt bereits der Hinweis, daß man einen erprobten, des experimentalen Charakters entkleideten Seekriegsapparat wohl für den Staat erwerben werde. Vielleicht hilft unserem Küstenbrander auch folgender bekannte Ausspruch mit zur Empfehlung. Mitte Juli dieses Jahres sprach Kaiser Napoleon III. zu dem italienischen Admiral Vacca: „Ihre Marine ist bereits die drittstärkste in Europa. Sie haben viele gepanzerte Fregatten. Das wird Ihnen bei einem künftigen Kriege mit Oesterreich zu Nutzen kommen.“ – Wenn Napoleon spricht, so spricht er, um in ganz Europa gehört zu werden. Wenn aber die Regierungen der Deutschen Küstenstaaten nicht blos diesen Drohwink, sondern ebenso aufmerksam die Gutachten und dringenden Empfehlungen der Prüfungscommissionen des Bauer’schen Küstenbranders hören, so besitzen sie bis zum Ausbruch des nächsten Krieges, vor dessen Nahen schon heute mitten in der industriellen Emsigkeit die Völker beben, das Seemachtmittel, mit dem sie gegen keine europäische Flotte mehr den Kampf zu scheuen brauchen.

Und somit empfiehlt die Gattenlaube allen ihren Lesern dieses Unternehmen auf das Angelegentlichste. Mögen sich in allen deutschen Städten, auch wenn die directe Aufforderung des Leipziger Comité nicht an sie gelangen sollte, Local-Comités bilden, welche sich mit dem Leipziger Comité in Verbindung setzen. Ihre Zuschriften richten sie an den Verfasser dieses Artikels, als Vice-Vorsitzender des genannten Comité, etwaige Geldsendungen an Herrn Ernst Keil, den Herausgeber der „Gartenlaube“. – Es wird dem Unternehmen nur zum Vortheil gereichen, wenn sie auch dem „geschäftlichen Zusatz“ des Aufrufs Gehör schenken wollen. Nach diesem „sendet jedes Local-Comité, nachdem in einer öffentlichen Versammlung Art und Zweck des Unternehmens erörtert ist, Männer aus seiner Mitte oder dazu herbeigezogene ortskundige Männer mit Zeichnungsbogen von Haus zu Haus, denn die Aufbringung der zur Ausführung des ganzen Baues erforderliche Summe soll durch Zeichnung eines womöglich einmaligen, wohl den Verhältnissen des Beisteurers, aber auch der Wichtigkeit der Sache entsprechenden Beitrags geschehen. In größern [560] Städten theile man diese Arbeit nach den Vierteln oder Bezirken der Stadt. Nur auf diese Weise ist rasch ein Erfolg und rasch ein Ueberblick der Erfolge zu ermöglichen. – Dem Comité zu Leipzig sind von allen Local-Comités wöchentlich Berichte über den Stand der Zeichnungen zu machen, deren Ergebniß durch die Presse (Gartenlaube etc.) sogleich veröffentlicht wird. – In Städten, wo von Flotten-Comités noch Flottengelder zurückbehalten wurden, möge man, nach dem Vorgange von Altenburg, Halberstadt etc., dieselben zur Verwendung für den durch den Küstenbrander zu schaffenden Küstenschutz herbeizuziehen suchen. – Das Comité zu Leipzig besorgt die Leitung der Geschäfte, bis eine Summe von 40,000 Thalern gesichert ist. Alsdann fordert dasselbe alle bis dahin durch Beisteuern betheiligte Local-Comités zur Beschickung einer Delegirten-Versammlung auf, welche über die dann noch nöthigen Schritte in der Angelegenheit zu beschließen hat.

Wie schwer auch diese jüngste Zeit auf den Herzen der Patrioten in Deutschland lastete, erdrückt sind sie nirgends, fähig der Erhebung zu jedem Opfer für das Heil des Vaterlandes überall, – und an dieses unverwüstliche deutsche Nationalgefühl appelliren wir auch in dieser Sache, sie legen wir mit dem vollsten Vertrauen an das treue deutsche Herz! –